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Thema: Partizipation
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Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz

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Die Gründung des Netzwerks Partizipation
06.07.2007

„Wir wollen mitreden!“

Die Gründung des Netzwerks Partizipation

„Wir wollen mitreden, wenn es um unser Schulleben geht“, sind sich Finja, Sven und Alice einig. „Es kann nicht sein, dass wir nie gefragt werden, wenn es um wichtige Angelegenheiten in unserer Schule geht“, findet auch Georg. Schülerinnen und Schüler wollen mitreden, mitgestalten, mitentscheiden. Aber wie?

Mehr Mitbestimmung an der Schule
Wie mehr Anteilnahme in der Ganztagschule möglich ist, untersucht das neu gegründete „Netzwerk Partizipation“ der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ (SAG) Rheinland-Pfalz. Das Credo des Netzwerkes: Wer beteiligt ist, ist eher bereit, auch Verantwortung für sich und andere zu übernehmen! Schülerinnen und Schüler sollen unbedingt an Entscheidungen über das eigene Lernen, das Zusammenleben in der Klasse und in der Schulgemeinschaft beteiligt werden. Ebenso wichtig ist es, die Eltern, die außerschulischen Partner und die Lehrkräfte einzubeziehen. „Demokratie braucht Demokraten“ ist die Serviceagentur überzeugt: „Da niemand als Demokrat geboren wird, muss Demokratie gelernt werden – je früher, desto besser!“ Die Partizipationsformen können dabei ganz unterschiedlich aussehen: basisdemokratisch in Form eines Klassenrates, repräsentativ als Arbeit in den Schülervertretungen oder projektorientiert in Form von Schülerfirmen oder Kulturaktionen. Auch Unterrichtsformen wie kooperatives Lernen oder Portfolioarbeit sowie ein verantwortungsbewusstes Lernen als Schulsanitäter oder Schülerassistent gehören dazu und geben den Beteiligten die Möglichkeit, sich zugehörig zu fühlen, Verantwortung zu übernehmen, Anerkennung zu erfahren und sich aktiv am Schulleben zu beteiligen.

Das Netzwerk Partizipation
Wie man mehr Partizipation an der eigenen Schule erreichen kann, können alle am Schulleben Beteiligten lernen. Um den Schulen dabei zu helfen, hat die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ (SAG) im Dezember 2006 das „Netzwerk Partizipation“ aufgebaut. Das Netzwerk setzt die Arbeit des Programms „Demokratie lernen & leben“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) fort, das Anfang des Jahres zu Ende gegangen ist. Im Rahmen des bundesweiten Projekts haben 14 Schulen in Rheinland-Pfalz fünf Jahre lang demokratische Formen eingeübt. Das Projekt „Netzwerk Partizipation“ will jetzt den Transfer der Ergebnisse auf andere Schulen wagen. Es sollen partizipatorische Strukturen an Schulen eingeführt und dafür die Erfahrungen des BLK-Programms genutzt werden, hebt Jürgen Tramm, der Leiter der Serviceagentur Rheinland-Pfalz hervor. Dies schärft ihr Profil und treibt ihre Entwicklung voran, ist er sich sicher.

Die Arbeit im Netzwerk
Die Netzwerkarbeit beginnt mit neun Modellschulen und soll sukzessive ausgebaut werden. Vier von ihnen haben am Vorläuferprogramm teilgenommen. Alle Schulen zusammen sollen in den nächsten beiden Jahren Strategien entwickeln, wie ein Transfer der Beteiligungsstrukturen auf weitere, insbesondere Ganztagschulen, möglich ist. Dafür stellt das Land die erforderlichen Mittel bereit. „Vier bis acht Schulen jährlich sollen vom Gedanken der Beteiligung infiziert werden“, erhofft sich Gernot Stiwitz vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht das gemeinsame Tun im Netzwerk: Die neun Modellschulen entwickeln die vorhandenen Strukturen der Mitbestimmung an ihren Schulen weiter, bauen neue auf und tauschen sich in regelmäßigen Netzwerktreffen und gegenseitigen Schulbesuchen über die Partizipationsformen, ihre Fortschritte und Hindernisse sowie die Strategien der Übertragung an andere Schulen aus. Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ unterstützt sie in ihrer Arbeit. „Dabei ist es wichtig, den partizipatorischen Gedanken in der Schule zu verankern“, betont Sonja Student, freie Mitarbeiterin der Serviceagentur, damit es nicht nur bei einer „Demokratie-AG“ bleibt, sondern die Strukturen wirklich greifen können und verinnerlicht werden. Sonja Student weiß wovon sie spricht. Sie hatte schon im BLK-Programm „Demokratie lernen & leben“ die Aufgabe der Netzwerkkoordinatorin für die beteiligten Schulen in Rheinland-Pfalz übernommen.

Die Gründungszeremonie in Speyer
Um das zukünftige Vorgehen der Netzwerkarbeit zu besprechen, trafen sich rund 30 Vertreterinnen und Vertreter der Modellschulen – Projektleiter, Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie außerschulische Partner – erstmals am 26. Juni 2007 im Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung des Landes Rheinland-Pfalz in Speyer, dem Sitz der Serviceagentur „Ganztägig lernen“. In einer feierlichen Zeremonie gründeten sie das „Netzwerk Partizipation“ und sprachen über Inhalte, Ziele, Bedarfe und vereinbarten zukünftige Treffen. Die Gruppe will sich ein- bis zweimal jährlich zu einem Erfahrungsaustausch und zweimal zu Schulbesuchen treffen. An diesen Treffen sollten, wenn möglich, alle Gruppen – Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie außerschulische Partner – teilnehmen. Auch eine Beratung durch Experten zu Partizipationsformen und übergreifenden Themen wie Kommunikation, Streitschlichtung und Kooperation wurde begrüßt. Fortbildungen innerhalb der Schule sollten bei Bedarf ebenso möglich sein wie individuelle Beratungen und Begleitungen. Die Schülerinnen und Schüler hätten gerne zusätzlich ein eigenes Schülernetzwerk und wären gerne noch besser in den Prozess eingebunden.

Unterschiedliche Beteiligungsformen an den Modellschulen
Im Vordergrund der Auftaktveranstaltung stand der Erfahrungsaustausch der Schulen. Alle Schulen präsentierten anhand von Plakaten oder kurzen Filmen ihre Partizipationsschwerpunkte, die sich zum Teil unterscheiden. Die Grundschule in Hillesheim beispielsweise entwickelt gemeinsam mit ihrem außerschulischen Kooperationspartner „medien+bildung.com“ Modelle, die den Kindern die Möglichkeit zur Teilhabe und Mitbestimmung geben: Die „Videofuzzis“ äußern ihre Meinung in Interviews zu wichtigen Schulthemen, wie etwa „unsere Schule bekommt einen neuen Namen“. An der Schule am Ellerbach in Bad Kreuznach wird regelmäßig der Schüler oder die Schülerin des Monats gewählt. Hintergrund ist, dass Kinder, die sich durch soziales Engagement auszeichnen, gewürdigt werden sollen. Dies soll hervorgehoben werden. Und das Gymnasium im Pamina-Schulzentrum in Herxheim legt besonderen Wert auf die Einbindung der Eltern. Dort wurde ein Schulparlament eingerichtet, in dem alle Gruppen gleichwertig zu Wort kommen. Auch wenn das Gremium keine Entscheidungskompetenz hat, so werden seine Meinungen auf der nächsten Gesamtlehrerkonferenz vorgetragen.

Zukünftig wollen die Modellschulen in gegenseitigen Schulbesuchen ihre gewählten Partizipationsformen vorstellen und innerhalb des Netzwerks diskutieren und weiterentwickeln.

Hilfreiches Material und Berater für die Arbeit
Unterstützung für ihre Arbeit bekommen die Ganztagsschulen von verschiedenen Seiten: Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ bietet neben der Begleitung und Beratung im Netzwerk auch die vier Module „Neue Räume“, „Neue Ideen“, „Neue Partnerschaft“ und „Neue Elternpower“ für Ganztagsschulen an. Darüber hinaus gibt es das Projekt „S.A.M.S. – Schüler arbeiten mit Schülern“, das Wege der Partizipation am Alltagsleben der eigenen Schule aufzeigt. Ausführliche Informationen darüber, wie man eine partizipationsfreundliche Schulkultur aufbaut, liefern die Praxismaterialien „Demokratie lernen & leben“. Sie bieten konkrete Hinweise, welche Elemente für eine partizipationsfreundliche Schulkultur wichtig und wie sie einzuüben sind. Beraterinnen und Berater der Demokratiepädagogik, die in einem dreijährigen Qualifizierungsprogramm des Programms „Demokratie lernen und leben“ ausgebildet wurden, bieten Unterstützung bei der Entwicklung einer demokratischen Schulkultur und bei der Förderung der demokratischen Handlungskompetenzen von Schülerinnen und Schülern. Und auch die Ganztagsschulmoderatorinnen und -moderatoren helfen jederzeit bei konkreten Problemen und bei der Vernetzung mit anderen Ganztagsschulen. Gerade für die Schülerschaft sind die Vertreterinnen und Vertreter des SV Bildungswerks wichtig, deren Weiterbildungen insbesondere den Schülervertretungen gelten.

Für welchen Weg sich die Schulen auch entscheiden mögen: Ihr Wille zu mehr Demokratie und Partizipation an ihrer Schule ist groß. Stark ist auch ihre Bereitschaft, sich mit den anderen Schulen darüber auszutauschen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln. Bis zum nächsten Treffen im November werden alle Modellschulen an ihren Strukturen weiterarbeiten und sich dann sicher viel zu erzählen haben.

Die neun Modellschulen:

Grundschule Hillesheim

Fritz Straßmann Schule, Boppard

Grundschule Trier-Biewer

Diesterweg-Schule, Koblenz

Schule am Ellerbach, Bad Kreuznach

Integrierte Gesamtschule Ernst Bloch, Ludwigshafen

Gymnasium im Pamina-Schulzentrum, Herxheim

Freie Reformschule, Speyer

Freie Montessori Schule, Landau

Autor: Petra Schraml - DZ Online-Redaktion

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