Rubrik: Gemeinde/Stadt/Land
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Thema:
Medienkompetenz
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Alle Jahre wieder − verwandelt sich das Mainzer Theresianum in ein Messe- und Kommunikationszentrum. Am 1. Juni 2006 war es erneut so weit: Rund 800 Interessierte strömten zur „iMedia - Zweites Forum Integrative Medienbildung“, um einen Überblick über die neuesten Trends im Lernen rund um den Computer und den neuen Medien zu erlangen. Das Team des LandesMedienZentrums (LMZ) Rheinland-Pfalz, gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend (MBFJ) Veranstalter dieses Forums, leistete ganze Arbeit: Wie im Vorjahr konnten die Besucher unter etwa 80 Workshops zu den übergreifenden Themen wählen: „Medieneinsatz und Qualitätsentwicklung in Schule und Unterricht“, „Individuelle Förderung in der Schule“, „Innovationsforum“, „Verantwortlicher Umgang mit Medien in der Schule“ und „IT-Administration und Schulmanagement“.
„Attraktivster Impulsgeber für Innovationen“
Bevor
die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Schulgebäude ausschwärmten, um
sich über Projekte und Methoden medialen Lehrens und Lernens zu
informieren, versammelten sie sich in der Sporthalle. Dort folgten sie
der Ansprache von Michael Ebling, Staatssekretär im MBFJ sowie einem
Vortrag des Erziehungswissenschaftlers Prof. Bardo Herzig von der
Universität Paderborn.
Ebling lobte die iMedia als „attraktivsten Impulsgeber für Innovationen, wenn es um Medienerziehung in der Schule geht“. Das Forum sei eine Fortbildungsveranstaltung für Lehrkräfte im Bereich der Neuen Medien, auf dem Konzepte für den Einsatz dieser Medien im Unterricht im Vordergrund stünden. Wichtig sei dabei die Verzahnung von Neuen Medien und Leseförderung. „Medienerziehung und Leseförderung sind zwei Bereiche, die nicht nur für die Bildungspolitik im Land einen hohen Stellenwert haben, sondern sich auch hervorragend ergänzen“, führte Ebling aus. „Die heutige Welt ist von den Neuen Medien geprägt. Wir müssen diese Potentiale für die Leseförderung und für die Erschließung von Texten nutzen. Die Kulturtechnik Lesen ist auch Voraussetzung für die Nutzung der Neuen Medien. Gerade Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Familien können durch sie motiviert werden, sich auch mit anspruchsvolleren Texten und Büchern auseinander zu setzen.“
Zehn weitere Wissenszentren an Ganztagsschulen
In
diesem Zusammenhang kündigte der Staatssekretär an, dass zehn weitere
so genannte „Virtuelle Wissenszentren“ in Ganztagsschulen hinzukommen
werden. Damit gibt es insgesamt 20 dieser Wissenszentren in
Rheinland-Pfalz, die vom LandesMedienZentrum eingerichtet und betreut
werden. Die „Virtuellen Wissenszentren“ erweitern die Schulbibliotheken
in den Ganztagsschulen mit Laptops oder Computerinseln, verknüpfen
also, wie von Ebling ausgeführt, Lesen mit den Neuen Medien.
Die Schülerinnen und Schüler können selbstständig im Internet recherchieren und ihre Ergebnisse zum Beispiel auf CD und in PowerPoint-Präsentationen veröffentlichen. Darüber hinaus wird den Ganztagsschulen Software zur Leseförderung und für interaktive Leseprojekte zur Verfügung gestellt. Ebling erläuterte: „Die Landesregierung möchte damit eine innovative pädagogische Praxis mit den Neuen Medien unterstützen und zu einem Wandel der Lernkultur beitragen – hin zu einer stärkeren Schülerorientierung mit verstärktem selbst regulierten Lernen.“
Das Stichwort „selbst reguliertes Lernen“ leitete passend zum Vortrag von Prof. Herzig über, der über „Neue Medien und selbst gesteuertes Lernen“ referierte. Anhand von kleinen Filmeinspielungen stellte der Wissenschaftler Fallbeispiele für die Verknüpfung des Unterrichts mit Neuen Medien vor. „Selbst reguliertes Lernen hat etwas mit der Fähigkeit zu tun, sich selbst und anderen Fragen zu stellen“, resümierte Herzig. „Durch verschiedene Formen von Lernsoftware werden Lernaktivitäten ermöglicht, angeregt und unterstützt, die im Kontext selbst regulierten Lernens bedeutsam sind. Diese Kompetenzen entwickeln sich aber nicht automatisch, sondern müssen durch didaktische Lehraktivitäten gefördert werden.“ Es könne insofern nur von einem Potential gesprochen werden, das es didaktisch zu nutzen gelte. Empirisch lasse sich jedenfalls nicht nachweisen, dass das Lernen mit Neuen Medien erfolgreicher sei. Die Konsequenz aus dieser Beobachtung laut Bardo Herzig: „Der Lernerfolg ist nicht vom Medium, sondern von der didaktischen Methode abhängig.“
„Jede Schule sollte eine Film-AG oder eine Medien-AG haben“
Ein
offensichtlicher Bedarf, die Individuelle Förderung der
Rechtschreibkompetenzen durch Neue Medien stützen zu wollen, spiegelte
sich in der Besucherzahl im Workshop des Fachbereichs
Erziehungswissenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
wider: Obwohl bereits einer der größeren Workshops, reichten die
Sitzplätze nicht für alle Interessierten. Philipp Klein, Projektleiter
von „Lernserver – Interaktive Förderdiagnostik“, stellte das Projekt
vor, mit dem „endlich das alte pädagogische Ideal erreichbar gemacht
werden soll: Die Kinder genau dort zu unterstützen, wo sie es nötig
haben.“
Beim „Lernserver“ handelt es sich um eine Rechtschreibdiagnose durch den Computer. Die Universität schickt einer Schule ein Lückendiktat zu, dessen Wörter von den Schülerinnen und Schüler ein- und von den Lehrerinnen und Lehrern dann auf Eingabemasken im Internet übertragen werden. Die Software wertet mit Hilfe einer umfangreichen Datenbank die Fehler aus. Anhand der Auswertung stellt das Lernserver-Team individuelle Fördermaterialien für jedes Kind zusammen und sendet sie der Schule zum Selbstkostenpreis zu. “Für Sie als Lehrer ist dies mit einem Zeitaufwand von etwa fünf Minuten pro Bogen verbunden, alles andere übernimmt das Programm“, erläuterte Bardo Klein. „Die Kinder müssen nicht am PC sitzen, sondern erhalten ihre graphomotorische Kompetenz durch das gewohnte Schreiben mit Stift und Papier.“
Bei der Arbeit mit Medien erfährt man auch etwas über Medien – zum Beispiel den Film. In der Regionalen Schule Goetheschule in Contwig drehten Schülerinnen und Schüler einen Film über die Aktivitäten in der Projektwoche 2004. Lehrer Richard Sappok stellte in seinem Workshop „Eine Schule zeigt, was in ihr steckt“ Ausschnitte aus diesem Film vor und gab den Anwesenden, die ähnliche Projekte planen, Tipps zur Realisierung. „Ganz wesentlich ist, dass man vor Beginn des Drehs ein Drehbuch hat, sonst endet das im Chaos, weil man Unmengen an Material hat, das zusammenhangslos bleibt“, riet Sappok. Die Goetheschule habe sich beim Schneiden von einem professionellen Studio helfen lassen, was für die Jugendlichen eine interessante Erfahrung gewesen sei: „Die Sichtweise auf Film verändert sich.“ Als zukünftiges Projekt sei an einen Film über das Berufspraktikum gedacht, den man dann auch auf einem Elternabend vorführen könne. „Jede Schule sollte eine Film- oder Medien-AG haben“, befand der Lehrer.
Fünf Medienpädagogen für 19 Ganztagsschulen
Um
die „praktische Medienarbeit in der Ganztagsschule“ geht es beim
Gemeinschaftsprojekt der Landeszentrale für Medien und Kommunikation
(LMK) und des Bildungszentrums BürgerMedien e.V., das die
Diplompädagogin Anja Naumer in ihrem Workshop „Evaluation:
Medienpädagogik Ganztagsschule“ präsentierte. Im aktuellen Schuljahr
sind fünf Medienpädagogen in 19 Ganztagsschulen im Einsatz, um mit den
Schülern Filmprojekte zu realisieren. „Seit Beginn des
Ganztagsschulprogramms in Rheinland-Pfalz sichern unsere Mitarbeiter
den Unterricht zuverlässig“, vermeldete die Referentin. Die Schulen
hätten mit den von ihnen begleiteten Projekten schon zahlreiche Preise
errungen, zuletzt die Video-AG „Videofuzzies“ der Grundschule
Hillesheim im Mai mit ihrem Film „Alt trifft jung“ mit dem dritten
Platz beim bundesweiten Wettbewerb „Zeigt her eure Schule“.
“Wir leisten einen Beitrag zur Medienkompetenz, indem die Kinder durch eigenes Produzieren verstehen lernen, wie Film und Fernsehen funktionieren“, erklärte Naumer. „Wir vermitteln implizit diejenigen Kompetenzen, die zu einem sinnvollen, kritischen, selbstbestimmten und kreativen Umgang mit Medien führen.“ Zugleich lernten die Kinder die technischen Aspekte des Filmens kennen und bauten die Hemmungen vor der Technik ab. Die visuellen Ausdrucksformen bescherten Schülern mit Migrationshintergrund oder Förderschülern, die es im Regelunterricht schwer hätten, Erfolgserlebnisse, Anerkennung und Selbstbestätigung. Den Lehrern verhelfe diese Medienarbeit zu einer anderen Sichtweise auf ihre Schüler.
Keine Nachricht ist objektiv
Eine
kritische Auseinandersetzung mit den Medien zu fördern, ist das Ziel
der Medienarbeit des LandesMedienZentrums in den Schulen. Sandra Lentz
und Daniel Zils zeigten anhand von Beispielen in ihrem Workshop
„Förderung von Medienkritik“, wie Nachrichten durch Selektion,
Weglassen oder gezielter Manipulation von Bildern und Tönen nie die
Welt eins zu eins abbilden, was oftmals die naive Sichtweise sei. „Wir
wollen die Erkenntnis vermitteln, dass keine Nachricht objektiv ist,
weil sie mehreren durch Menschen gesteuerten Auswahlprozessen
unterliegt“, erklärte Zils.
Zu diesem Zweck lassen die Medienpädagogen die Schulklassen zum Beispiel Zeitungsmeldungen mit den ihnen zu Grunde liegenden Agenturmeldungen vergleichen. „Da kapieren die Schüler erst mal, wie viel hinter einer einfachen Meldung steckt“, berichtete Lentz. Oder die Jugendlichen können mit Hilfe von Computerprogrammen relativ simpel Tonausschnitte selbst manipulieren.
Die
diesjährige iMedia machte deutlich: Es kommt nicht nur auf die Medien,
sondern besonders darauf an, was man mit ihnen macht. Sie können eine
Bereicherung des Unterrichts sein und das Lernen und Lehren
vereinfachen − der Prozess der Auseinandersetzung mit ihnen ist aber
auch stets eine kritische Auseinandersetzung mit der Realität.
Autor: Ralf Augsburg - DZ Online-Redaktion
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