Rubrik: Eltern
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Ein Modellprojekt vor dem Start
Möchten
Sie die Ganztagsschule der Zukunft einmal auf dem Reißbrett entstehen
sehen? Im Rathaus der Stadt Kaiserslautern gibt es dazu die
Möglichkeit. Vom 23. Juni bis zum 04. Juli 2003 dokumentiert die
Ausstellung „Mensch baut Haus – Schulhaus baut Mensch“ den geplanten
Umbau der Schillerschule in eine Ganztagsschule, ein Modellprojekt vor
dem Start, das vom Bildungsministerium Rheinland-Pfalz unterstützt wird.
Die
Kaiserslauterer Grund- und Hauptschule wurde 1956 als dreigeschossiges
Gebäude im Stadtviertel Fischerrück erbaut. Durch sinkende
Schülerzahlen wurden zahlreiche Räume frei. Mit der Aufnahme eines
Ganztagsschulbetriebs ergaben sich neue Vorstellungen zur Nutzung der
Räume. Ganz wichtig war auch "die Akzeptanz der Schulleitung und der
Schüler für den Start des Modellprojektes", hebt Monika Simon vom
Referat der Gebäudewirtschaft der Stadt Kaiserslautern hervor.
Lernen und Leben unter einem Dach
Das
Programm sieht eine Ganztagsschule in neuer Form vor. Für das kommende
Schuljahr haben sich 80 Schüler freiwillig für das Ganztagsangebot
angemeldet, doch die Teilnahme am Unterricht und den ergänzenden
Veranstaltungen ist dann aber verpflichtend.Ganztagsschulen sollen nach den Leitlinien des
Bundesprogramms „Zukunft, Bildung und Betreuung“ nicht nur "Lernraum",
sondern auch "Lebensraum" für Schüler und Lehrer sein. Mit
Unterstützung der Stadtverwaltung erarbeiteten 14 Studenten der
Architektur/ Innenarchitektur von der FH Kaiserslautern in einem
Workshop dementsprechend eigene Konzepte zur baulichen Neugestaltung
der Schule. Anleiterinnen und Initiatorinnen des Workshops waren die
Architektinnen Cornelia Kukula-Bray und Uschi Harz.
Planen und Entwerfen
Die
Früchte der gemeinsamen Arbeit sind nun im Foyer des Rathauses zu
betrachten. An einem Dutzend Stellwände hängen allerlei Skizzen und
Pläne des L-förmigen Schulgebäudes. Auch kolorierte Fotomontagen von
Treppenhäusern und Kinderbilder. Kinderbilder? Sehr wohl, Grundschüler
malen ihre Traumsschule. Wird die Ganztagsschule der Zukunft auch von
Kindern und Jugendlichen entworfen?
Nicht nur, aber auch, denn
die Ausstellungsmacherinnen und Architektinnen beherzigen ein seltenes
Prinzip in ihrem Berufsstand: "Die neu gestaltete Ganztagsschule
verstehen wir als ein demokratisches Projekt und den Schulumbau als
einen Prozess, der auf die Bedürfnisse von Schülern und Lehrern
eingeht", so die Architektin.Viel Zeit war den Mitarbeitern des Workshops nicht
vergönnt. In einer Woche musste die Arbeit straff durchgezogen werden.
"Wir haben die Schule zunächst von außen betrachtet und nach Stärken
und Schwächen des Gebäudes gefragt", sagt Kukula-Bray. Dann ging es
rasch in zwei Schritten voran. Erstens: Analyse und Neuverteilung der
Haupt- und Nebenräume. Zweitens: Gestaltung von selbst gewählten
Schulbereichen.
Fragen Sie die Schüler!
An
vorderster Stelle stand die Schülerbefragung. Schüler der Klassen 6/7
und 10 bewerteten die Qualität der Schulanlagen: Sportstätten,
Internet-Cafe, Bücherei, Aufenthaltsmöglichkeiten und die Ausstattung
von Schulsälen. Die Kleinen der Klassen 3 und 4 bekamen eine kreativere
Aufgabe. Wie soll die Traumschule aussehen? Also malten sie ihre
Fantasien auf ein Stück weißes Papier.Herausgekommen sind bildliche Formulierungen von
faszinierender Klarheit und Lebendigkeit. Die ideale Ganztagsschule
soll bunt und von Tieren und Pflanzen bewohnt sein. Ein Gartenteich
soll darin vorkommen und natürlich Sport- und Spielstätten.
Kinder malen ihre Traumschule
Kinder lösen reale Probleme oft spielend leicht: Aus
den zwei getrennten Gebäuden der Schiller-Grundschule beispielsweise
macht ein kleiner Künstler in seinem Bild eine organische Einheit,
indem er beide Gebäudeteile mit einem gläsernen Übergang verbindet.
Mithilfe
der Schülerbefragung entwickelten die Mitarbeiter des Workshops ihre
Gesamtkonzeption für die zukünftige Ganztagsschule. Es soll ein
Ganztagsschulbereich entstehen, der eine Verbindung zwischen
Grundschule und Hauptschule herstellt. „Wenn die Schule besser wird,
können sich die Schüler mit ihr auch identifizieren“, resümiert Uschi
Harz.
Ein Besuch in Daniel Düsentriebs ErfinderkücheWer sich die Vielfalt an Ideen, die die Studenten aus der Befragung entwickelt haben, vor Augen führt, mag sich an Daniel Düsentriebs Erfinderküche in 'Donald Duck' oder an Science Fiction-Filme erinnert fühlen. So gibt es in der Ausstellung Modelle von "Chill-Out-Boxes", also mobile überdachte Konstrukte zum Entspannen. Sie können im Gebäude oder im Freien zu mehreren Einheiten zusammengestellt werden.
Bei den Klassenräumen ist etwas konservativer gedacht worden: "Die vorhandenen Klassenräume werden übernommen. Die Qualität der Klassensäle wird aber durch Raumeinbauten und Farbgestaltung aufgewertet", sagt Uschi Harz.
An einem
zentralen Standort mit Signalwirkung soll die zukünftige Bibliothek
ihren Platz bekommen. Dies wünschen sich die Schüler. Der Schulhof soll
übrigens ein Atrium bekommen und der Schulteich aus dem Schülerbild
auch Wirklichkeit werden.
Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in der Schillerschule?
Als
i-Tüpfelchen für das Stadtviertel ist die geplante Sporthalle
vorgesehen. "Wir saßen zusammen und haben fantasiert. Die Stadt könnte
ihren Gästen eine tolle Turnhalle mit Wellnessbereich bieten“.
Vielleicht gäbe es für das Konzept sogar FIFA-Fördergelder, so Monika
Simon von der Stadtverwaltung. Zusammen mit Cornelia Kukula-Bray und
Uschi Harz hat sie die Vision entwickelt, der Schillerschule eine
Trainingshalle für Mannschaften der Fußball-Weltmeisterschaft zu
ermöglichen. Kaiserslautern ist ja auch Austragungsort der WM 2006.
Nach der WM soll sie sich für das gesamte Stadtviertel öffnen.
"Großzügige Unterstützung durch das Bundesprogramm"
Wie
sieht es aber mit der Finanzierung der neuen pädagogischen Architektur
aus? "Man möchte die Ganztagsschulen von Bundesseite sehr großzügig
unterstützen. Im Moment haben wir in Rheinland-Pfalz 160
Ganztagsschulen. Wir erwarten aber, dass es bis zu 300 werden, die dann
auch umgebaut und neugestaltet werden müssen. Es gibt eine
Pauschalzuweisung, je nach Schulart zwischen 50.000 und 75.000 Euro pro
Schule. Insgesamt, bei 6 Ganztagsschulen, kommen wir auf den Betrag für
die Stadt Kaiserslautern von fast 400.000 Euro", sagt Peter
Krietemeyer, Leiter des Referats Schulen der Stadt Kaiserslautern. In
die Schularchitektur ist also Bewegung gekommen.
"Der dritte Lehrer ist der Raum"
Die
Ausstellung "Mensch baut Haus - Schulhaus baut Mensch" vermittelt eine
überraschende Botschaft: Unsere dritte Haut, die Räume, gestalten das
Leben und Lernen maßgeblich mit. Ob positiv oder negativ. Das
Offenkundige merken wir sowenig, obwohl es täglich auf uns wirkt. Räume
sind die dritten Pädagogen, wie ein schwedisches Sprichwort aus der
Schulwelt weiß:
"Ein Kind hat drei Lehrer: Der erste Lehrer sind die anderen Kinder. Der zweite Lehrer ist der Lehrer. Der dritte Lehrer ist der Raum".
Wenn die Botschaft von den Schulämtern und seinen Architekten beherzigt wird, könnte es für die Ganztagsschule der Zukunft heißen: Der beste Lehrer für den Schularchitekten sind die Kinder.
Autor: DZ Online-Redaktion
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