Rubrik: Eltern
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Thema:
Leseförderung
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Das vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend
initiierte Projekt „Leseförderung an neuen Ganztagsschulen“ entwickelt
sich dynamisch. Mit der praktischen Umsetzung des Moduls „Leseecken“ in
Kooperation mit den Schulen ist das Landesbibliothekszentrum
Rheinland-Pfalz mit seinen Büchereistellen in Koblenz und Neustadt
beauftragt. Die Online-Redaktion sprach mit Günter Pflaum, dem
Stellvertretenden Leiter des Landesbibliothekszentrums, über den
neuesten Stand der Leseförderung.
Online-Redaktion:
In den Jahren 2005 bis 2006 stellt die Landesregierung rund 3,1
Millionen Euro für die Einrichtung von Leseecken an Ganztagsschulen in
Angebotsform zur Verfügung. Das Geld speist sich aus dem Anteil des
Landes am Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“. Was
bedeutet den Ganztagsschulen diese neue Form der Leseförderung?
Pflaum:
Die Schulen haben ein sehr großes Interesse an dieser Leseförderung.
Das liegt daran, dass Leseförderung für viele Schulen generell schon
einen hohen Stellenwert hat und viele sie als Schwerpunkt in ihrem
Qualitätsprogramm verankert haben. Die Leseecken bieten den Schulen
eine Möglichkeit, diese Konzepte und Ideen in die Realität umzusetzen.
Die Leseecken sind daher ein ganz wichtiges Hilfsmittel, um die
Leseförderung in den Schulen noch intensiver betreiben zu können.
Online-Redaktion:
Ein gemütlicher Ort, der zum Stöbern, Schmökern und Lesen verführt, ist
eine schöne Vorstellung. Glauben Sie, dass die Schülerinnen und Schüler
durch die Einrichtung der Leseecken wirklich öfter zum Buch greifen?
Pflaum: Die Schulen können unterschiedliche Bücher wie erzählende Literatur oder spannende Sachbücher sowie Hörbücher und andere Medien auswählen, die vielseitige Interessen abdecken. Wenn sie dann noch ausreichende Öffnungszeiten für die Leseecken und eine Betreuung durch Lehrer, Eltern oder Schüler sicherstellen, gehen wir davon aus, dass die Nutzung von Büchern durch die Leseecken stark zunehmen wird.
Wichtig
ist auch, dass die Leseecken gemütlich eingerichtet werden und dass man
sich in ihnen länger aufhalten kann, um sich mit Büchern und anderen
Medien zu beschäftigen. In den neuen Ganztagsschulen wird darüber
nachgedacht, die Leseecken in das Nachmittagsangebot der Ganztagsschule
einzubeziehen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die Bücher
auszuleihen und mit nach Hause zu nehmen. Wir gehen deshalb davon aus,
dass die Schülerinnen und Schüler die Leseecken gut annehmen werden.
Online-Redaktion:
Wie viele Ganztagsschulen haben bisher einen Antrag auf die Einrichtung
einer Leseecke gestellt? Für wie viele Schulen ist noch Geld vorhanden?
Pflaum: Bisher haben 218 Schulen beim Bildungsministerium einen Antrag auf Leseecken gestellt und diese sind in diesem Jahr auch alle bewilligt worden. Die Mittel sind so kalkuliert, dass alle 304 Ganztagsschulen, die in Rheinland-Pfalz bisher zugelassen sind, Leseecken einrichten können. Schulen, die 2006 noch eine Leseecke einrichten wollen, müssen bis zum 1. Mai 2006 einen Antrag stellen.
Voraussetzung für
die Bewilligung des Antrags ist ein entsprechender Ort in der Schule,
an dem die Leseecke eingerichtet werden kann, sowie eine zuverlässige
Betreuung. Die Mitarbeiter des Landesbibliothekszentrums kommen vor der
Antragstellung in die Schulen und beraten mit den Schulleitern und den
verantwortlichen Lehrern zusammen, wo man eine Leseecke am besten
unterbringen könnte.
Online-Redaktion: Wie läuft die Einrichtung der Leseecken an den Schulen?
Pflaum:
Die Einrichtung der Leseecken hat begonnen, wobei die letzten
Bewilligungen erst im Sommer ausgesprochen worden sind. Die Schulen
suchen derzeit die Bücher, Medien und Einrichtungsgegenstände aus und
bestellen sie. Das Landesbibliothekszentrum hat für die Auswahl der
Bücher und Medien Empfehlungslisten erarbeitet, die die Schulen als
Grundlage für ihre Bestellungen verwenden können. Die Bücher werden vom
Landesbibliothekszentrum dann ausleihfertig und EDV-gerecht
eingearbeitet. Es war wichtig, dass wir von Anfang an durch die
Informationsveranstaltungen und Besuche vor Ort Kontakt zu den Schulen
hatten. Wie es bis jetzt aussieht, läuft es sehr gut. Die Schulen haben
ja in ihren Anträgen bestätigt, welche Räumlichkeiten sie bereitstellen
können und wie die personelle Betreuung geregelt werden soll. Wir gehen
deshalb davon aus, dass alles auch entsprechend umgesetzt wird.
Online-Redaktion:
Können Sie den Schulen, die gerade dabei sind, ihre Leseecken
einzurichten oder denen, die das im nächsten Jahr noch tun wollen,
Tipps geben?
Pflaum: Das
Landesbibliothekszentrum hat eine Broschüre mit Einrichtungsbeispielen
für Leseecken an Ganztagsschulen erstellt, die wir an alle Schulen
verteilt haben. Sie enthält Beispiele für die Einrichtung verschieden
großer Räume mit verschiedenen Möbeln. Außerdem führen wir
Informationsveranstaltungen durch, in denen deutlich gemacht wird, wie
man die Ecken am besten gestaltet. Darüber hinaus weisen wir die
Schulen darauf hin, wie wichtig es ist, dass ausreichend Platz
vorhanden ist, damit sich gegebenenfalls auch ganze Klassen in der
Leseecke aufhalten können. So kann man die Leseecken auch für den
Unterricht nutzen. Eine Klassenraumgröße wäre daher optimal.
Online-Redaktion: Ist die Leseecke der erste Schritt zur Schulbibliothek oder wird es die, weil es bereits eine Leseecke gibt, eher nicht geben?
Pflaum:
Die Leseecken sind ein ganz wichtiger Grundpfeiler, um eine richtige
Schulbibliothek einrichten zu können. Gerade für die Grundschulen, in
denen bisher kaum Schulbibliotheken vorhanden sind, ist die Einrichtung
einer Leseecke ein erster Schritt, ein richtig gutes Lese-Angebot im
Sinne einer Schulbibliothek anzubieten. Da die Leseecken aus allen
Elementen bestehen, die für eine professionelle Bibliothek notwendig
sind, bis hin zur EDV-Verwaltung, und auch die Möglichkeit besteht, die
Bestände im Internet für Recherchen durch Schüler und Lehrer
anzubieten, ist sie für viele eine Keimzelle für eine richtige
Schulbibliothek. Dort, wo schon Schulbibliotheken vorhanden sind,
besteht durch die Leseecken die Möglichkeit, den Bestand um
leserelevante Themen und aktuelle Literatur aufzufrischen, für die sich
die Schülerinnen und Schüler interessieren. Es ist ja für eine
erfolgreiche Leseförderung besonders wichtig, neue und attraktive
Bücher einsetzen zu können.
Online-Redaktion:
In den Leseecken wird mit der Bibliothekssoftware „Bibliotheca 2000“
gearbeitet, der Software, die auch in fast allen Öffentlichen
Bibliotheken eingesetzt wird. Damit sind Kompatibilität und
Datenaustausch gewährleistet. Die Software ist sicher nicht ganz
einfach zu bedienen. Welche Schulungen sind für Lehrkräfte vorgesehen?
Pflaum:
Diese Software ist natürlich schon sehr ausgereift und hat eine ganz
einfache Bedienungsoberfläche. Trotzdem werden wir natürlich von Seiten
des Landesbibliothekszentrums, d.h. den Büchereistellen Koblenz und
Neustadt, Schulungen für die Verwaltung der Leseecken anbieten, in
denen wir in die Bedienung der Bibliothekssoftware einführen. Das
Programm ist aber relativ leicht zu lernen, so dass wir davon ausgehen,
dass jeder der schon einmal mit EDV gearbeitet hat, sei es mit Word
oder einem anderen Programm, sehr schnell damit zurecht kommen wird.
Die Schulen haben meist mehrere Personen benannt, die die Leseecke
betreuen werden. In der Regel sind es ein, zwei Lehrer. Es sind aber
auch Eltern und Schüler in die Verwaltung der Leseecken eingebunden.
Wir zeigen ihnen, wie man mit der Software umgeht, und sie können das
Wissen dann in der Schule weiter vermitteln.
Günter Pflaum ist Stellvertretender Leiter des im Herbst 2004 neu gegründeten Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz (LBZ) und Standortleiter der Büchereistelle in Neustadt. Das LBZ bildet mit seinen drei Wissenschaftlichen Bibliotheken in Koblenz, Speyer und Zweibrücken und den beiden Büchereistellen in Koblenz und Neustadt/Wstr. ein leistungsstarkes Kompetenzzentrum für alle Fragen in den Bereichen Medien- und Informationsvermittlung, Leseförderung und Bibliotheksentwicklung. Günter Pflaum ist im LBZ u.a. für die landesweiten Leseförderaktionen in Zusammenarbeit mit Bibliotheken, Schulen und Kindergärten zuständig.
Autor: Petra Schraml - DZ Online-Redaktion
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