Rubrik: Eltern
zur Übersicht
Format: Schulporträt
Sie wollen mehr Schulporträts lesen - hier finden Sie sämtliche Beiträge dieses Formats.
zur Übersicht
Thema:
Individuelle Förderung
Individuelle Förderung ist ein Thema, das unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden kann. Hier stehen Ihnen alle weiteren Beiträge zum Thema zur Verfügung.
zur Übersicht
Vier Gymnasien für Hochbegabte gibt es in Rheinland-Pfalz. Der Hochbegabtenzweig des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Kaiserslautern bietet den Schülerinnen und Schülern in der Sekundarstufe I einen verpflichtenden Ganztagsbetrieb und die Möglichkeit, das Internat zu besuchen. In diesen Wochen hat der erste Jahrgang sein Abitur gemacht.
Jetzt ist es so weit: Der zweite Jahrgang des Hochbegabtenzweigs des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Kaiserslautern hat in den vergangenen Wochen Abitur gemacht. Zwölf Schülerinnen und Schüler besitzen nun die Allgemeine Hochschulreife. Einige von ihnen sind noch nicht einmal volljährig. Ihnen gelingt mit 16 oder mit 17 Jahren der Eintritt in eine Universität oder Fachhochschule.
Viele dieser Jugendlichen haben eine feste Vorstellung, was sie beruflich machen und damit auch, was sie studieren möchten. Hauptsächlich die so genannten MINT-Berufe sind gefragt, also Tätigkeiten im Bereich der Mathematik, der Informatik, der Naturwissenschaften und der Technik. Die Schülerinnen und Schüler im Hochbegabtenzweig sind ihren Altersgenossen im Regelschulbereich hier mindestens ein Schuljahr voraus, weil sie die 9. Klasse im Klassenverband übersprungen haben. Viele von ihnen haben sogar schon während der Oberstufe für bestimmte Fächer im Hörsaal Platz genommen. Denn das Gymnasium kooperiert mit der benachbarten Technischen Universität Kaiserslautern und unter anderem mit dem Fraunhofer Institut. Die dabei erworbenen Qualifikationen und Leistungsnachweise werden im Rahmen eines späteren Studiums anerkannt.
Barbara Busch, Diplom-Biologin und Lehrerin für Biologie und Chemie, leitet seit eineinhalb Jahren den Hochbegabtenzweig des Heinrich-Heine-Gymnasiums. Ihr macht es Spaß, mit diesen Schülerinnen und Schülern zu arbeiten, die der Pädagogin zufolge sich alle durch hohe Individualität auszeichnen und mit verschiedenen Lernstrategien zum Ziel kommen. „Das Leistungspotenzial ist sehr hoch, allerdings in einem sehr heterogenen Rahmen“, beschreibt Barbara Busch die Situation.
Internat als Alleinstellungsmerkmal
Neben dem Auguste-Viktoria-Gymnasium in Trier, dem Max-von-Laue-Gymnasium in Koblenz und dem Gymnasium Gonsenheim in Mainz ist das Heinrich-Heine-Gymnasium eins von vier Gymnasien für Hochbegabte in Rheinland-Pfalz. Der Hochbegabtenzweig bietet intellektuell besonders begabten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten in einer eigenen Lerngemeinschaft zu entwickeln und zu entfalten. Im Mittelpunkt stehen dabei die ganzheitliche Entwicklung ihrer Persönlichkeit, die Entfaltung ihrer Kreativität, die Herausbildung ihres Begabungs- und Leistungsprofils, die Erziehung zu sozialer Verantwortung sowie die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung in der Gesellschaft.
Von den insgesamt 870 Schülerinnen und Schülern des Heinrich-Heine-Gymnasiums besuchen etwa 140 Kinder und Jugendliche den Hochbegabtenzweig, der damit einzügig geführt wird. Die Klassenstärken schwanken; sind aber nicht höher als 25 Schülerinnen und Schüler. „Wir lassen den 5. Jahrgang zu Beginn des Schuljahres immer mit etwa 20 Kindern starten, um noch einen Puffer für Quereinsteiger zu lassen“, erläutert Barbara Busch. Man habe nie Probleme, genügend Schülerinnen und Schüler zu finden.
Ein Alleinstellungsmerkmal des Heinrich-Heine-Gymnasiums ist dabei der Internatsbetrieb. Er entkoppelt die Schule ein wenig vom Einzugsgebiet, da für die Internatsschülerinnen und -schüler der Schulweg keine Rolle spielt. „Bei uns melden auch Eltern ihre Kinder an, die außerhalb von Rheinland-Pfalz wohnen“, verrät die Leiterin des Hochbegabtenzweigs.
Aufnahmetests und Bewerbungsunterlagen
Eltern und Kollegien aller Grundschulen der Stadt und des Landkreises Kaiserslautern haben zu Beginn eines Schuljahres die Möglichkeit, mit Lehrern, Eltern und Schülern des Heinrich-Heine-Gymnasiums auf einer zentralen Veranstaltung zu den Themenbereichen „Hochbegabtenförderung“ und „Internationale Schule“ ins Gespräch zu kommen. Eltern, die dann weiterhin Interesse haben, ihr hochbegabtes Kind am Heinrich-Heine-Gymnasium anzumelden, können sich an einem Tag der offenen Tür im November in der Schule für Hochbegabtenförderung informieren und auch das Internat kennen lernen. Im Anschluss an den Tag der offenen Tür können die Bewerbungen für das Bewerbungsverfahren in die 5. Klasse eingereicht werden.
Für das Bewerbungsverfahren müssen die Eltern neben gegebenenfalls vorhandenen Beurteilungen und Bescheinigungen der Grundschule diagnostische Gutachten, zum Beispiel Intelligenz- und Kreativitätstests, vorlegen. Darüber hinaus wird ein Fragebogen zu Entwicklungsverlauf und Interessen des Kindes ausgefüllt, der zusätzliche Hinweise auf Qualifikationen musikalischer, künstlerisch-gestalterischer, sportlicher oder sozialer Art aus dem außerschulischen Bereich gibt.
Die ausgewählten Kinder werden zu einem Wochenende mit Internatsaufenthalt im Januar eingeladen. Hier nehmen die potenziellen Schülerinnen und Schüler an einem Testunterricht teil, werden dabei auch von der Schulpsychologin beobachtet. Nach diesem Prozess macht die Schule den Eltern einen Vorschlag über die weitere schulische Laufbahn ihrer Kinder.
Fünf Sprachen zur Auswahl
Ein besonderer Schwerpunkt ist der Erwerb hoher fremdsprachlicher und naturwissenschaftlicher Kompetenzen im Regelunterricht wie auch im so genannten Additum, also den Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag. Ein Sprachenangebot nach dem Prinzip bilingualer Gymnasien ab Klasse 5 sowie Sachfachunterricht in englischer Sprache ab Klasse 6 und Französisch als zweiter verpflichtender Fremdsprache ab Klasse 6 bilden den zweiten Pfeiler der Schule für Hochbegabung. „Wer will, kann an unserer Schule fünf Sprachen lernen – neben Englisch und Französisch stehen noch Japanisch, Latein und Spanisch zur Wahl“, erklärt Barbara Busch.
Organisatorisch ist der verpflichtende Ganztagsschulbetrieb, der eine Rhythmisierung über den ganzen Tag ermöglicht, wichtig. Nach dem Regelunterricht bis 12.55 Uhr folgt die einstündige Mittagspause. Hier können die Schülerinnen und Schüler die Mensa aufsuchen, in der frisch gekocht wird, oder ihr mitgebrachtes Mittagsessen verzehren. Im freiwilligen Silentium haben sie die Möglichkeit, sich auf den Schulhof, in Sitzecken oder in die Bibliothek zu begeben, um dort Ruhe zu finden oder für sich zu lernen und zu lesen.
Um 14 Uhr startet das Pflichtsilentium, das 45 Minuten andauert. Dieses findet in unterschiedlichen Varianten statt: Die Schülerinnen und Schüler können in der Klasse gemeinsam an Aufgaben arbeiten, wobei leise gesprochen werden darf. Eine weitere Möglichkeit ist die Arbeit in absoluter Ruhe oder in intensiv von Lehrkräften betreuten Lerngruppen. Diese Aufgabenbetreuung ist besonders auch für die Schülerinnen und Schüler wichtig, die im Rahmen des "Drehtürmodells" an bestimmten Fächern in höheren Jahrgangsstufen oder an der Universität teilgenommen haben. Nun können sie sich hier über den versäumten Stoff aus ihrer Klasse informieren.
Addita vertiefen und erweitern den Fachunterricht
Der Schultag endet mit den Addita. Diese zusätzlichen Angebote vertiefen den Fachunterricht weiter, erschließen aber auch neue Themengebiete. In diesem Schuljahr bieten Lehrkräfte, Lehramtsanwärter, Universitätsdozenten, aber auch Künstler, Musiker, Schauspieler und eine Autorin neben dem bereits erwähnten Sprachenunterricht unter anderem einen Kurs für den Xpert-Europäischer Computerpass an sowie Kurse für Chor, Theater, Elektrotechnik, Comic-Zeichnen, eine Schreibwerkstatt, Schach, Astronomie, Robotik und eine Forscherwerkstatt. „Die Robotikkurse werden insbesondere von den jüngeren Schülerinnen und Schülern begeistert aufgenommen“, berichtet Barbara Busch. „Sie nehmen zum Beispiel an der LEGO Champions League teil.“
Verpflichtende Bestandteile im Additum sind außerdem Methodentraining („Lernen lernen“), Personale Kompetenz und Präsentationsmethoden. Ebenso verpflichtend ist in der Klasse 10 ein Sozialpraktikum, bei dem die Schülerinnen und Schüler über mehrere Monate hinweg an einem Nachmittag pro Woche in einer sozialen Einrichtung arbeiten.
„Ich habe den Eindruck, dass sich die hochbegabten Schülerinnen und Schüler bei uns wohl fühlen. Sie zeigen ein hohes Engagement und die Bereitschaft, das hohe Tempo und die hohen Leistungsanforderungen mitzugehen“, findet Barbara Busch. „Für sie ist es gut, unter so zu sagen ihresgleichen lernen zu können. Denn besonders manche Quereinsteiger haben bereits frustrierende Erfahrungen in Regelklassen machen müssen. Wir versuchen dann, diese so genannten underachiever zu motivieren. Da ist besonders unsere Schulpsychologin gefragt.“
Der erste Abiturjahrgang im Hochbegabtenzweig wird nun auf dem Heinrich-Heine-Gymnasium verabschiedet. Die Leiterin ist schon gespannt, wie sich die Schülerinnen und Schüler weiter entwickeln werden, und freut sich auf ein Ehemaligentreffen in einigen Jahren.
Autor: DZ Online-Redaktion - Ralf Augsburg
Weiterführende Links:
Mehr Beiträge aus dem Ganztagsschulportal:
| « | May 2012 | » | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Su | Mo | Tu | We | Th | Fr | Sa |
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | ||
| 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
| 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |
| 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 |
| 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | ||
Alle rheinland-pfälzischen Ganztagsschulen
in Angebotsform:
sortiert nach Schulfom
Sortiert nach Landkreis/Stadt