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Die pädagogischen Fachkräfte an der Geschwister-Scholl-Grundschule haben bereits jahrelange Erfahrung mit der Ganztagsstruktur gesammelt.

Die pädagogischen Fachkräfte an der Geschwister-Scholl-Grundschule haben bereits jahrelange Erfahrung mit der Ganztagsstruktur gesammelt. Basteln in der Ganztagsschule Die Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Grundschule Kaiserslautern haben ihre festen Gruppenräume, in denen sie nachmittags spielen  und basteln. Hausaufgabenbetreuung in der Geschwister-Scholl-Grundschule
03.03.2008

Lebendige Verlässlichkeit: Die Geschwister-Scholl-Grundschule Kaiserslautern

Wir sind ein Team

Teamgeist ist eine feine Sache. Wenn ein Team tatsächlich diesen „Geist“ in sich trägt, kann es wahre Wunder vollbringen. Voraussetzung: Keiner schaut auf den anderen herab, keiner drängt sich nach vorne, keiner schwingt eigenmächtig das Zepter, keiner bleibt allein zurück. Stattdessen lebt jeder seine Stärken aus und akzeptiert und stützt die anderen so, wie sie sind. Erst dann fühlt sich der berühmte Team-Geist zu Hause. In der Geschwister-Scholl-Grundschule Kaiserslautern hat er sich schon länger eingenistet. Nicht obwohl, sondern weil hier gegensätzliche Welten aufeinandertreffen.

Die Kinder an der Grundschule kommen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und bringen die unterschiedlichsten Lern-Grundlagen mit. Das liegt einerseits an dem bunt gemischten Wohngebiet. Von der noblen Stadtvilla bis zur zweckmäßigen Sozialwohnung ist im nahen Umfeld alles vertreten. Zum anderen ist die Geschwister-Scholl-Grundschule seit 2001 eine Schwerpunktschule.

Für die Schülerinnen und Schüler sind die aus dieser lebhaften Mischung entstehenden Kontraste Normalität. „Für uns birgt die extrem heterogene Zusammensetzung unserer Schülerschaft keine Schwierigkeiten, sondern im Gegenteil große Chancen“, ist Schulleiter Gerhard Sommerrock überzeugt. Die Kinder verstünden oft viel schneller als Erwachsene, dass es sich nicht lohnt, Klassenkameraden zum Außenseiter abzustempeln, nur weil sie ein wenig anders sind oder sich nicht so gut ausdrücken können wie sie. „Vorurteile werden bei uns im Keim erstickt“, weist Personalrätin und Ganztagsschul-Organisatorin Elvira Hust auf eines der wichtigsten Ziele der Geschwister-Scholl-Grundschule hin: Integration. Integration ist nicht nur ein Ziel, sondern ein konkretes Konzept in allen Bereichen des schulischen Lebens.

Ohne Teamgeist geht an der Geschwister-Scholl-Grundschule gar nichts. Die Ganztagsschulangebote finden in festen Gruppen statt, die auch ihre eigenen Gruppenräume haben, zusammen zu Mittag essen und den gesamten Nachmittag im gleichen Rhythmus verbringen. So kann auch die Raumkapazität der Schule ideal genutzt werden. Das muss sogar sein, denn die Räumlichkeiten sind wie fast überall begrenzt. Die Teamstruktur erfordert eine minutiöse Planung und ist mit einem erhöhten zeitlichen Aufwand vor allem für die Schulleitung, aber auch für das Kollegium verbunden. Trotzdem möchte an der Geschwister-Scholl-Grundschule keiner mehr auf diese Gruppenstruktur verzichten. Gerhard Sommerrock nimmt eine positive Betrachtung der GTS-Angebote vor: „Wir bleiben in Bewegung, hier rostet niemand ein. Burnout wegen Unterforderung und täglichem Einerlei gibt es bei uns nicht.“ Auch Elvira Hust schätzt die Vorteile der festen Gruppen und kann sich eine andere Organisation nicht mehr vorstellen: „Ich wüsste gar nicht, wie man die Ganztagsschule sonst stimmig verwirklichen sollte.“

Sie beobachtet tagtäglich, dass die Kinder sich in der Schule sicher und geborgen fühlen – eben ein bisschen wie zu Hause. Sie haben „ihre“ Bezugspersonen, „ihre“ Zimmer – und vor allem können sich die Freundschaften, die in der Grundschulzeit bekanntlich oft fürs ganze Leben geknüpft werden, intensiver entwickeln und festigen. Das Team-Modell ermöglicht den Lehrerinnen und Lehrern und pädagogischen Fachkräften, die Kinder besser kennen lernen und beobachten zu können. Die Schulleitung hat sich zur Maxime gemacht, auf jedes Kind individuell einzugehen – eine Maxime, die auch bei noch so viel Einsatz und Elan nie vollständig erfüllt werden kann. „Natürlich sind uns Grenzen gesetzt“, bleibt Gerhard Sommerrock realistisch. „Doch wir bemühen uns stets, jedem Kind das anzubieten, was es für seine Entwicklung braucht.“

Der Teamgeist weht auch außerhalb der jeweils zwei Klassenstufen übergreifenden und übersichtlichen Ganztagsgruppen. Die Ganztagsschule im zügigen Modell, also mit reinen GTS-Klassen, lehnt die Schulleitung ab. „Wir wollen keine zwei Schulen in einer haben und Gegensätze oder gar Benachteiligungen – und sei es nur das Gefühl einer Benachteiligung – vermeiden“, erklärt Elvira Hust. „Das zügige Modell widerspricht unserem Integrationsgedanken.“

Der Integrationsgedanke macht selbst vor dem Lehrerzimmer nicht Halt. Lehrerinnen und Lehrer, pädagogische Fachkräfte und außerschulische Partner pflegen einen kollegialen Austausch und werden als gleichwertig angesehen. Eine große Umstellung bedeutete dies für das stark in die Ganztagsschule eingebundene Lehrerkollegium nicht. Denn die Geschwister-Scholl-Grundschule hat sich ähnlich wie die Grundschule Eisenberg bereits vor vielen Jahren von der üblichen Halbtagsschule verabschiedet. Bereits seit dem Schuljahr 2001/2002 ist die Geschwister-Scholl-Grundschule Kaiserslautern eine Schwerpunkt-Schule: Beeinträchtigte und nicht beeinträchtigte Kinder lernen zusammen in einer Klasse. Integration und Förderung sind daher die wichtigsten Ziele des Kollegiums, das durch Sonderschullehrerinnen und -lehrer unterstützt wird. Keinesfalls aber sollen hierbei die kognitiv stärkeren Schülerinnen und Schüler vernachlässigt werden. So wurden sogar Fremdsprachen-Arbeitsgemeinschaften für die Viertklässler in das Nachmittagsangebot aufgenommen. „In der Französisch-AG zum Beispiel findet ein erster Kontakt mit einer fremden Sprache auf einer gefühlsorientierten und spielerischen Ebene statt, der aber für das spätere Leben sehr wichtig sein kann“, weiß GTS-Koordinatorin Elvira Hust. Wichtigste Basis für den weiteren Schulweg sind aber auch an der Geschwister-Scholl-Grundschule nach wie vor die Schlüsselfächer. In die tägliche Arbeitsphase wurde deshalb ein zusätzliches Förderangebot für Deutsch und Mathematik integriert.

Vom Kinderhaus zur Ganztagsschule
Als die Ganztagsschule in Deutschland noch eine wahre Exotin unter den Schulmodellen war, wollte die Geschwister-Scholl-Grundschule bereits mehr als die „normale“ Halbtagsschule. Zuerst war die Idee geboren, eine Hausaufgabenhilfe für Brennpunkt-Kinder anzubieten – finanziert durch Spenden und verwirklicht auf größtenteils ehrenamtlicher Basis. Ein schwieriges Unterfangen, das aber bald erste Erfolge zeigte. Nun schien es nur logisch und konsequent, auch an ein gemeinsames Mittagessen zu denken. Schon Mitte der 90er Jahre hatte die Geschwister-Scholl-Grundschule also zwei der heutigen Basissäulen der heutigen Ganztagsschule verwirklichen können: Eine tägliche Hausaufgabenbetreuung und das Mittagessen. 1998 wurde dieses Angebot „Kinderhaus“ getauft und auf eine professionelle Basis gestellt. Nun kam als dritte Säule und in Kooperation mit dem Jugendamt die Freizeitgestaltung hinzu, ergänzt von einem Spielangebot für die Ferien. 2001 besuchten 66 Kinder das Kinderhaus, geleitet unter anderem von zwei pädagogischen Fachkräften auf Honorarbasis.

Daher fiel der fließende Übergang in die Ganztagsschule leicht – nicht nur für die Schulleitung und das Kollegium gab es wenig Berührungsängste, sondern auch für die Kinder und Eltern. Denn personelle Verluste zog die Ganztagsschule nicht mit sich: Die beiden pädagogischen Fachkräfte vom Kinderhaus konnten in die Ganztagsschulverträge übernommen werden und die Kinder mussten sich nicht auf neue Gesichter einstellen. Überhaupt liegt der Schulleitung personelle Kontinuität am Herzen. Lehrerin Elvira Hust weiß: „Die Referendare und Lehrkräfte suchen sich bewusst unsere Schule aus. Wer einmal hier ist, bleibt meistens auch. Wir haben kaum personelle Fluktuation.“ Vor allem bei den Eltern fällt das auf fruchtbaren Boden. „In den Gesprächen stellen wir immer wieder fest, dass sie vor allem die Verlässlichkeit bei uns schätzen.“ Denn eine Schule wie die Geschwister-Scholl-Grundschule mit ihrer Vielfalt und ihren zahlreichen kleinen und großen Unterschieden zwischen den Schülerinnen und Schülern braucht vor allem eines: Vertrauen.

Die Wochenpläne und Hausaufgaben werden von den Ganztagsschülerinnen und -schülern in der so genannten Arbeitsphase erledigt. Dabei werden sie vornehmlich von Lehrkräften oder – wie auch ab und zu vormittags – im „Team Teaching“ angeleitet, bei dem sich pädagogische Fachkräfte und Lehrerinnen und Lehrer ergänzen. Die Arbeitsphase dauert 60 Minuten. Auf die teilweise sehr hohe Spannbreite in den Entwicklungsständen der Schülerinnen und Schüler wird Rücksicht genommen. „Die Hausaufgabendramen von früher lassen sich so weitgehend verhindern“, sagt Lehrerin Elvira Hust. „Seitdem Lehrkräfte die Arbeitsphase leiten, hat sich die Sache problemlos eingespielt.“ Für das Ganztagsschulkollegium bedeutet dies, zwei Nachmittage pro Woche an der Schule zu bleiben.

Autor: Bettina Belitz

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