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01.07.2003

Kinder malen Schule - Architekten bauen Haus

Der Umbau der Schillerschule in Kaiserslautern zu einem Ganztagsschulbereich könnte landesweit Schule machen

Ein Modellprojekt vor dem Start
Möchten Sie die Ganztagsschule der Zukunft einmal auf dem Reißbrett entstehen sehen? Im Rathaus der Stadt Kaiserslautern gibt es dazu die Möglichkeit. Vom 23. Juni bis zum 04. Juli 2003 dokumentiert die Ausstellung „Mensch baut Haus – Schulhaus baut Mensch“ den geplanten Umbau der Schillerschule in eine Ganztagsschule, ein Modellprojekt vor dem Start, das vom Bildungsministerium Rheinland-Pfalz unterstützt wird.

Die Kaiserslauterer Grund- und Hauptschule wurde 1956 als dreigeschossiges Gebäude im Stadtviertel Fischerrück erbaut. Durch sinkende Schülerzahlen wurden zahlreiche Räume frei. Mit der Aufnahme eines Ganztagsschulbetriebs ergaben sich neue Vorstellungen zur Nutzung der Räume. Ganz wichtig war auch "die Akzeptanz der Schulleitung und der Schüler für den Start des Modellprojektes", hebt Monika Simon vom Referat der Gebäudewirtschaft der Stadt Kaiserslautern hervor.

Lernen und Leben unter einem Dach
Das Programm sieht eine Ganztagsschule in neuer Form vor. Für das kommende Schuljahr haben sich 80 Schüler freiwillig für das Ganztagsangebot angemeldet, doch die Teilnahme am Unterricht und den ergänzenden Veranstaltungen ist dann aber verpflichtend.Ganztagsschulen sollen nach den Leitlinien des Bundesprogramms „Zukunft, Bildung und Betreuung“ nicht nur "Lernraum", sondern auch "Lebensraum" für Schüler und Lehrer sein. Mit Unterstützung der Stadtverwaltung erarbeiteten 14 Studenten der Architektur/ Innenarchitektur von der FH Kaiserslautern in einem Workshop dementsprechend eigene Konzepte zur baulichen Neugestaltung der Schule. Anleiterinnen und Initiatorinnen des Workshops waren die Architektinnen Cornelia Kukula-Bray und Uschi Harz.

Planen und Entwerfen
Die Früchte der gemeinsamen Arbeit sind nun im Foyer des Rathauses zu betrachten. An einem Dutzend Stellwände hängen allerlei Skizzen und Pläne des L-förmigen Schulgebäudes. Auch kolorierte Fotomontagen von Treppenhäusern und Kinderbilder. Kinderbilder? Sehr wohl, Grundschüler malen ihre Traumsschule. Wird die Ganztagsschule der Zukunft auch von Kindern und Jugendlichen entworfen?

Nicht nur, aber auch, denn die Ausstellungsmacherinnen und Architektinnen beherzigen ein seltenes Prinzip in ihrem Berufsstand: "Die neu gestaltete Ganztagsschule verstehen wir als ein demokratisches Projekt und den Schulumbau als einen Prozess, der auf die Bedürfnisse von Schülern und Lehrern eingeht", so die Architektin.Viel Zeit war den Mitarbeitern des Workshops nicht vergönnt. In einer Woche musste die Arbeit straff durchgezogen werden. "Wir haben die Schule zunächst von außen betrachtet und nach Stärken und Schwächen des Gebäudes gefragt", sagt Kukula-Bray. Dann ging es rasch in zwei Schritten voran. Erstens: Analyse und Neuverteilung der Haupt- und Nebenräume. Zweitens: Gestaltung von selbst gewählten Schulbereichen.

Fragen Sie die Schüler!
An vorderster Stelle stand die Schülerbefragung. Schüler der Klassen 6/7 und 10 bewerteten die Qualität der Schulanlagen: Sportstätten, Internet-Cafe, Bücherei, Aufenthaltsmöglichkeiten und die Ausstattung von Schulsälen. Die Kleinen der Klassen 3 und 4 bekamen eine kreativere Aufgabe. Wie soll die Traumschule aussehen? Also malten sie ihre Fantasien auf ein Stück weißes Papier.Herausgekommen sind bildliche Formulierungen von faszinierender Klarheit und Lebendigkeit. Die ideale Ganztagsschule soll bunt und von Tieren und Pflanzen bewohnt sein. Ein Gartenteich soll darin vorkommen und natürlich Sport- und Spielstätten.

Kinder malen ihre Traumschule
Kinder lösen reale Probleme oft spielend leicht: Aus den zwei getrennten Gebäuden der Schiller-Grundschule beispielsweise macht ein kleiner Künstler in seinem Bild eine organische Einheit, indem er beide Gebäudeteile mit einem gläsernen Übergang verbindet.

Mithilfe der Schülerbefragung entwickelten die Mitarbeiter des Workshops ihre Gesamtkonzeption für die zukünftige Ganztagsschule. Es soll ein Ganztagsschulbereich entstehen, der eine Verbindung zwischen Grundschule und Hauptschule herstellt. „Wenn die Schule besser wird, können sich die Schüler mit ihr auch identifizieren“, resümiert Uschi Harz.

Ein Besuch in Daniel Düsentriebs ErfinderkücheWer sich die Vielfalt an Ideen, die die Studenten aus der Befragung entwickelt haben, vor Augen führt, mag sich an Daniel Düsentriebs Erfinderküche in 'Donald Duck' oder an Science Fiction-Filme erinnert fühlen. So gibt es in der Ausstellung Modelle von "Chill-Out-Boxes", also mobile überdachte Konstrukte zum Entspannen. Sie können im Gebäude oder im Freien zu mehreren Einheiten zusammengestellt werden.

Bei den Klassenräumen ist etwas konservativer gedacht worden: "Die vorhandenen Klassenräume werden übernommen. Die Qualität der Klassensäle wird aber durch Raumeinbauten und Farbgestaltung aufgewertet", sagt Uschi Harz.

An einem zentralen Standort mit Signalwirkung soll die zukünftige Bibliothek ihren Platz bekommen. Dies wünschen sich die Schüler. Der Schulhof soll übrigens ein Atrium bekommen und der Schulteich aus dem Schülerbild auch Wirklichkeit werden.

Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in der Schillerschule?
Als i-Tüpfelchen für das Stadtviertel ist die geplante Sporthalle vorgesehen. "Wir saßen zusammen und haben fantasiert. Die Stadt könnte ihren Gästen eine tolle Turnhalle mit Wellnessbereich bieten“. Vielleicht gäbe es für das Konzept sogar FIFA-Fördergelder, so Monika Simon von der Stadtverwaltung. Zusammen mit Cornelia Kukula-Bray und Uschi Harz hat sie die Vision entwickelt, der Schillerschule eine Trainingshalle für Mannschaften der Fußball-Weltmeisterschaft zu ermöglichen. Kaiserslautern ist ja auch Austragungsort der WM 2006. Nach der WM soll sie sich für das gesamte Stadtviertel öffnen.

"Großzügige Unterstützung durch das Bundesprogramm"
Wie sieht es aber mit der Finanzierung der neuen pädagogischen Architektur aus? "Man möchte die Ganztagsschulen von Bundesseite sehr großzügig unterstützen. Im Moment haben wir in Rheinland-Pfalz 160 Ganztagsschulen. Wir erwarten aber, dass es bis zu 300 werden, die dann auch umgebaut und neugestaltet werden müssen. Es gibt eine Pauschalzuweisung, je nach Schulart zwischen 50.000 und 75.000 Euro pro Schule. Insgesamt, bei 6 Ganztagsschulen, kommen wir auf den Betrag für die Stadt Kaiserslautern von fast 400.000 Euro", sagt Peter Krietemeyer, Leiter des Referats Schulen der Stadt Kaiserslautern. In die Schularchitektur ist also Bewegung gekommen.

"Der dritte Lehrer ist der Raum"
Die Ausstellung "Mensch baut Haus - Schulhaus baut Mensch" vermittelt eine überraschende Botschaft: Unsere dritte Haut, die Räume, gestalten das Leben und Lernen maßgeblich mit. Ob positiv oder negativ. Das Offenkundige merken wir sowenig, obwohl es täglich auf uns wirkt. Räume sind die dritten Pädagogen, wie ein schwedisches Sprichwort aus der Schulwelt weiß:

"Ein Kind hat drei Lehrer: Der erste Lehrer sind die anderen Kinder. Der zweite Lehrer ist der Lehrer. Der dritte Lehrer ist der Raum".

Wenn die Botschaft von den Schulämtern und seinen Architekten beherzigt wird, könnte es für die Ganztagsschule der Zukunft heißen: Der beste Lehrer für den Schularchitekten sind die Kinder.

Autor: DZ Online-Redaktion

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