Rubrik: Eltern
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Thema:
Partizipation
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Landauf, landab werden derzeit in ganz Deutschland Serviceagenturen im Rahmen des Begleitprogramms „Ideen für mehr! Ganztägig lernen“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) eingerichtet. Gerade eröffnete in Schleswig-Holstein die zehnte, für Oktober ist eine weitere in Thüringen geplant. In Rheinland-Pfalz ist man da schon weiter: Bereits vom 1. Januar 2005 datiert der zwischen dem Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend (MBFJ) und der DKJS unterzeichnete Kooperationsvertrag über die Einrichtung der „Regionalen Serviceagentur Ganztägig lernen“. Diese ist beim Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung (IFB) in Speyer angesiedelt. Der Kooperationsvertrag ist bis Jahresende 2006 befristet, mit einer Option auf Verlängerung bis zum 30. Juni 2008.
Am 24. Januar 2005 nahm Jürgen Tramm seine Arbeit bei der Serviceagentur auf. Tramm ist Diplomsozialarbeiter, der schon vor seiner Tätigkeit bei der Serviceagentur mit Ganztagsschulen befasst war. „Ich komme aus dem Bereich der Jugendbildung, in dem ich zwölf Jahre lang tätig gewesen bin. Als Referent im „Qualifizierungsprogramm für außerschulische Fachkräfte an Ganztagsschulen“ arbeitete ich auf Honorarbasis und hatte sowohl schon mit Ganztagsschulen zu tun wie auch bereits Kontakt zum IFB “, erzählt Tramm. Darüber hinaus verfügt er über Erfahrungen in der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Jugendverbänden und Kommunen.
Der Diplomsozialarbeiter bewarb sich auf die ausgeschriebene Stelle als Leiter der rheinland-pfälzischen Serviceagentur und ist dort nun mit 20 Wochenstunden tätig. Sein Präsenztag im IFB ist der Donnerstag. Daneben arbeitet Tramm weiterhin im Qualifizierungsprogramm, welches das Sozialpädagogische Fortbildungszentrum (SPFZ) gemeinsam mit dem IFB durchführt. Tramm ist dabei der Teil eines Tandems von Fachkräften aus Schule und Jugendhilfe, das die Qualifizierungen durchführt.
Die Arbeit in
der Serviceagentur im Rahmen des bundesweiten Begleitprogramms „Ideen
für mehr! Ganztägig lernen“ sieht etwas anders aus. Der
Kooperationsvertrag legt einen Schwerpunkt auf Partizipation. So heißt
es im Vertrag, dass die Serviceagentur „Prozesse und Beispiele für die
Partizipation von Schülerinnen, Schülern und Eltern bei der Gestaltung
von Ganztagsschulen initiieren und begleiten“ soll, ebenso wie das
„stärkere Einbinden von außerschulischen Fachkräften in das System
Schule“. Dazu steht die Serviceagentur den einzelnen Schulen und ihren
Partnern beratend zur Seite, vermittelt Experten und unterstützt die
Arbeit von Ganztagsschulmoderatoren in regionalen Netzwerken. „Im
letzten halben Jahr habe ich mich verstärkt um diese drei Zielgruppen
Schüler, Eltern und außerschulische Partner bemüht“, berichtet Jürgen
Tramm. Seine Serviceagentur kooperiert auch mit dem Netzwerk
Partizipation (Netpart) der Landesregierung.
“Ich verstehe mich als Vermittlungsstelle“
Bisher
ist es laut des Agenturleiters eher selten der Fall gewesen, dass
Schulen von sich aus Beratung gesucht haben. „Wenn Fragen kommen, geht
es schwerpunktmäßig um den Bereich Hausaufgaben oder Rhythmisierung des
Tages“, hat Tramm beobachtet. „Bei den Hausaufgaben tun sich manche
Kollegien schwer damit, aus ihrem alten Trott heraus umzusteuern. Dann
kommen schon mal Anfragen von Schulleitungen: Wie kann ich mein
Kollegium dazu bringen, mal etwas Neues, etwas Anderes
auszuprobieren?’“ Der Diplomsozialarbeiter verweist für Antworten schon
mal an seinen Kollegen Hans-Jürg Liebert, der im IFB Experte für
Ganztagsschulen ist und Fortbildungen zu entsprechenden Themen anbieten
und auf Konzepte und Erfahrungen zurückgreifen kann. „Ich verstehe mich
als Vermittlungsstelle“, so Tramm.
Bei seinem
Jugendhilfe-Hintergrund wundert es nicht, dass auch aus diesem Bereich
Fragen an die Serviceagentur herangetragen werden: „Über meine Kontakte
in die Jugendverbandsarbeit und zum Landesjugendring kommt einiges auf
mich zu“, erzählt Tramm. „Auch Privatpersonen rufen mich an und fragen
nach, wie sie mit Ganztagsschulen kooperieren können. Dazu kommen
Freiberufler und Institute, die von dem DKJS-Programm erfahren haben
und ihre Dienste zum Beispiel für Fortbildungen anbieten. Das ist oft
gut gemeint, hat aber häufig auch gewerblichen Charakter.“
Ständische Vertretung für außerschulische Partner
Nicht
nur die Schulen verändern sich, auch die außerschulischen Partner
müssen sich Jürgen Tramm zufolge bewegen: „Der Jugendverbandsarbeit zum
Beispiel muss bewusst sein, dass man keine 17-jährige Gruppenleiterin
unqualifiziert und unbegleitet in eine Arbeitsgemeinschaft schicken
kann, sondern dass sie auch Ressourcen für eine angemessene
Qualifikation bereitstellen müssen.“ Klar sei, dass es bei den
außerschulischen Fachkräften bisher an Strukturen mangelte: Während es
zum Beispiel eine Landesschülervertretung oder den Landeselternbeirat
gebe, fehle hier eine ständische Vertretung.“
Zum Schwerpunkt Partizipation von Schülern, Eltern und außerschulischen Partnern hat die Serviceagentur im März eine Erhebung „Stand der Partizipation an Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz“ entwickelt und im April an 384 Ganztagsschulen verschickt. Die Ergebnisse werden zum Monatsende vorliegen. „Ich habe einen sechs Fragen umfassenden Fragebogen an alle vier Zielgruppen, also auch die Schulleitungen, geschickt. Der Rücklauf ist jetzt abgeschlossen, und wir sind dabei, die Bögen auszuwerten“, berichtet Tramm. So viel kann der Diplomsozialarbeiter schon sagen: „Es gibt so gut wie keine geregelte Vertretung der Ganztagsschüler und ihrer Eltern in Gremien wie dem Schulelternbeirat oder der Schülervertretung. Es ist bisher eher zufällig, wenn Eltern von Ganztagsschülern im Beirat sitzen und dort die Interessen des Ganztags vertreten.“
Seit Mai besucht Jürgen Tramm Schulen. Man müsse
vielen Ganztagsschulen zu Gute halten, dass sie noch in einer
Pilotphase steckten, findet er: „Welche Methoden und Formen geeignet
sind, um zu einer angemessenen Partizipation zu kommen, muss sich erst
noch erweisen.“
Mit Fortbildungen punktgenauer helfen
Bei
all diesen Prozessen können den Schulen auch die
Ganztagsschulmoderatoren in den 18 lokalen Netzwerken in
Rheinland-Pfalz beratend zur Seite stehen. Einzelne Netzwerke hat
Jürgen Tramm schon besucht, darüber hinaus treffen sich die Moderatoren
halbjährlich für zwei Tage im IFB. „Bei der Herbsttagung wird
Partizipation ein Hauptthema sein, damit die Moderatoren in diesem
Bereich noch bessere Arbeit leisten können.“
Das ist noch nicht alles: Zusammen mit dem BLK-Projekt „Demokratie leben und lernen“ entwickelt die Serviceagentur ein Programm „Demokratie in der Ganztagsschule“, ein Bereich, den Tramm für bislang „unterentwickelt“ hält. In der Kooperation mit dem BLK-Modellversuch „Lernen für den Ganztag“ werden für die Referenten im Rahmen der „Qualifizierung außerschulische Fachkräfte an Ganztagsschulen“ Fortbildungsbedarfe ermittelt und Konzepte entwickelt. Neben diesen Angeboten steht der Serviceagentur auch ein Etat zur Verfügung, mit dem sie Schulen bei der Konzeption und Installation von Beteiligungsstrukturen fördern kann.
Momentan ist Jürgen Tramm hauptsächlich damit beschäftigt, den Auftritt seines Landes auf dem Ganztagsschulkongress am 2. und 3. September 2005 in Berlin vorzubereiten. Zusammen mit Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland bildet Rheinland-Pfalz die Region Süd/West, die am zweiten Tag in einem von sechs regionalen Länderforen arbeiten wird. Das Thema des Workshops von Jürgen Tramm ist natürlich die „Partizipation an Ganztagsschulen“.
Und über den Ganztagsschulkongress hinaus?
Die Ergebnisse der Erhebung will der Agenturleiter nutzen, um Bedarfe
herauszukristallisieren und Arbeitsfelder zu identifizieren. Daran
orientiert, kann er für das kommende Jahr entsprechende Fortbildungen,
Tagungen oder Beratungen für einzelne Schulen planen – und noch
punktgenauer helfen.
Autor: Ralf Augsburg - DZ Online-Redaktion
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