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Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz

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iMedia 2010: Musikalische Begrüßung durch die "Trashdrumming Group" der Albert-Schweitzer-Realschule plus aus Koblenz in der Turnhalle des Theresianums

iMedia 2010: Musikalische Begrüßung durch die "Trashdrumming Group" der Albert-Schweitzer-Realschule plus aus Koblenz in der Turnhalle des Theresianums iMedia 2010: Prof. Dr. Kerstin Mayrberger von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz hielt den Impulsvortrag iMedia 2010: Siegfried Czernohorsky, Referent im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur (im Vordergrund, 2.v.l.), beim Rundgang durch die Infostände iMedia 2010: Hier können die Großen noch etwas von den Kleinen lernen iMedia 2010: Auch der Muße und dem Austausch gaben die Veranstalter LMZ und MBWJK im Theresianum Zeit und Raum iMedia 2010: Demonstration der Funktionsweise eines smart boards in einem Workshop iMedia 2010: Köpfe zusammenstecken war in den Infoshops angesagt iMedia 2010: Blick in die Ausstellung in der Aula des Theresianums
27.05.2010

"Weniger ist mehr!"

iMedia 2010 – das 6. Forum Integrative Medienbildung

Die Neuen Medien halten Einzug in die Schulen und verändern den Unterricht. Dabei beschränkt sich der Einsatz der Technik nicht mehr nur auf die Recherche im Internet, sondern sorgt auch für ganz neue Methoden der Quellenarbeit, wie das Beispiel Twistory im Geschichtsunterricht zeigt. Dieses war eine von vielen Innovationen, die auf der 6. iMedia "Schule.Medien.Kompetenz" am 20. Mai 2010 in Mainz präsentiert wurden.

Schulen sind wie Kreuzfahrtdampfer. Kinder und Jugendliche buchen als Passagiere eine Reise in einem geschlossenen System für eine bestimmte Zeitspanne. Das Schiff fährt unbeirrt eine feste Route entlang, um dann in den Abschluss-Hafen einzulaufen. Neue Medien sind dagegen schnell, flexibel, komplex und im ständigen Wandel begriffen. Wie passen diese zwei – Schule und Neue Medien – zusammen? Dieses Bild vom „Dampfer“ gebrauchte Kerstin Mayrberger, Juniorprofessorin für Medienpädagogik mit dem Schwerpunkt Lehren und Lernen mit Neuen Medien von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz auf der iMedia, die am 20. Mai 2010 zum 6. Mal stattfand.

Noch gibt es Barrieren zwischen Schule und den Bildern und Tönen aus Computern, Laptops, Handys, I-Pads oder Internet. Aber dieser Status quo verändere sich laut Prof. Dr. Mayrberger. Nicht zuletzt eine Tagung wie die iMedia weiche diese Grenze didaktisch begründet auf.

Unter dem Motto "Schule.Medien.Kompetenz" konnten das Landesmedienzentrum Rheinland-Pfalz (LMZ) und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur (MBWJK) wieder über 1.000 Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Elternvertreter, Studienseminare, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft im Mainzer Gymnasium Theresianum begrüßen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartete ein vielfältiges Angebot an Workshops und Informationsständen, die jeden erdenklichen Aspekt rund um die Themen Medien und Schule beleuchteten. Die Differenzierung des Themas Neue Medien, das sich heute nicht mehr nur auf Computer und Internet beschränken lässt, schlug sich auch im Angebot der iMedia nieder: Innerhalb von zwei Jahren verdoppelte sich die Zahl der Foren und Präsentationen von 50 auf über 100.

Medienpark nicht allein entscheidend für die pädagogische Medienarbeit
Innerhalb dieses Angebots nahm der Block "Schule.Medien.Unterricht" den größten Raum ein. "Diese Entscheidung haben wir ganz bewusst gefällt", so Andrea Müller-Goebel vom Landesmedienzentrum, "denn auf dieser Tagung soll die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Vordergrund stehen. Nicht immer ist der Medienpark einer Schule allein entscheidend für die pädagogische Medienarbeit – noch wichtiger sind die Ideen und das Engagement der Lehrkräfte. Die Integration der Medien in den Unterricht einer Schule ist dabei auch als Führungsaufgabe wichtig."

Die Neuen Medien stellten die Schulen vor große Herausforderungen – konkret in jedem Unterricht, erklärte Siegfried Czernohorsky, Referent im MBWJK in seinem Grußwort zu Beginn der iMedia. "Die Schülerinnen und Schüler sind in der digitalen Welt Risiken ausgesetzt, aber sie haben durch sie auch Chancen, Wissen zu generieren."

Die Landesregierung begleitet seit 2007 mit ihrem Zehn-Punkte-Programm diesen Prozess in den Schulen. Nun kann man Siegfried Czernohorsky zufolge bereits eine "sehr positive Zwischenbilanz" ziehen: Die Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer habe einen Schub erhalten. Es würden Schülerinnen und Schüler zu Medien-Scouts qualifiziert, die ihr Wissen an ihre Mitschülerinnen und -schüler weitergeben. Bisher habe das Land über 300 Schulen mit Informationstechnik ausgestattet, und bis 2011 würden dann mehr als 400 Schulen in diesen Genuss kommen. Insgesamt zehn Millionen Euro investiere das Land hier. Aber Siegfried Czernohorsky gab dem Auditorium in der Turnhalle des Theresianums zugleich zu bedenken: "Wir müssen nicht allem an Technik hinterher hecheln – wir brauchen auch eine Verlangsamung. Nutzen Sie die vorhandenen Instrumente vor allem, um ihre Schülerinnen und Schüler zu Medienbürgern zu machen."

Digitale Medien als Brücke zwischen Alltag und Schule
Auf der iMedia setzte sich die Unterstützung von Schulen durch die Landesregierung in drei Programmen fort: Einige Schulen nehmen an "Robotics - Lernen mit Robotern" teil, das den spielerischen Zugang zu technischem Wissen fördert. Über acht bis zehn Wochen konstruieren und programmieren Schülerinnen und Schüler in Kooperation mit dem Software-Hersteller SAP Roboter. Zehn weitere Schulen wurden in den Kreis der "DIMIG – digitale Medien in der Grundschule", der Innovationsoffensive zur Unterstützung der Medienkompetenz in Grundschulen, aufgenommen. Darüber hinaus nimmt das Programm "Medienkompetenz macht Schule" im vierten Jahr 40 neue Schulen auf, so dass sich die Zahl hier auf insgesamt 380 Schulen erhöht. 120 Schulen hatten sich für dieses Programm beworben.

Für Prof. Kerstin Mayrberger bieten die Neuen Medien eine Chance für die Schule insgesamt. In ihrem Impulsvortrag "Verändertes Lernen mit Neuen Medien gestalten: Das Internet als Lernraum nutzen" führte sie aus, dass das Intranet eine Schule zusammenschweißen könne, Homepages für die Darstellung der Schule und als Öffnung nach außen genutzt und Produkte aus dem Unterricht im Netz präsentiert werden könnten – zum Beispiel auf Plattformen wie "My Space". Fast alle Kinder und Jugendlichen hätten Zugang zu den entsprechenden Techniken, und die Pädagoginnen und Pädagogen sollten die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler und die digitalen Medien als eine "Brücke zwischen Alltag und Schule" nutzen.

Auch neue Kommunikationsarten wie twitter lassen sich der Wissenschaftlerin zufolge im Unterricht einsetzen: Bei "Lernen in 140 Zeichen" würden die Schülerinnen und Schüler angehalten, Sachverhalte kurz und prägnant zu formulieren, Dinge auf den Punkt zu bringen und Synonyme zu finden.

Lernziele im Blick behalten
"Das Internet bietet schon sehr viel an Möglichkeiten des Lehrens und Lernens an", meinte Kerstin Mayrberger, "so dass das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden muss. Bei dem Online-Projekt 'Planet Schule' ist es zum Beispiel möglich, zeit- und ortsunabhängig Material herunterzuladen, Filme anzuschauen, Texte mitzulesen oder Suchbegriffe einzugeben, um sich zu verschiedenen Themen zu informieren. Auch die Mediatheken der Verlage, Magazine, Fernseh- und Rundfunksender bieten viel Recherche- und Informationsmöglichkeiten, die sich im Unterricht einsetzen lassen."

Die Herausforderung für die Lehrenden im Umgang mit den Neuen Medien im Unterricht bestehe unter anderem darin, die "fachlichen Lernziele im Blick zu behalten" und nicht die Inhalte der Technik anzupassen. "Es darf zu keiner ‚tweeducation’ kommen", mahnte Kerstin Mayrberger. Verhältnismäßigkeit des Einsatzes der Neuen Medien müsse genauso austariert werden wie die Verbindung von formalem und informellem Lernen. Wie Siegfried Czernohorsky gab auch Kerstin Mayrberger zu bedenken: "Weniger ist mehr."

Wie sich Twitter im Geschichtsunterricht einsetzen lässt, demonstrierte Daniel Eisenmenger aus eigener Erfahrung in seinem Workshop. Der Geschichtslehrer am Eichendorff-Gymnasium in Koblenz arbeitet zugleich seit August 2009 als regionaler Koordinator des Programms "Medienkompetenz macht Schule" am Landesmedienzentrum in Koblenz. Für seinen Unterricht orientierte er sich an Twistory-Vorbildern aus den Vereinigten Staaten von Amerika, wo unterschiedliche geschichtliche Themen wie die Schlacht von Gettysburg, der Mormonen-Treck nach Utah oder die Kuba-Krise in Form von Twitter-Einträgen nacherzählt wurden: Studentinnen und Studenten übernahmen die "Rolle" einer der am Geschehen beteiligten Personen und gaben in einem Tag-für-Tag-Nacherleben nach dem Studium von Quellen wie Tagebüchern, Briefe, Reden oder Memoiren deren subjektive Sicht in twitter-Einträgen wieder. Dadurch ergab sich ein dialoghaftes, kaleidoskopmäßiges Wiedererzählen von Geschichte.

Twittern für Geschichtsunterricht gut geeignet
Der Geschichtslehrer nutzte diese Lernvariante für seinen Geschichtsgrundkurs in der 12. Jahrgangsstufe. Die Schülerinnen und Schüler stellten die Diskussionen rund um die Paulskirchenverfassung in der Revolution 1848 dar. "Mit dem Einsatz Neuer Medien wollte ich die Schülerinnen und Schüler motivieren, sich diesem Thema zu nähern", erläuterte Daniel Eisenmenger. Das gelang bedingt. "Die Rückmeldungen der Jugendlichen waren am Schluss des Projektes unterschiedlich: Die ansonsten weniger Motivierten fanden diese Herangehensweise interessant, aber den Geschichtsinteressierten war es zu fragmentiert."

Die zu spielenden "Rollen" und die Quellen gab der Lehrer vor, die Schülerinnen und Schüler mussten die Quellen lesen und zusammenfassen und die Tweets formulieren. "Die Jugendlichen schulen hier ihre Recherchekompetenz, lernen unterschiedliche Quellen und Multiperspektivität kennen. Die Vorteile einer solchen Art des Lernens liegen in der methodischen Abwechslung, dem Projektcharakter, der Anschaulichkeit, der intensiven Quellenarbeit und der klaren Ergebnissicherung", beschrieb Daniel Eisenmenger seine Erfahrungen. Der Zeitaufwand sei allerdings hoch und das Einrichten und Beherrschen der Technik anspruchsvoll.

"Für das Fach Geschichte ist das Twittern sehr gut geeignet", befand der Lehrer. "Auch für Sprachen und Literatur sehe ich das Potenzial, zum Beispiel um Lyrik und Kurzgeschichten auf den Punkt zu bringen. Denn, meine Schülerinnen und Schüler haben bewiesen, dass sie Dinge gut zusammenfassen können, ohne zu paraphrasieren. Für andere Fächer dürfte dieses Verfahren aber schwer nutzbar sein." Eine weitere Erkenntnis, die Daniel Eisenmenger bei seinem Projekt gewann und die sich fast schon zu einem Leitmotiv an diesem Tagungstag fügte: "Weniger ist mehr. Ich habe zum Beispiel die Schülerinnen und Schüler gleichzeitig noch einen Blog verfassen lassen, was sie eindeutig überforderte." Zumal er die den Kindern und Jugendlichen zugeschriebene Kompetenz im Umgang mit diesen Instrumenten – Stichwort "digital natives", digital Aufgewachsene – nicht bestätigen konnte: "Von den 18 Kindern in meinem Kurs kannte nur eine Twitter und Bloggen."

Moodle vereint die Lerngemeinschaft im Internet
Eine andere Möglichkeit, den Unterricht mit Hilfe neuer Medien zu verändern und zu entgrenzen, bietet lernenonline.bildung.rlp.de, eine Lernplattform auf moodle-Basis. Moodle steht für Modular Object Oriented Dynamic Learning Environment - ein plattformunabhängiges Lernmanagement-System zur Erstellung und Administration webbasierter Lernumgebungen. Dieses Verfahren stammt aus Australien und ermöglicht ein gemeinsames Lernen über das Internet.

"Seit eineinhalb Jahren baut das Landesmedienzentrum moodle auf, um es allen Schulen zur Verfügung zu stellen", berichtete Dr. Klaus Müller vom LMZ. Derzeit nutzen über 100 Schulen diese Lernplattform, die es Lehrerinnen und Lehrern ermöglicht, Aufgaben ins Netz zu stellen und die Schülerinnen und Schüler zu bestimmten Themen recherchieren und ihre Texte, Fragen und Kommentare auf moodle schreiben zu lassen. Jeder Jugendliche wird per E-Mail informiert, wenn sich auf der Plattform etwas tut. "Die Ausrede, man sei in der letzten Stunde nicht da gewesen und wisse daher nicht, was die gestellte Aufgabe sei, funktioniert hier nicht mehr", erläuterte Klaus Müller.

Moodle könne bei Projekten zum Einsatz kommen. So ist an einer Schule fächerübergreifend mit sechs Schulfächern zehn Wochen lang in 150 Stunden an einem Thema gearbeitet worden, wobei die Schülerinnen und Schüler selbstständig im Computerraum arbeiteten.

Die Jugendlichen können ein Lerntagebuch anhand der vom Lehrer gestellten Fragen schreiben und von ihm gestellte Aufgaben lösen, die bis zu einem von dem Pädagogen definierten Abgabetermin eingepflegt werden müssen – ansonsten ist die Abgabe nicht mehr möglich. "Moodle bietet den Lehrkräften eine organisatorische Erleichterung für das, was sie sowieso schon tun", meinte Müller. "Dazu ist es auch interkommunikativ für die Lehrer nutzbar." Auch die Schülerinnen und Schüler nutzten es nach Ende des oben erwähnten Projekts, als es auf die Prüfungen zuging: "In den Foren fragten die Jugendlichen untereinander, wer noch bestimmte Materialien habe und suchten zugleich noch Antworten auf offene Fragen."

Autor: DZ Online-Redaktion - Ralf Augsburg

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