Ganztagsschulen in Angebotsform Rheinland-Pfalz - www.ganztagsschule.rlp.de

Schüler/innen

Rubrik: Schüler/innen
zur Übersicht

Format: Im Gespräch
Sie wollen mehr zu "Im Gespräch" lesen - hier finden Sie sämtliche Beiträge dieses Formats.
zur Übersicht

Thema: Partizipation
Partizipation ist ein Thema, das unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden kann. Hier stehen Ihnen alle weiteren Beiträge zum Thema zur Verfügung.
zur Übersicht

Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur

Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur orange

Schulstruktur- Entwicklung in Rheinland-Pfalz

Schulstrukturentwicklung in Rheinland-Pfalz

Homepage Rheinland-Pfalz

Homepage Rheinland-Pfalz

Bildungsserver Rheinland-Pfalz

Bildungsserver Rheinland-Pfalz

Kinderrechte Rheinland-Pfalz

Kinderrechte Rheinland-Pfalz

Lernen für den Ganztag

Lernen für den Ganztag

Serviceagentur Ganztägig Lernen

Serviceagentur Ganztägig Lernen

Landeselternbeirat Rheinland-Pfalz

Landeselternbeirat Rheinland-Pfalz

Landesschüler- Vertretung Rheinland-Pfalz

Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz

mathe online verstehen

Banner matheboard.de
 
Jung und Alt - Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 3. Netzwerktreffens der Modellschulen Partizipation
24.04.2008

Neue Perspektiven für Partizipation und Demokratie

Das 3. Netzwerktreffen der Modellschulen Partizipation

Partizipation erkennt man unter anderem daran, dass sie an den Schulen vor Ort eine gemeinschaftliche Atmosphäre schafft. Wenige wissen aber, dass Partizipation zu den grundlegenden Kinder- und Menschenrechten gehört. Vor diesem Hintergrund ist in Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur ein Netzwerk für Partizipation entstanden, das diesen Gedanken in möglichst vielen Ganztagsschulen in Angebotsform verankern will.

Am 16. April 2008 fand in Landau (Pfalz) das dritte Netzwerktreffen statt. Mit der Freien Montessori Schule in Landau, die auch Ganztagsschule in Angebotsform ist, hätte kein besserer Gastgeber gefunden werden können. Überall helfende Hände von Schülerinnen und Schülern, überall spürte man den Geist der Partizipation. Die Schülerinnen und Schüler hatten zudem die Möglichkeit, in einem Workshop vor Ort die grundlegenden Instrumente der Partizipation wie den Klassenrat näher kennenzulernen.

Sonja Student und Jürgen Tramm von der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Rheinland-Pfalz erläutern in einem Gespräch mit der Online-Redaktion, wie sie den Schwerpunkt Partizipation über das Jahr 2009 hinaus in Form regionaler Netzwerke ausbauen wollen, nicht zuletzt auf der Grundlage des BLK-Transferprogramm „Demokratie lernen & leben“.

Online-Redaktion: Warum ist das Thema so wichtig und welche Ziele verfolgen Sie mit dem Thema „Partizipation“ in Rheinland-Pfalz?

Student: Ein zentraler Grund ist die Bedeutung von Demokratieerziehung, denn Demokratie ist keineswegs selbstverständlich. Sie ist eine historische Errungenschaft und muss immer wieder neu mit Leben gefüllt werden. Und sie ist angewiesen auf Demokraten, die ja bekanntlich nicht vom Himmel fallen. Demokratie muss gelernt werden, je früher, desto besser.

Demokratiewissen allein reicht nicht aus, das zeigen alle internationalen Erfahrungen. Demokratie lernt man durch Beteiligung und Verantwortung von Anfang an. Aus dieser Einsicht ist übrigens auch das BLK-Programm „Demokratie lernen & leben“ entstanden, in dem ich fünf Jahre lang in Rheinland Pfalz gearbeitet habe.

Außerdem gehört Partizipation zu den grundlegenden Menschen- und Kinderrechten, die 1989 von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurden. Die Erziehung zu Menschenrechten, Demokratie, Nachhaltigkeit und Inklusion gehört zu den Erziehungsleitzielen der EU, des Europarats und der OECD.

Partizipation ist auch ein wesentlicher Baustein guter Ganztagsschule. Aus diesem Grund legte die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ ihren thematischen Schwerpunkt auf die Förderung der Partizipation. Um Schulen dabei zu unterstützen, bieten wir Fortbildungen an u. a. zu den Themen „Mehr Demokratie“, Elternbeteiligung, Peer-to-peer-Projekte, Raumgestaltung und Partnerschaft mit außerschulischen Fachkräften. Zusätzlich haben wir ein Netzwerk mit Modellschulen aufgebaut, damit Schulen mit Partizipation voneinander lernen und ihr Wissen und ihre Erfahrungen an andere interessierte Schulen weitergeben können.

Wir sind ferner einer der Hauptpartner beim Landesdemokratietag Rheinland Pfalz der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe) und beteiligt an weiteren Veranstaltungen. Auch über das Ende des Programms „Ganztägig lernen“ Ende 2009 hinaus möchten wir den Schwerpunkt Partizipation nachhaltig an den Schulen des Landes und in Fortbildungsinstitutionen verankern.

Online-Redaktion: Was haben die Schulen inhaltlich davon, wenn sie den Gedanken der Partizipation im Schulalltag verankern?

Tramm: Ganztagsschulen sind für die Kinder und Jugendlichen nicht nur Lern-, sondern auch Lebensorte. Aus der Partizipationsforschung wie auch aus Beispielen gelungener Praxis wissen wir, dass Schülerinnen und Schüler, die an Entscheidungen über ihr eigenes Lernen und am Zusammenleben beteiligt sind, auch Verantwortung für sich und andere übernehmen. Das fördert die Leistungsbereitschaft, die Selbstwirksamkeit und die Qualität des Lernens und Lebens.

Partizipation fördert darüber hinaus die Identifikation mit der Schule, das heißt die Schülerinnen und Schüler gehen sorgsamer mit Menschen oder mit Sachen um, was die Gewaltbereitschaft reduziert. Insofern ist frühe Demokratieerziehung auch ein entscheidender Beitrag zur Gewaltprävention und Vorbeugung gegen Rassismus und Extremismus.

Online-Redaktion: Inwiefern verbessert sich dadurch die Qualität der Lern- und Lehrkultur?

Student: Ich gebe Ihnen ein praktisches Beispiel: Vor einer Woche war unser Netzwerk zu Gast in der Montessori-Schule in Landau. Sie konnten dort anschaulich lernen, mit welchem Ernst und welcher Konzentration die Kinder in der freien Arbeit mit ihren Aufgaben beschäftigt sind.

Die Kinder haben sich in der Klasse wichtigen Aufgaben zugewandt. Je individueller und verantwortlicher die einzelnen Kinder lernen, umso mehr verändert sich die Rolle der Lehrkräfte hin zu Lernbegleitern, die den Lernstand der Kinder diagnostizieren und gezielt Lernhilfen geben können.

Der Prozess der Partizipation verändert außerdem die Haltung und die Rolle von Lehrerinnen und Lehrern. Oft entdecken sie, dass Kinder viel mehr können, als sie ihnen vorher zugetraut haben. In einer Kultur von Achtung, Anerkennung, Zugehörigkeit und Verantwortung macht das Lernen und Lehren einfach mehr Spaß.

Online-Redaktion: Was zeichnet die Modellschulen aus?

Tramm: Wir arbeiten seit Anfang 2007 mit insgesamt neun Ganztagsschulen im Netzwerk der Modellschulen Partizipation. Die Schulen zeichnen sich durch drei Qualitätsmerkmale aus: Erstens wird dort Beteiligung wichtig genommen und dabei haben die Schulen bereits unterschiedliche Formen von Partizipation verwirklicht. Zweitens erklärten alle Schulen ihre Bereitschaft, sich in Richtung demokratischer Schulentwicklung zu bewegen, so dass Partizipation ein integraler Bestandteil guter Ganztagsschule wird. Drittens sind sie bereit, ihre Erfahrungen an andere Schulen weiterzugeben. Dies geschieht durch das Angebot von Schulbesuchen für externe Gruppen oder die Präsentation ihrer Angebote bei Kongressen, z.B. dem Ganztagsschulkongress am 1. September dieses Jahres am Theresianum in Mainz und beim Landesdemokratietag am 29. Oktober in Ludwigshafen, übrigens an einer unserer Modellschulen, der IGS Ernst-Bloch in Oggersheim.

Online-Redaktion: Welche wirksamen Instrumente der Partizipation haben sie bislang entwickelt?

Student: Es gibt an den Schulen eine große Vielfalt unterschiedlicher Beteiligungsformen und -projekte: Ein sehr wichtiger Ansatz, den wir über das Netzwerk auch landesweit verankern möchten, sind die Klassenräte. Sie sind die Basis der Demokratie an der Schule. Hier lernen die Kinder von Anfang an, sich an den gemeinschaftlichen Angelegenheiten ihrer Klassen und der gesamten Schulgemeinschaft zu beteiligen und für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.

Mit dem Klassenrat arbeiten z.B. die Grundschule Trier-Biewer, die Montessori-Schule in Landau, die Freie Reformschule in Speyer und unsere beiden Förderschulen: die Diesterwegschule in Koblenz und die Ellerbachschule in Bad Kreuznach.

An der IGS Ernst Bloch in Ludwigshafen haben Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte ein drittelparitätisches Schulparlament auf Initiative engagierter Eltern hin aufgebaut. Es hat zwar keine (im Schulgesetz) verankerte Entscheidungskompetenz, aber die Beschlüsse sind de facto eine wichtige Grundlage für die demokratische Konsensbildung an dieser Schule.

Tramm: Am Gymnasium im Pamina-Schulzentrum Herxheim prägt das Prinzip der Erziehungspartnerschaft stark das Verhältnis zwischen Eltern und Kollegium. Als UNESCO-Schule und Schule ohne Rassismus spielt hier die Verantwortungsübernahme für soziale Projekte bei den Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften eine wichtige Rolle.

Die Grundschule Hillesheim zeichnet sich durch partizipative Medienprojekte in Kooperation mit außerschulischen Partnern aus und an der Regionalen Schule in Boppard übernehmen die Schülerinnen und Schüler Verantwortung für ökologische Projekte – z.B. durch eigene Ziegen- und Schafhaltung. Sie können dadurch Verständnis für den Naturschutz und eine artgerechte Tierhaltung entwickeln. Das sind nur einige Beispiele, entscheidend ist aber, dass im Schulentwicklungsprozess die einzelnen Ansätze in die Entwicklung einer demokratischen Schulkultur eingebunden werden.

Online-Redaktion: Wie ist der gegenwärtige Stand der Netzwerkarbeit und wie sieht die weitere Entwicklung aus?

Tramm: Bisher haben drei Netzwerktreffen mit Fortbildungscharakter stattgefunden. Die gastgebende Schule präsentiert sich dabei jeweils mit ihren Partizipationsschwerpunkten. Vor allem die Schülerinnen und Schüler haben dabei eine aktive Rolle, sei es bei den Schulführungen, der Bewirtung oder der Vorstellung ihrer Projekte. Außerdem gibt es eigene Workshops für Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche.

Student: Ab Herbst dieses Jahres wollen wir gemeinsam mit den Schulen des ehemaligen BLK-Programms „Demokratie lernen & leben“ gemeinsame Netzwerke in den Regionen Nord, West, Mitte und Süd aufbauen. Das Bildungsministerium hat für diese BLK-Schulen ein Transferprogramm genehmigt mit einer Projektleitung am Pädagogischen Zentrum in Bad Kreuznach. So können wir die langjährigen Erfahrungen der Demokratieschulen für die Weiterentwicklung der Partizipation an Ganztagsschulen nutzen.

Zusätzlich wollen wir in jedes Netzwerk neue Ganztagsschulen aufnehmen und eng mit den Ganztagsschulmoderatoren in den Regionen zusammenarbeiten. Wir hoffen, dass die Regionalisierung den Transfer des Programms im Land unterstützt. Die Programmschulen sollen und wollen mit eigenen Fortbildungsangeboten weitere Schulen für mehr Demokratie begeistern.

Sonja Student: Jahrgang 1953, Lehrerausbildung, Chefredaktion einer Kinderzeitschrift, Netzwerkkoordinatorin beim BLK Modellvorhaben „Demokratie lernen & leben, seit 1997 Geschäftsführerin von KiKo, Büro für Kommunikation. Mitarbeit in der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Rheinland-Pfalz.

Jürgen Tramm, Studium der Sozialpädagogik, Leiter der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Rheinland-Pfalz.

Autor: Peer Zickgraf - DZ Online-Redaktion

Bildungsatlas

Bildungsatlas Blue

Über 500 Ganztagsschulen in Angebotsform verteilen sich über das Land. Welche in Ihrer Nähe ist, erfahren Sie hier.

Bibliothek

Bibliothek Blue

Hier finden Sie Basis-Dokumente und Materialien zur Ganztagsschule in Angebotsform und vieles mehr!

Newsletter

Newsletter Blue

Informieren Sie sich über neue Entwicklungen an Ganztagschulen in Rheinland-Pfalz.

Termine

« February 2012 »
Su Mo Tu We Th Fr Sa
1234
5678910 11
1213 1415 161718
19202122232425
262728 29

GTS in Stichworten

An den 458 neuen Ganztagsschulen nehmen im Schuljahr 2008/2009 ca. 45.000 Schülerinnen und Schüler das Angebot wahr.