Rubrik: Partner
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Format: Reportage
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Thema:
Partizipation
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„Wir wollen mitreden, wenn es um unser Schulleben geht“, sind sich Finja, Sven und Alice einig. „Es kann nicht sein, dass wir nie gefragt werden, wenn es um wichtige Angelegenheiten in unserer Schule geht“, findet auch Georg. Schülerinnen und Schüler wollen mitreden, mitgestalten, mitentscheiden. Aber wie?
Mehr Mitbestimmung an der Schule
Wie mehr Anteilnahme in der Ganztagschule möglich ist,
untersucht das neu gegründete „Netzwerk Partizipation“ der Serviceagentur
„Ganztägig lernen“ (SAG) Rheinland-Pfalz. Das Credo des Netzwerkes: Wer
beteiligt ist, ist eher bereit, auch Verantwortung für sich und andere zu
übernehmen! Schülerinnen und Schüler sollen unbedingt an Entscheidungen über
das eigene Lernen, das Zusammenleben in der Klasse und in der Schulgemeinschaft
beteiligt werden. Ebenso wichtig ist es, die Eltern, die außerschulischen
Partner und die Lehrkräfte einzubeziehen. „Demokratie braucht Demokraten“ ist
die Serviceagentur überzeugt: „Da niemand als Demokrat geboren wird, muss
Demokratie gelernt werden – je früher, desto besser!“ Die Partizipationsformen
können dabei ganz unterschiedlich aussehen: basisdemokratisch in Form eines
Klassenrates, repräsentativ als Arbeit in den Schülervertretungen oder
projektorientiert in Form von Schülerfirmen oder Kulturaktionen. Auch
Unterrichtsformen wie kooperatives Lernen oder Portfolioarbeit sowie ein
verantwortungsbewusstes Lernen als Schulsanitäter oder Schülerassistent gehören
dazu und geben den Beteiligten die Möglichkeit, sich zugehörig zu fühlen,
Verantwortung zu übernehmen, Anerkennung zu erfahren und sich aktiv am
Schulleben zu beteiligen.
Das Netzwerk Partizipation
Wie man mehr Partizipation an der eigenen Schule erreichen
kann, können alle am Schulleben Beteiligten lernen. Um den Schulen dabei zu
helfen, hat die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ (SAG) im Dezember 2006 das
„Netzwerk Partizipation“ aufgebaut. Das Netzwerk setzt die Arbeit des Programms
„Demokratie lernen & leben“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung
und Forschungsförderung (BLK) fort, das Anfang des Jahres zu Ende gegangen ist.
Im Rahmen des bundesweiten Projekts haben 14 Schulen in Rheinland-Pfalz fünf
Jahre lang demokratische Formen eingeübt. Das Projekt „Netzwerk Partizipation“
will jetzt den Transfer der Ergebnisse auf andere Schulen wagen. Es sollen
partizipatorische Strukturen an Schulen eingeführt und dafür die Erfahrungen
des BLK-Programms genutzt werden, hebt Jürgen Tramm, der Leiter der
Serviceagentur Rheinland-Pfalz hervor. Dies schärft ihr Profil und treibt ihre
Entwicklung voran, ist er sich sicher.
Die Arbeit im Netzwerk
Die Netzwerkarbeit beginnt mit neun Modellschulen und soll
sukzessive ausgebaut werden. Vier von ihnen haben am Vorläuferprogramm
teilgenommen. Alle Schulen zusammen sollen in den nächsten beiden Jahren
Strategien entwickeln, wie ein Transfer der Beteiligungsstrukturen auf weitere,
insbesondere Ganztagschulen, möglich ist. Dafür stellt das Land die
erforderlichen Mittel bereit. „Vier bis acht Schulen jährlich sollen vom
Gedanken der Beteiligung infiziert werden“, erhofft sich Gernot Stiwitz vom
Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht das gemeinsame Tun im Netzwerk: Die neun Modellschulen entwickeln die vorhandenen Strukturen der Mitbestimmung an ihren Schulen weiter, bauen neue auf und tauschen sich in regelmäßigen Netzwerktreffen und gegenseitigen Schulbesuchen über die Partizipationsformen, ihre Fortschritte und Hindernisse sowie die Strategien der Übertragung an andere Schulen aus. Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ unterstützt sie in ihrer Arbeit. „Dabei ist es wichtig, den partizipatorischen Gedanken in der Schule zu verankern“, betont Sonja Student, freie Mitarbeiterin der Serviceagentur, damit es nicht nur bei einer „Demokratie-AG“ bleibt, sondern die Strukturen wirklich greifen können und verinnerlicht werden. Sonja Student weiß wovon sie spricht. Sie hatte schon im BLK-Programm „Demokratie lernen & leben“ die Aufgabe der Netzwerkkoordinatorin für die beteiligten Schulen in Rheinland-Pfalz übernommen.
Die Gründungszeremonie in Speyer
Um das zukünftige Vorgehen der Netzwerkarbeit zu besprechen,
trafen sich rund 30 Vertreterinnen und Vertreter der Modellschulen –
Projektleiter, Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie außerschulische Partner –
erstmals am 26. Juni 2007 im Institut für schulische Fortbildung und
schulpsychologische Beratung des Landes Rheinland-Pfalz in Speyer, dem Sitz der
Serviceagentur „Ganztägig lernen“. In einer feierlichen Zeremonie gründeten sie
das „Netzwerk Partizipation“ und sprachen über Inhalte, Ziele, Bedarfe und
vereinbarten zukünftige Treffen. Die Gruppe will sich ein- bis zweimal jährlich
zu einem Erfahrungsaustausch und zweimal zu Schulbesuchen treffen. An diesen
Treffen sollten, wenn möglich, alle Gruppen – Lehrerinnen und Lehrer, Eltern,
Schülerinnen und Schüler sowie außerschulische Partner – teilnehmen. Auch eine
Beratung durch Experten zu Partizipationsformen und übergreifenden Themen wie
Kommunikation, Streitschlichtung und Kooperation wurde begrüßt. Fortbildungen
innerhalb der Schule sollten bei Bedarf ebenso möglich sein wie individuelle
Beratungen und Begleitungen. Die Schülerinnen und Schüler hätten gerne
zusätzlich ein eigenes Schülernetzwerk und wären gerne noch besser in den
Prozess eingebunden.
Unterschiedliche Beteiligungsformen an den Modellschulen
Im Vordergrund der Auftaktveranstaltung stand der
Erfahrungsaustausch der Schulen. Alle Schulen präsentierten anhand von Plakaten
oder kurzen Filmen ihre Partizipationsschwerpunkte, die sich zum Teil
unterscheiden. Die Grundschule in Hillesheim beispielsweise entwickelt
gemeinsam mit ihrem außerschulischen Kooperationspartner „medien+bildung.com“
Modelle, die den Kindern die Möglichkeit zur Teilhabe und Mitbestimmung geben:
Die „Videofuzzis“ äußern ihre Meinung in Interviews zu wichtigen Schulthemen,
wie etwa „unsere Schule bekommt einen neuen Namen“. An der Schule am Ellerbach
in Bad Kreuznach wird regelmäßig der Schüler oder die Schülerin des Monats
gewählt. Hintergrund ist, dass Kinder, die sich durch soziales Engagement auszeichnen,
gewürdigt werden sollen. Dies soll hervorgehoben werden. Und das Gymnasium im
Pamina-Schulzentrum in Herxheim legt besonderen Wert auf die Einbindung der
Eltern. Dort wurde ein Schulparlament eingerichtet, in dem alle Gruppen
gleichwertig zu Wort kommen. Auch wenn das Gremium keine Entscheidungskompetenz
hat, so werden seine Meinungen auf der nächsten Gesamtlehrerkonferenz
vorgetragen.
Zukünftig wollen die Modellschulen in gegenseitigen Schulbesuchen ihre gewählten Partizipationsformen vorstellen und innerhalb des Netzwerks diskutieren und weiterentwickeln.
Hilfreiches Material und Berater für die Arbeit
Unterstützung für ihre Arbeit bekommen die Ganztagsschulen
von verschiedenen Seiten: Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ bietet neben
der Begleitung und Beratung im Netzwerk auch die vier Module „Neue Räume“,
„Neue Ideen“, „Neue Partnerschaft“ und „Neue Elternpower“ für Ganztagsschulen
an. Darüber hinaus gibt es das Projekt „S.A.M.S. – Schüler arbeiten mit
Schülern“, das Wege der Partizipation am Alltagsleben der eigenen Schule
aufzeigt. Ausführliche Informationen darüber, wie man eine
partizipationsfreundliche Schulkultur aufbaut, liefern die Praxismaterialien
„Demokratie lernen & leben“. Sie bieten konkrete Hinweise, welche Elemente
für eine partizipationsfreundliche Schulkultur wichtig und wie sie einzuüben
sind. Beraterinnen und Berater der Demokratiepädagogik, die in einem
dreijährigen Qualifizierungsprogramm des Programms „Demokratie lernen und
leben“ ausgebildet wurden, bieten Unterstützung bei der Entwicklung einer
demokratischen Schulkultur und bei der Förderung der demokratischen
Handlungskompetenzen von Schülerinnen und Schülern. Und auch die
Ganztagsschulmoderatorinnen und -moderatoren helfen jederzeit bei konkreten
Problemen und bei der Vernetzung mit anderen Ganztagsschulen. Gerade für die
Schülerschaft sind die Vertreterinnen und Vertreter des SV Bildungswerks
wichtig, deren Weiterbildungen insbesondere den Schülervertretungen gelten.
Für welchen Weg sich die Schulen auch entscheiden mögen: Ihr Wille zu mehr Demokratie und Partizipation an ihrer Schule ist groß. Stark ist auch ihre Bereitschaft, sich mit den anderen Schulen darüber auszutauschen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln. Bis zum nächsten Treffen im November werden alle Modellschulen an ihren Strukturen weiterarbeiten und sich dann sicher viel zu erzählen haben.
Die neun Modellschulen:
Grundschule Hillesheim
Fritz Straßmann Schule, Boppard
Grundschule Trier-Biewer
Diesterweg-Schule, Koblenz
Schule am Ellerbach, Bad Kreuznach
Integrierte Gesamtschule Ernst Bloch, Ludwigshafen
Gymnasium im Pamina-Schulzentrum, Herxheim
Freie Reformschule, Speyer
Freie Montessori Schule, Landau
Autor: Petra Schraml - DZ Online-Redaktion
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