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Eltern

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Ganztagsschulverband GGT e.V. orange

Landesschüler- Vertretung Rheinland-Pfalz

Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz
 
06.12.2004

Der Beginn eines wunderbaren Engagements

Fachtagung in Weilburg „Zeit für Engagement! Ideen für die aktive Beteiligung von Schüler- und Elternschaft an der Ganztagsschulentwicklung“

Ein beiläufig dahergesagter Gedanke könnte der Beginn eines wunderbaren Engagements werden. So geschah es, dass die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Mahlow in Brandenburg einen ganz eigenen Bereich in ihrer Schule eingerichtet haben, den sie selbstständig regeln: den Schülerclub. Der Schülerclub bietet vieles in einem: Jugendcafé und Clubradio, Schülerband und Videoproduktion und organisiert Ski- und Kanulager. Ursprung war einfach eine Schüleridee.

Am Anfang war ein Gedanke
„Manchmal sollte man einen Gedanken von Jugendlichen, der nur so dahergesagt wird, ernst nehmen“, bestätigt Matthias Stiller, Vertrauenslehrer an der Gesamtschule Mahlow in Brandenburg. Schülerclubs geben Kindern und Jugendlichen Freiräume zum selbstständigen Handeln. Im intensiven Kontakt mit Schulleitern, Eltern, Sozialarbeitern, Kommunalvertretern und vielen mehr erfahren sie das Einmaleins des bürgerschaftlichen Handelns.

Schülerclubs sind indes nur ein Modell der Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an der Entwicklung ihrer Ganztagsschule. Auf der Fachtagung in Weilburg „Zeit für Engagement! Ideen für die aktive Beteiligung von Schüler- und Elternschaft an der Ganztagsschulentwicklung“ stellten die Akteure gleich acht Modelle der Beteiligung vor. Von Schülerfirmen über Streitschlichtung und Elternarbeit bis hin zu Wegen demokratischer Formen der Schülerbeteiligung reicht das Spektrum.

Freiräume für Engagement erhöhen die Akzeptanz der ganztagsschulischen Angebote. Dies war der Grundtenor, auf den sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Weilburg einstimmten. Die Fachtagung am 22. November 2004 richtete sich an Interessierte aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz und Nordhessen. Am 7. März 2005 folgt eine Tagung für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem südlichen Rheinland-Pfalz und Südhessen. Die beiden Länder wollen ihr Know-how nutzen, um die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an der Ganztagsschulentwicklung auszubauen. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) kooperiert dabei mit dem rheinland-pfälzischen Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Betreuung (IFB) und mit dem Hessischen Landesinstitut für Pädagogik (HeLP).

Wie Hessen und Rheinland-Pfalz in Sachen Ganztagsschule kooperieren
Das Besondere an dieser Kooperation ist für Dr. Dieter Wunder, Ganztagsschulberater für das Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend (MBFJ), dass „die DKJS als ideenstiftende Institution keine schulische Fortbildungsstätte ist, sondern eine Institution, die in vieler Hinsicht anders arbeitet und arbeiten kann als eine staatliche Einrichtung“. Die DKJS unterstützt die Länder mit dem Programm „Ideen für Mehr! Ganztägig lernen.“ mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen. Unter der Regie der DKJS werden Regionale Serviceagenturen aufgebaut. Diese sollen den Schulen Orientierung für die inhaltliche Gestaltung der Ganztagsschulen geben. Über die „Servicestelle Jugendbeteiligung“ tragen die Jugendlichen ihren Teil dazu bei, die Ganztagsschulen in „coole“ Schulen zu verwandeln.

Die Regionalen Serviceagenturen für Rheinland-Pfalz und Hessen stehen in den Startlöchern. Am 1. Januar 2005 nehmen sie ihre Arbeit auf. Der Schwerpunkt der Unterstützung: Partizipation von Schülerschaft und Elternschaft bei der Entwicklung von Ganztagsschulen. Eine geraume Zeit vor dem Start der Kooperation zwischen der DKJS hat Rheinland-Pfalz ein landesweites Unterstützungssystem aufgebaut. Das Rückgrat dieses Systems ist ein Team von „Ganztagsschulmoderatoren“, so Hans-Jürg Liebert, Referent für Ganztagsschulen am IFB. Die 17 Moderatorinnen und Moderatoren gehen in die Ganztagsschulen und beraten sie vor Ort. Der Zahl der Moderatoren entsprechend, gibt es insgesamt 17 regionale Netzwerke. So hat jede Schule, so sie will, mindestens an einem Tag pro Woche ihren persönlichen Berater. Die Moderatorinnen und Moderatoren organisieren Studientage. Sie geben wertvolle Tipps, für die tägliche Praxis. Ein weiterer Pfeiler sind die Fortbildungen für außerschulische Fachkräfte, die gemeinsam vom IFB in Speyer und dem Sozialpädagogisches Fortbildungszentrum (SPFZ) konzipiert und durchgeführt werden.

„Innovationsfreude und Gestaltungskraft sind die Voraussetzungen einer partizipativen Schulkultur“, sagte Dr. Ulrike Urban von „Demokratie lernen und leben“, ein Modellprojekt der Bund-Länder-Kommision für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK). Hausaufgaben scheinen sich auf den ersten Blick nicht dazu zu eignen, neue Formen der Schülerbeteiligung auszuprobieren. Schließlich entscheidet traditionell die Lehrerin, wann was zu erledigen ist. Auf den zweiten Blick sieht das Bild anders aus, es geht nämlich doch.

Hausaufgabenhilfe – von gleich zu gleich
Bei der Europaschule Schuldorf Bergstraße in Hessen ist das schon Alltag. Hier betreuen nämlich Oberstufenschüler die Jüngeren regelmäßig bei den Hausaufgaben. Vor den Hausaufgaben setzen sich die Oberstufenschüler mit den Jüngeren zusammen und leiten sie zur Entspannung an. Phantasiereisen, Yogaübungen, Bewegungsspiele lockern auf, bevor es an die geistige Arbeit geht. Diese Form des „rhythmisierten Hausaufgabenbeginns“ vermittelt den Kindern und Jugendlichen eine Entspannungskultur im Verbund mit sozialen und didaktischen Fähigkeiten. Pädagogin Ziva Mergenthaler koordiniert die Schulungen, die an drei Abenden abgehalten werden.

Ein Kernpunkt ist dabei die Idee der Arbeitsbündnisse. Beim Aushandeln der Lernverträge fließen die Vorstellungen der Kinder in die Betreuung ein. Die Kinder identifizieren sich so stärker mit dem Lernen. Mit Gruppenratssitzungen und der Wahl von Gruppensprechern haben die Jüngeren Gelegenheit, ihren Willen zum Ausdruck zu bringen. Und mittlerweile bilden die Oberstufenschüler selbstständig den Nachwuchs didaktisch fort und vermitteln didaktisches Grundwissen, Kennenlernspiele, Konfliktlösungsverhalten und Entspannungsmethoden. Ein innovatives und rundes Konzept.

Von der offenen Hausaufgabenkultur zur demokratischeren Schule
Für Dieter Wunder sind das viel versprechende erste Schritte. Auch in Rheinland-Pfalz sind Hausaufgaben nicht mehr nur Hausaufgaben. „Lernzeit“, „Aufgabenzeit“, „Silentien“ sind Chiffren für Hausaufgabenzeit, in der Schülerinnen und Schüler mehr Einfluss auf ihren Lernprozess haben. Wunder befürwortet Ansätze „bei denen Schülerinnen und Schüler selbst bestimmen, welche Aufgaben sie erledigen und nicht nur ihre Reihenfolge“. Sie müssten dahin kommen von sich aus zu sagen, „ich will meine Englischkenntnisse verbessern“, „ich will mein Grundwissen in Mathematik erweitern“, „ich will fehlerfreie Bewerbungen schreiben können“. Für ihn ist es eine der wichtigsten Aufgaben von Ganztagsschulen, die „Hausaufgaben weiter zu individualisieren“.

Die schrittweise Demokratisierung des Schullebens greift auch in Rheinland-Pfalz um sich. Denn mit 16 Schulen nimmt das Land am Modellprojekt „Demokratie lernen und leben“ teil. Mit der Diesterweg-Schule in Koblenz ist auch eine Ganztagsschule in Angebotsform dabei. An diesem Schulentwicklungsprogramm, das bis 2007 läuft, beteiligen sich in 13 Bundesländern derzeit rund 200 Schulen. Die Demokratisierung von Unterricht und Schule, findet Gernot Stiwitz, Ganztagsschulreferat des MBFJ, wegweisend.

„Wir sind noch am Anfang einer Entwicklung hin zu einer demokratisch gestalteten Schule“, meint Wunder. Die 235 Ganztagsschulen in Angebotsform folgen keinem einheitlichen Entwicklungsschema. „Es ist alles in Bewegung, aber diese Suche empfinde ich als einen großen Vorteil“, resümiert Wunder.

Autor: DZ Online-Redaktion

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