Rubrik: Eltern
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G8
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Bekanntermaßen hat die Einführung des Abiturs nach nur acht Jahren in vielen Bundesländern insbesondere bei den Eltern für einigen Unmut gesorgt. Rheinland-Pfalz ist vor diesem Hintergrund das einzige Land, das sich dazu entschlossen hat, das achtjährige Gymnasium (G8) nicht flächendeckend und nur unter den Bedingungen der verpflichtenden Ganztagsschule zu realisieren. Ein Besuch der Online-Redaktion beim Friedrich-Spee-Gymnasium Trier am Schulzentrum Mäusheckerweg zeigt, wie ein ausgewogenes Ganztagsprogramm die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern entlastet.
Viele Augen richten sich derzeit auf die 18 Ganztagsschulen, die das verkürzte achtjährige Abitur in Rheinland-Pfalz anbieten. Doch wie erleben die Schülerinnen und Schüler die Tatsache, dass der Stoff für die Reifeprüfung in nur acht Jahren zu absolvieren ist? Sind die Eltern nach drei Jahren mit den Ergebnissen zufrieden? Welchen Stellenwert haben die Hausaufgaben im Ganztag? Welche zusätzlichen Angebote bekommen die Kinder, die die Ganztagsschule besuchen? Ein Besuch des Friedrich-Spee-Gymnasiums in Trier gab Auskunft.
Gute Erfahrungen mit der Einführung von G8
„G8 funktioniert nur im Ganztag“, ist Schulleiter Hermann Bous überzeugt. Die Kinder benötigten für die kürzere Schulzeit ein ausgewogenes Ganztagsprogramm, das neben den kognitiven Fähigkeiten auch die physischen, emotionalen und sozialen Kompetenzen fördere. Hermann Bous berichtet, dass die Schule von der Bewerbung bis zur konzeptionellen Entwicklung des ganztägigen Gymnasiums einen langen Weg zurückgelegt hat. Es seien viele Dinge baulicher und konzeptioneller Art zu lösen gewesen. Aber letztlich hat die Schule mit der Einführung des Ganztags am 1. August 2008 gute Erfahrungen gemacht. „Der Ganztag von 7.50 Uhr bis 16 Uhr bietet nicht nur mehr Lerngelegenheiten, sondern auch mehr Raum zur persönlichen Entfaltung“, ist sich Bous sicher. Auch die Stadt Trier als Schulträger sowie die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) waren sich einig, dass die Realisierung des achtjährigen Gymnasiums realistisch sei:
In der Mittelstufe wird ein dreiviertel Jahr eingespart
Die Gemeinsame Orientierungsstufe für die Klasse fünf und sechs wird zurzeit als Ganz- und Halbtag realisiert. Obligatorisch ist der Ganztagsunterricht ab Klasse sieben, da die Schülerinnen und Schüler dann stärker durch die Lehrkräfte unterstützt werden müssen. In der Mittelstufe wird ein dreiviertel Jahr gekürzt, die restliche Zeit geht dann in die Oberstufe, die somit über komplette drei Jahre verfügt.
Da die Schülerinnen und Schüler in der Woche 34 Stunden Unterricht haben, ist es wichtig, dass sie lernen, sich selbst zu organisieren. Hermann Bous sieht darin eine Herausforderung: „Das Besondere an G8 liegt darin, dass es die Kinder dahinführt, ihre Sachen selbständig zu erledigen.“ Deshalb geben die Lehrkräfte Verantwortung an die Schülerinnen und Schüler ab, erklärt der Schulleiter. Neu ist, dass vorzugsweise in Doppelstunden unterrichtet wird, was Bous zufolge den Vorteil hat, dass die Fächer in entspannter Atmosphäre unterrichtet werden können. Dabei stehen die Lehrkräfte den Schülerinnen und Schülern als Lernberater individuell zur Seite. Mit Blick auf die kommende fünfte Klasse setzen sich die Lehrkräfte noch vor Beginn des neuen Schuljahres zusammen, um neue Methoden im Umfeld von G8 zu erarbeiten: „Die Lehrerinnen und Lehrer hängen sich sehr rein, um die Ziele des Ganztagsgymnasiums zu erreichen“, freut sich der Schulleiter.
Wichtige Voraussetzungen für G8
Positiv zu vermerken ist auch, dass neben den personellen Bedingungen auch die räumlichen und technischen Voraussetzungen für das selbstständige und fächerübergreifende Lernen vorhanden sind. So verfügt das Ganztagsgymnasium über eine Vorzeige-Bibliothek mit interaktiver Tafel, Internet und Möglichkeiten zum Rückzug, wo die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen selbstständig Themen recherchieren können: „Ohne solche Orte gibt es kein G8“, betont der Schulleiter. Im Unterrichtsfach Latein beispielsweise, das an der Schule eine feste Größe ist, liegt es nahe, dass man die Angebote der Bibliothek mit außerschulischen Orten verknüpft. Und davon gibt es in Trier reichlich. Die Schülerinnen und Schüler können sich im Internet Hintergrundinformationen erarbeiten, um diese dann mit den allgegenwärtigen Spuren aus der Zeit der alten Römer vor Ort abzugleichen.
Wenn eine Schülerin oder ein Schüler Latein ab Klasse sechs als zweite Fremdsprache belegt, kann sie oder er ergänzend ab Klasse acht Italienisch als Wahlpflichtfach belegen. Die Hausaufgaben in diesen Fächern erledigen sie im Rahmen des Ganztags, nur die Vokabeln müssen sie dann zu Hause lernen. Mit anderen Worten: Die Schülerinnen und Schüler sind in der Regel – und sehr zur Freude ihrer Eltern – von Hausaufgaben befreit. „Für diejenigen, die sich auf dieses System einlassen, ist es viel entspannter“, erklärt Bous. Die Schülerinnen und Schüler bestätigen dies: Alexander Berger, 12 Jahre, beispielsweise betont: „Mir gefällt der Ganztag viel besser. Die Halbtagsklässler haben am Nachmittag noch Hausaufgaben, wir erledigen sie dagegen in der Schule.“ Und Adriana Fous, 11 Jahre, ergänzt: „Man ist mit allem viel schneller fertig.“
Das Umfeld der Ganztagsschule gestalten
Ein Ganztagsgymnasium zu betreiben heißt auch, dass man sich stärker auf das soziale Umfeld bezieht. Räumlich gesehen ist das Friedrich-Spee-Gymnasium Teil eines großen Schulzentrums. Gymnasium, Realschule plus und Hauptschule sind unter einem Dach untergebracht. „Soziale Probleme kommen daher stärker auf unsere Schule zu“, meint Hermann Bous. Um diese zu lösen kooperiert das Gymnasium mit dem Jugendamt und dem schulpsychologischen Dienst.
Zum neuen Schuljahr wird außerdem ein FSJler, ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums, die Schule unterstützen. Herman Bous nimmt Gelder in die Hand, um zusätzliche Angebote in Sport und Musik zu unterbreiten. Und zur großen Freude der Schule finanziert die Nikolaus-Koch-Stiftung eine 400 Euro-Stelle für die Bibliothek sowie den Bau eines Spielplatzes.
„Wir hoffen, dass sich das Modell durchsetzt“
Und was sagen die Eltern? Laut Bous äußern sie sich überaus zufrieden über den gegenwärtigen Stand der Umsetzung des achtjährigen Gymnasiums. Zum Beleg ist auf der Homepage des Schulelternbeirates nachzulesen: „Nach unseren Informationen kann das Konzept planmäßig umgesetzt werden. Änderungen sind nicht beabsichtigt. Wir hoffen, dass das Modell im Interesse unserer Kinder Erfolg haben wird.“ Geplant ist eine Evaluation des G8-Modells unter Mitwirkung der Eltern sowie der Schülerinnen und Schüler. Spätestens dann wissen alle Beteiligten, ob sich der bisherige Aufwand gelohnt hat und wo gegebenenfalls noch nachgebessert werden muss.
Autor: DZ Online-Redaktion - Peer Zickgraf
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