Rubrik: Eltern
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Ein starkes Profil in den MINT-Fächern, viel bilingualer Unterricht und nachmittägliche Enrichment-Angebote in Kleingruppenarbeit sind wesentliche Elemente der Schule für Hochbegabtenförderung / Internationale Schule am Max-von-Laue-Gymnasium in Koblenz. Für all diese Angebote, aber auch für das soziale Lernen ist die Ganztagsschule ein unverzichtbares Element.
Am Max-von-Laue-Gymnasium in Koblenz ist eine der vier Schulen für Hochbegabtenförderung / Internationale Schule in Rheinland-Pfalz ansässig. Fast wäre es nicht zu der Eröffnung dieser Schule im Schuljahr 2006/2007 gekommen, denn ursprünglich war Koblenz vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (MBWWK) nicht als Standort vorgesehen. "Pfälzer klüger als Rheinländer?", fragte die Presse ironisch – und nach weiteren kritischen Diskussionen fiel die Wahl zusätzlich auf Koblenz als vierten Standort für eine Schule für Hochbegabtenförderung/Internationale Schule (SHF/IS). Und dort war dann das Max-von-Laue-Gymnasium eine natürliche Wahl, das sich auch als einziges Gymnasium der Stadt bewarb, die Schule für Hochbegabtenförderung zu eröffnen.
"Wir hatten schon immer hochbegabte Schülerinnen und Schüler", erinnert sich Sabine Maus, die Leiterin der Schule für Hochbegabtenförderung, "und diese über alle Klassen verteilt. Die Zahl der Eltern, die ihre hochbegabten Kinder bei uns anmelden wollten, wuchs ständig. Die Affinität zu diesem Thema war also da, und ich war auch persönlich daran interessiert."
Die Lehrerin für Philosophie, Ethik und Biologie nahm im Internationalen Centrum für Begabungsförderung an dem Ausbildungsgang zum Diplom "Specialist in Gifted Education" teil, das an der Universität Nijmegen in Kooperation mit dem European Council for High Abilitiy (ECHA) entwickelt worden war. Heute ist Sabine Maus auch Mitglied der Schulleitung des Max-von-Laue-Gymnasiums.
Auswahlprozess über Monate
Im Schuljahr 2006/2007 startete die erste Klasse für Hochbegabung mit 18 Schülerinnen und Schülern. Seitdem sind bis in die elfte Klasse aufwachsend 124 intellektuell hochbegabte Kinder und Jugendliche und solche mit einem internationalen Hintergrund aufgenommen worden. Sie erhalten ein speziell auf ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten und Voraussetzungen abgestimmtes schulisches Angebot. Im Schnitt besteht eine Klasse aus 21 Schülerinnen und Schülern; die Höchstzahl liegt bei 25. Jedes Schuljahr muss die Schule diese Kinder aus etwa 50 bis 60 Bewerbungen auswählen; in der Spitze wollten einmal 79 Eltern ihre Sprösslinge an der Schule für Hochbegabtenförderung am Max-von-Laue-Gymnasium unterbringen.
Der Aufnahmeprozess beginnt mit einer Informationsveranstaltung im Oktober. Danach besieht sich ein Team von drei bis vier Personen die 50 bis 60 Bewerbungsmappen, in denen die Eltern ihre Kinder laut Sabine Maus "so gut wie möglich vorstellen sollen", um etwa - die Zahl variiert jährlich - 40 Kinder in die engere Wahl zu nehmen. Das Team besteht neben der Leiterin der Schule für Hochbegabtenförderung aus einer Diplompsychologin vom Schulberatungszentrum und ein bis zwei weiteren Kolleginnen oder Kollegen der Schule. "Jeder von uns liest unabhängig voneinander jede der eingereichten Bewerbungsmappen", erklärt Sabine Maus den Prozess. "Wir haben ein spezielles Raster entwickelt, nach dem wir die Mappen klassifizieren. Dabei spielen neben den Schulnoten auch die genannten Hobbys, die Darstellung des Sozialverhaltens, weitere Qualifikationen, Gutachten sowie Nachweise über Wettbewerbe, Theaterauftritte oder soziales Engagement eine Rolle. Zum Abschluss sprechen wir zu dritt oder viert über unsere Eindrücke und Einschätzungen."
Die dann rund 40 ausgewählten Schülerinnen und Schüler werden vom Schulpsychologischen Dienst in Kleingruppen getestet. Am ersten Wochenende nach den Weihnachtsferien findet der Auswahltag statt: Hier beobachten nun 17 Personen aus der Schulleitung, der Elternschaft, dem pädagogischen Fachpersonal sowie eine Diplompsychologin und ein Sozialpädagoge die Kinder von 8.30 Uhr bis 14.30 Uhr an einem Unterrichtstag, was auch das Mittagessen und Spielsituationen einschließt. "Wir sind eine Ganztagsschule, die Schülerinnen und Schüler sind also den ganzen Tag zusammen, nicht nur im Unterricht", erläutert Sabine Maus. "Es werden also sowohl die intellektuelle Befähigung als auch das Sozialverhalten der Mädchen und Jungen mit Hilfe eines Beobachtungsbogens genau beobachtet und bewertet. Offene Fragen klären wir in einem persönlichen Gespräch mit den jeweiligen Eltern."
Reizvolle Herausforderung für die Lehrkräfte
Die endgültige Aufnahme der bis zu 25 Schülerinnen und Schülern erfolgt auf der Grundlage des aus den einzelnen Teilen des Aufnahmeverfahrens gewonnenen Gesamteindrucks unter Abwägung weiterer pädagogischer Gesichtspunkte wie zum Beispiel eines ausgewogenen Verhältnisses der Geschlechter, der Notwendigkeit individueller Betreuung oder der Klassengröße. Die Höchstzahl der Schülerinnen und Schüler pro Klasse beträgt 25. Über die Aufnahme entscheidet dann der Schulleiter des Max-von-Laue-Gymnasiums.
Den Unterricht in den Hochbegabtenklassen geben die Lehrerinnen und Lehrer des Gymnasiums, von denen sich einige für diesen Einsatz fortbilden lassen. So nahm beispielsweise mehr als die Hälfte des Kollegiums an einer Fortbildung der Universität Trier zum Thema "Was ist Heterogenität?" teil. Im Herbst startet Sabine Maus jeweils die Umfrage im Kollegium, wer in den d-Klassen, also den Hochbegabtenklassen, unterrichten möchte. "Ich setze auf Freiwilligkeit, und es gibt nur eine kleine Minderheit im Kollegium, die nicht in den D-Klassen unterrichten möchte."
Für die Lehrerinnen und Lehrer sei die Arbeit mit den hochbegabten Kindern und Jugendlichen eine Herausforderung und zugleich eine reizvolle Aufgabe, denn "die Kleingruppenarbeit ermöglicht oft eine andere Methodik". Die Schülerinnen und Schüler wiederum lernten schnell, sie seien motiviert, kreativ in Darbietungen und sehr genau. "Natürlich gibt es auch mal Reibereien und Frusterlebnisse, aber besonders deshalb halte ich die Ganztagsschule auch für sinnvoll, denn sie ermöglicht den Kindern mehr Zeit für Bewegung und Gespräche", findet die SHF/IS-Leiterin. "Zudem kommen viele Schülerinnen und Schüler aus Dörfern, in denen es für Kinder und Jugendliche keinerlei Angebote gibt. Wir können dagegen sogar Fechten, Badminton oder ein "Betreutes Labor" im naturwissenschaftlichen Bereich anbieten."
BEGYS und Bilingualität
Alle Schülerinnen und Schüler durchlaufen die Mittelstufe des Gymnasiums (Klasse 7 – 10) um ein Jahr schneller nach dem BEGYS–Modell (Begabtenförderung am Gymnasium mit Verkürzung der Schulzeit). Die Inhalte der Lehrpläne ändern sich nicht, werden aber dem verkürzten Durchlauf angepasst. Die Schülerinnen und Schüler setzen in der Klasse 5 die in der Grundschule eingeführte Fremdsprache Englisch oder Französisch fort und beginnen mit einer zweiten modernen Fremdsprache Französisch oder Englisch.
Die Bilingualität an der Schule setzt zunächst im Fach Informationstechnische Grundbildung ein. Entsprechend den Fähigkeiten und unter Beachtung des möglichen Vorwissens aus der Grundschule wird der Unterricht in englischer Sprache erteilt. Geplant ist der sukzessive Ausbau der Bilingualität in Mathematik, Biologie oder einem anderen naturwissenschaftlichen Fach in englischer Sprache ab Klasse 7 beziehungsweise ab Klasse 8. Das Max-von-Laue-Gymnasium qualifiziert sich durch sein MINT–Profil, was als idealer Ausgangspunkt für die weitere Etablierung einer zusätzlichen Bilingualität genutzt werden soll: Für die Jahrgangsstufen 5 und 6 – später auch 7, 8 und 10 – sollen alle Naturwissenschaften meist zweistündig erteilt werden. Informatik wird neu eingeführt und in den Klassen 5 und 6 und 10 einstündig und vorwiegend in englischer Sprache erteilt.
Bläserklasse stärkt Zusammenhalt
Der Unterricht in der Schule für Hochbegabtenförderung / Internationale Schule beginnt montags bis freitags um 7.55 Uhr und endet um 16.10 Uhr; freitags um 13.05 Uhr. In der Hochbegabtenklasse sind mehr Lehrerinnen und Lehrer im Einsatz als in den Regelklassen. Im nachmittäglichen Enrichment findet beispielsweise mittwochs von 14.40 bis 16.10 Uhr für die 5. Klasse ein betreutes Labor in den Fächern Biologie, Chemie und Physik statt, das wegen der Kleingruppenbetreuung sehr personalintensiv ist. Hier sind neben Lehrkräften auch außerschulische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz. Die Enrichment-Angebote ergänzen als Additum das Unterrichtsangebot und weisen über die Inhalte der Lehrpläne hinaus. Dabei sind Teile des Programms vor allem für die intellektuell hochbegabten Schülerinnen und Schüler verpflichtend, andere können außerhalb des Ganztagsschulbereichs auf freiwilliger Basis wahrgenommen werden.
Die Lernzeit wird von einem Hauptfachlehrer, zwei Pädagogischen Fachkräften und zwei jungen Leuten aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr betreut. Auch Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe sind eingesetzt, sie leisten hier ihre schulinternen Sozialstunden ab. In der Lernzeit wird die Klasse geteilt und die Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit, in einer Silentium-Atmosphäre oder im Flüsterraum 45 Minuten lang an den Aufgaben gearbeitet.
Die Schule pflegt eine enge Kooperation mit der Universität Koblenz. Zehnt- und Elftklässler führen bei den "Koblenzer Tagen der Chemie" Versuche durch und erhalten dafür auch Zertifikate. Das Additum nutzt die Schule auch für sprachlich-philosophische Angebote wie kreatives Schreiben, Philosophie und Förderung in Deutsch, bei der in 45 Minuten bis zu fünf Kinder aktiv sind. "Jede unserer D-Klassen ist auch eine Bläserklasse, was wir durch die Kooperation mit einer Musikschule erreicht haben", erklärt Sabine Maus. "Der gemeinsame Auftritt stärkt die Disziplin, die Klassengemeinschaft und bringt die Freude, zusammen etwas erreicht zu haben."
Klassenleiter wichtige Ansprechpartner
Auch das gemeinsame Essen stärkt den Zusammenhalt und die Sozialkompetenzen. Seit Oktober 2010 können die Schülerinnen und Schüler in einer neuen Mensa essen, in der drei von einem Caterer angelieferten Mahlzeiten zur Auswahl stehen. Die Kinder und Jugendlichen essen dort klassenweise, aber auch die Regelschüler, Lehrkräfte sowie die pädagogischen Fachkräfte können dort speisen.
Alles in allem läuft die Schule für Hochbegabtenförderung / Internationale Schule am Max-von-Laue-Gymnasium rund. Die bisher erforderlichen Korrekturen am Konzept waren milde: So findet die Klassenleiterstunde nun bis zur 10. Jahrgangsstufe statt, die es vorher nur in den 5. und 6. Klassen gegeben hatte. "Die Klassenleiter sind sehr wichtige Ansprechpartner für die Kinder", begründet die Leiterin der Schule für Hochbegabtenförderung diesen Schritt.
Natürlich bleiben auch noch Wünsche offen: "Es wäre schön, wenn wir auch Informatik und Mathematik am Nachmittag anbieten könnten, aber es fehlen die Lehrkräfte", berichtet Sabine Maus.
Autor: DZ Online-Redaktion Ralf Augsburg
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