Rubrik: Schüler/innen
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Die Ganztagsschule bietet während der Schulzeit volles Programm. Damit Schülerinnen und Schüler auch in den Sommerferien ein hochwertiges ganztägiges Angebot nutzen können, arbeiten in der Verbandsgemeinde Stromberg verschiedene Akteure eng zusammen. Am 5. Juli 2010 startete die dritte Kinderferienfreizeit im Walderlebniszentrum Soonwald mit einer Rekordteilnehmerzahl von 144 Kindern in der ersten Woche.
„Bist du ein Tages- oder ein Übernachtungskind?“ Das ist eine wichtige Frage im Walderlebniszentrum Soonwald (WEZ), zumindest während der ersten Tage der Sommerferien in Rheinland-Pfalz. Die über drei Wochen angebotene Kinderferienfreizeit der Verbandsgemeinde Stromberg, die in Zusammenarbeit mit dem Walderlebniszentrum Soonwald und dem Bund Deutscher Pfadfinder (BDP) in diesem Jahr zum dritten Mal ausgerichtet wird, ist mit 144 Kindern in der ersten Woche so gut besucht wie noch nie. „Das ist einerseits ein Kompliment an unsere Arbeit, andererseits bringt es uns an unsere Grenzen,“ sagt Roland Grammes (BDP). Da muss gut organisiert werden, um den Überblick zu wahren und den Tagesrhythmus von Mahlzeiten und Freizeitprogramm zu gewährleisten.
Weil in der ersten Woche im Walderlebniszentrum auch übernachtet werden kann, liegt eine erste Einteilung auf der Hand: 57 Übernachtungskinder, die auf dem Gelände bleiben und 87 Tageskinder, die jeden Morgen ab 7.30 Uhr gebracht und abends ab 18 Uhr wieder abgeholt werden, gehen in zwei Schichten zum Essen. So wird es nicht zu eng und nicht zu laut im schönen hellen Speisesaal. Ohne Hektik bewegen sich die Kinder am Frühstücksbuffet an Melonenstücken, Käse und Brötchen vorbei.
„Normalerweise handelt es sich hier um eine Selbstversorgerküche“, erklärt Bernd-Peter Räpple, Leiter des WEZ. Das heißt, die Klassen, die außerhalb der Kinderferienfreizeit kommen, bestimmen selbst mit ihren Lehrerinnen und Lehrern, was sie kochen und essen wollen. Denn Selbstorganisation ist neben Umweltbildung und Erlebnispädagogik eine wichtige Säule im Konzept der seit April 2008 erfolgreich geführten Bildungs- und Freizeiteinrichtung des Landes Rheinland Pfalz, die dem Forstamt Soonwald zugeordnet ist und auch zu den SchUR-Stationen (Schulnahe Umwelterziehungseinrichtungen) zählt, die für ein Lernen mit und von der Natur stehen.
Angesichts der hohen Teilnehmerzahl geht es während der Kinderferienfreizeit nicht ohne Caterer, der das Essen an die Haustür liefert. Es ist derselbe, der auch die Ganztagsschule Stromberg versorgt. Nur die Milchprodukte stammen von einem Milchhof aus der Region. Die quirligen Tischgespräche an diesem zweiten Morgen der Ferienfreizeit lassen keinen Zweifel an der Vorfreude der Kinder auf den Tag.
Ferienfreizeit und Betreuungsbedarf
„Die Ferienfreizeit hat eine lange Tradition in der Verbandsgemeinde und wurde über viele Jahre fast zu hundert Prozent ehrenamtlich geleistet“, berichtet Bürgermeisterin Anke Denker. Sie selbst hift auch als eine der Frauen, die hier ehrenamtlich beim Frühstücksbuffet mit anpacken. Lange Jahre hat die Arbeiterwohlfahrt Ferienfreizeiten angeboten. Gerade berufstätige Eltern, deren Verwandte und Großeltern entweder nicht vor Ort wohnen oder selbst (noch) im Beruf sind, nehmen das Angebot Ganztagsschule dankbar an, weil sie wissen, dass ihre Kinder dort professionell betreut werden. Solch ein anspruchsvolles Ganztagsangebot auch in den Ferien dauerhaft anzubieten, ist Ziel von Bürgermeisterin Anke Denker: „Die Eltern brauchen das. Ich denke für die Zukunft auch an einen Ausbau in die Herbst- und Osterferien.“
Kooperation von professionellen und ehrenamtlichen Akteuren
Das Erfolgsrezept gelungener Ferienfreizeiten liegt in der Zusammenarbeit vieler Kräfte, insbesondere der Kooperation von professionellen und ehrenamtlichen Akteuren. Während die Verbandsgemeinde als Träger der Kinderferienfreizeit Haushaltsmittel zur Verfügung stellt und sich um Logistik und Verwaltung kümmert, übernehmen die Partner, das Team des WEZ, geleitet von Bernd-Peter Räpple und der BDP, vertreten durch Roland Grammes, die pädagogische Leitung. Als Dienstleister entwickeln sie das inhaltliche Programm und führen es durch. Während des Ferienprogramms werden sie dieses Jahr von ca. zehn Oberstufenschülerinnen und -schülern unterstützt, die als zusätzliche Betreuer ebenfalls von der Verbandsgemeinde finanziert werden.
Dass eine Woche Kinderferienfreizeit derzeit nur 30 Euro kostet und die Übernachtungswoche bei 80 Euro liegt, wird möglich durch Zuschüsse vom Kreisjugendamt, durch Sponsoren sowie durch zusätzliche Mittel, wie sie 2010 durch die Kooperation mit der Ganztagsschule Stromberg zur Verfügung gestellt werden konnten und vor allem durch die ehrenamtliche Mitarbeit der Küchencrew, wie sie von Sigrid Beck, ihrem Ehemann und vielen anderen jeden Tag geleistet wird. So erklärt Anke Denker, warum sie hier ist: „Meine Überzeugung ist, ich bekomme so eine Crew nur, wenn ich mich selbst in das Projekt mit einbringe.“
Begeisterte Kinder
Viele Kinder sind schon zum dritten Mal begeistert bei der Kinderferienfreizeit dabei. So wie Tabea, die die fünfte Klasse in der Integrierten Gesamtschule Stromberg (IGS) besucht. Sie hat sich heute Morgen für den Trommelbau-Workshop am Spielmobil entschieden und hält ihr Werk, da es noch trocknen muss, voller Vorsicht in den Händen. Auf die Frage, was sie an der Ferienfreizeit besonders mag, muss sie erst etwas nachdenken, bis sie antwortet: „Alles.“ Die Kinder in der Waldwerkstatt sind so damit beschäftigt, unter der Anleitung von Heiko Huber (Forstamt Soonwald) ihre eigenen Holztruhen zusammen zu nageln, dass sich die Frage erübrigt. Bernd-Peter Räpple erzählt: „Hier werden auch oft Bänke oder Tische für den eigenen Schulhof von Klassen angefertigt. Deren Haltbarkeit ist auch recht lang, weil die, die sie gebaut haben, besonders darauf achten, dass sie nicht beschädigt werden.“
Der Wald: terra incognita
Von der Werkstatt ist man gleich im Wald, der terra incognita, wie Bernd-Peter Räpple sagt. Er meint damit, dass wir in einer waldfernen Gesellschaft leben, in der der Wald hauptsächlich als Naherholungsgebiet verstanden wird, wobei seine Bedeutung als Raum für nachhaltige Rohstoffproduktion aus dem Bewusstsein gerückt ist. Vielen ist nicht klar, dass der Wald, wie er sich heute darstellt, durch menschliche Eingriffe entstanden und nicht jahrhundertelang vor sich hingewachsen ist. „Ohne äußeres Zutun würde der Wald sich verändern und man würde auf ökologisch angebaute Rohstoffe verzichten“, so der Leiter des WEZ. Auch wenn Holz als Rohstoff nicht mehr die Bedeutung hat wie in früheren Jahrhunderten, so bleibt der Wald ein großer Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz, das mit 42 Prozent Waldfläche prozentual gesehen das waldreichste Bundesland ist. Die vielseitige Bedeutung des Waldes wieder ins Bewusstsein zu holen, ist Anliegen des auf Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit ausgerichteten Bildungsangebots des WEZ. Das ganze Jahr über bietet es für Schulklassen und Erwachsenenguppen erlebnisnahe, handlungsorientierte Wissensvermittlung und gibt Gelegenheit zu Natur- und Selbsterfahrung mitten im Naturpark Soonwald-Nahe.
Allein zwischen Baumkronen und gemeinsam zum Ziel
Letzteres gilt besonders für die Kinder, die sich für den Workshop Baumklettern entschieden haben. Hier geht es um die Feststellung und Überwindung eigener Grenzen. Ausgerüstet mit Helm und Klettergurt machen sie erste Gehversuche auf der Slagline, bevor sie sich, natürlich voll abgesichert durch Forstwirt Markus Später vom WEZ, in die schwindelerregende Höhe der Baumkronen begeben. Wobei sie nicht nur auf ihre eigene Leistung fixiert sind. Die unten Stehenden feuern an und fiebern mit. Dass man auf Teamarbeit angewiesen ist, darin besteht ein wichtiges Lernziel des Programmbausteins ‚Geocaching’, der recht häufig gebucht wird und auch heute Nachmittag auf dem Programm steht. Ausgestattet mit einem Global Positioning System (GPS)-Empfänger folgen verschiedene Teams unterschiedlichen Parcours wie bei einer Schnitzeljagd. Bei jeder Station wird Waldwissen vermittelt und durch die Lösung eines Rätsels die nächste Koordinate ermittelt. Bei der vorletzten Station kommen alle Teams zusammen und müssen Fragen aus allen Parcours beantworten, womit klar wird, dass die letzte Station nur gemeinsam gefunden werden kann.
Abschiedsgrillen
Beendet wurde die erste Woche mit einem großen Abschlussgrillen am 9. Juli. Während der Tanzworkshop zur Aufführung brachte, was eine Woche jeden Vormittag geübt wurde, legte der Zeitungsworkshop eine Zeitung vor, die an den fünf Ferienvormittagen entstanden ist. Großes Thema war die Namensfindung für die Freizeit, die bis zum Ende des dreiwöchigen Ferienangebots zu einem Ergebnis kommen wird. Denn eine Kinderferienfreizeit, wie sie in der Verbandsgemeinde Stromberg durch das Miteinander so vieler Akteure erfolgreich organisiert wird, ist so vorbildhaft, dass es höchste Zeit ist für einen eigenen Namen, der eine lange Zukunft verheißt.
Autor: DZ Online-Redaktion - Agnes Frey
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