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Billard DOS Betzdorf - Elektrotechnik-AG Keramik-Arbeitsgemeinschaft Toepfern
15.05.2007

Komplex, aber unkompliziert: Die Duale Oberschule Betzdorf

Aus der Not eine Tugend machen

Gregor Groß und Knut Meinert kennt man an der idyllisch im Westerwald gelegenen Dualen Oberschule Betzdorf eigentlich nur noch als das „Dream Team“ der Ganztagsschule. Sie sind Ansprechpartner für sämtliche Organisations- und Alltagsfragen rund um die GTS. Die Arbeitsteilung funktioniert bestens: Gregor Groß, der als Ganztagsschul-Moderator auch andere Schulen berät, vertritt vor allem die technische Seite; bei Knut Meinert laufen die Wünsche, Sorgen und Fragen von Eltern, Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern zusammen. Er selbst nennt sich scherzhaft „Mädchen für alles“.

Und doch geben die beiden Ganztagsschul-Spezialisten freimütig zu, sei der Anfang alles andere als einfach gewesen. Denn die Schulleitung beschloss im Jahr 2002 vorausschauend gleich in die Vollen zu gehen und mit allen Klassen in die Ganztagsschule einsteigen – wirkte die Situation doch im Grunde überschaubar: Das Limit für die ersten Anmeldungen lag bei 150 Schülerinnen und Schülern und bislang hatten 100 Eltern Interesse an der Ganztagsschule signalisiert.

Womöglich aber hatte die Schulleitung anschließend zu gute Ideen für den Start präsentiert. Denn als es ans Eingemachte ging und die verbindlichen Anmeldungen eintrudelten, explodierte die Ganztags-Schülerzahl geradezu. Am Ende der Anmeldefrist wollten knapp 250 Kinder und Jugendliche an der Ganztagsschule teilnehmen. „Wir wurden von den Ereignissen überrollt“, blickt Gregor Groß auf die aufregende und stressige Anfangsphase zurück. Zudem war die Installierung des Ganztagsschulangebots an der DOS Betzdorf noch ein bedeutendes Stück schwieriger als an anderen Schulen: Der Aufbau einer Dualen Oberschule, die alle schulischen Abschlüsse von Hauptschule, Realschule, Berufs- und Fachoberschule anbietet, ist ohnehin recht komplex und erfordert eine aufwändige Organisation. Und nun noch einen Ganztagsschulplan für all diese Schülerinnen und Schüler entwickeln? Arbeitsgemeinschaften organisieren? Für ein geregeltes Mittagessen sorgen? Genügend Räume finden?

Gregor Groß und Knut Meinert aber verzagten nicht und sahen auch die Vorteile des beeindruckenden Zuspruchs: „Die hohe Anmeldezahl war zwar problematisch für die Organisation, aber gut fürs Budget“, erinnert sich Gregor Groß. Außerdem machte der studierte Jazzmusiker, der über Umwege in den Lehrberuf gelangte, aus der Not eine Tugend und aus seinem Hobby eine Herausforderung. Der passionierte PC-Freak programmierte eigens eine Computersoftware speziell für Ganztagsschulen, welche die Organisation erheblich erleichtert. Die Anwendung ist benutzerfreundlich und ermöglicht Kollegium und Sekretariat eine schnelle Übersicht sowohl über die individuellen Stundenpläne als auch über die Arbeitsgemeinschaften und die ganz persönlichen Tagesstrukturen der einzelnen Schülerinnen und Schüler. Die Überbelegung von Arbeitsgemeinschaften wird dadurch ebenso vermieden wie eine mangelnde Rückmeldung über die Interessen der Schülerinnen und Schüler. Denn die sind der Schulleitung wichtig.

Ansonsten kam das flexible Modell der Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz Gregor Groß, Knut Meinert und der Schulleitung entgegen. „Die Ganztagsschule ist zum Glück nichts Statisches oder Starres, es gibt immense Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für die einzelnen Schulen. Eine solche Form des Qualitätsmanagements ist einzigartig im deutschen Schulsystem“, ist Gregor Groß überzeugt. So gelang es auch an der DOS Betzdorf, der Ereignisse Herr zu werden und aus ersten Fehlern schnell zu lernen. Besonders an der Nachmittagsstruktur wurde immer wieder gefeilt.

Nun gibt es nach dem Mittagessen eine Erholungsphase, dann den Förderunterricht und Arbeitsgemeinschaften. Im Schuljahr 2005/2006 gingen in der fünften Jahrgangsstufe erstmals reine Ganztagsklassen an den Start – und das ist nun auch das erklärte Ziel der DOS Betzdorf: mehr Rhythmisierung, mehr Blockunterricht, noch mehr Gestaltungsvarianten.

Jeder esse, was er kann...
Das Mittagessen ist oft eine der größten Organisationshürden bei der Einrichtung einer Ganztagsschule. Auch die Duale Oberschule Betzdorf kam erst über Umwege ans Ziel – Umwege allerdings, die langfristig gesehen schlau machten. Eine neu eingerichtete Kantine im Schulgebäude sorgt dafür, dass die Schülerinnen und Schüler das Haus nicht verlassen müssen. Doch wie sollte abgerechnet werden? Denn die Schulleitung machte es zur Bedingung, dass jeder angemeldete Schülerinnen und Schüler auch am Mittagessen teilnimmt. Hinter dem Essen steht nämlich ein pädagogischer Gedanke: Die Kinder sollen Tischmanieren erlernen und sich im Sozialverhalten üben.

Außerdem sollte es zwei Gerichte zur Auswahl geben, was aber wiederum bedeutete, dass die Schülerinnen und Schüler rechtzeitig ihre Entscheidung treffen müssen. Zuerst sollte dies mittels Essens-Chips geschehen, die indes ein munteres Tausch- und Verkaufsgeschäft auf dem Schulhof auslösten. Der Umstieg auf Tagesmarken verdoppelte jedoch den Arbeitsaufwand für das Mittagessen. Schließlich entschied sich die DOS Betzdorf für eine Vorausbestellung mit Hilfe eines Chipkartenterminals neben dem Sekretariat, an dem die Schülerinnen und Schüler ihren Essensplan zusammenstellen können. Das sah zunächst wieder nach einem Flop aus: Die Essensmeldungen sanken gegen Null, denn die Vorauszahlungen lösten bei den Eltern Misstrauen aus. Doch der Automat setzte sich durch, und nach dem Umstieg auf einen anderen Caterer mit mehr Frischwaren pendelten sich auch die Anmeldungen wieder ein. Der regelmäßige Gang zum Automaten und die Wahl des Essens ist den Schülerinnen und Schülern mit der Zeit in Fleisch und Blut übergegangen – frei nach dem Kinderreim: „Jeder esse, was er kann, nur nicht seinen Nebenmann.“

Autor: Bettina Belitz

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