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Serviceagentur Ganztägig Lernen

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Ganztagsschulverband GGT e.V. orange

Landesschüler- Vertretung Rheinland-Pfalz

Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz
 
25.08.2005

Mittler zwischen Schulen und außerschulischen Partnern

Jürgen Tramm bietet Ganztagsschulen Beratung und vermittelt Experten. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Partizipation in Ganztagsschulen.

Landauf, landab werden derzeit in ganz Deutschland Serviceagenturen im Rahmen des Begleitprogramms „Ideen für mehr! Ganztägig lernen“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) eingerichtet. Gerade eröffnete in Schleswig-Holstein die zehnte, für Oktober ist eine weitere in Thüringen geplant. In Rheinland-Pfalz ist man da schon weiter: Bereits vom 1. Januar 2005 datiert der zwischen dem Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend (MBFJ) und der DKJS unterzeichnete Kooperationsvertrag über die Einrichtung der „Regionalen Serviceagentur Ganztägig lernen“. Diese ist beim Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung (IFB) in Speyer angesiedelt. Der Kooperationsvertrag ist bis Jahresende 2006 befristet, mit einer Option auf Verlängerung bis zum 30. Juni 2008.

Am 24. Januar 2005 nahm Jürgen Tramm seine Arbeit bei der Serviceagentur auf. Tramm ist Diplomsozialarbeiter, der schon vor seiner Tätigkeit bei der Serviceagentur mit Ganztagsschulen befasst war. „Ich komme aus dem Bereich der Jugendbildung, in dem ich zwölf Jahre lang tätig gewesen bin. Als Referent im „Qualifizierungsprogramm für außerschulische Fachkräfte an Ganztagsschulen“ arbeitete ich auf Honorarbasis und hatte sowohl schon mit Ganztagsschulen zu tun wie auch bereits Kontakt zum IFB “, erzählt Tramm. Darüber hinaus verfügt er über Erfahrungen in der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Jugendverbänden und Kommunen.

Der Diplomsozialarbeiter bewarb sich auf die ausgeschriebene Stelle als Leiter der rheinland-pfälzischen Serviceagentur und ist dort nun mit 20 Wochenstunden tätig. Sein Präsenztag im IFB ist der Donnerstag. Daneben arbeitet Tramm weiterhin im Qualifizierungsprogramm, welches das Sozialpädagogische Fortbildungszentrum (SPFZ) gemeinsam mit dem IFB durchführt. Tramm ist dabei der Teil eines Tandems von Fachkräften aus Schule und Jugendhilfe, das die Qualifizierungen durchführt.

Die Arbeit in der Serviceagentur im Rahmen des bundesweiten Begleitprogramms „Ideen für mehr! Ganztägig lernen“ sieht etwas anders aus. Der Kooperationsvertrag legt einen Schwerpunkt auf Partizipation. So heißt es im Vertrag, dass die Serviceagentur „Prozesse und Beispiele für die Partizipation von Schülerinnen, Schülern und Eltern bei der Gestaltung von Ganztagsschulen initiieren und begleiten“ soll, ebenso wie das „stärkere Einbinden von außerschulischen Fachkräften in das System Schule“. Dazu steht die Serviceagentur den einzelnen Schulen und ihren Partnern beratend zur Seite, vermittelt Experten und unterstützt die Arbeit von Ganztagsschulmoderatoren in regionalen Netzwerken. „Im letzten halben Jahr habe ich mich verstärkt um diese drei Zielgruppen Schüler, Eltern und außerschulische Partner bemüht“, berichtet Jürgen Tramm. Seine Serviceagentur kooperiert auch mit dem Netzwerk Partizipation (Netpart) der Landesregierung.

“Ich verstehe mich als Vermittlungsstelle“
Bisher ist es laut des Agenturleiters eher selten der Fall gewesen, dass Schulen von sich aus Beratung gesucht haben. „Wenn Fragen kommen, geht es schwerpunktmäßig um den Bereich Hausaufgaben oder Rhythmisierung des Tages“, hat Tramm beobachtet. „Bei den Hausaufgaben tun sich manche Kollegien schwer damit, aus ihrem alten Trott heraus umzusteuern. Dann kommen schon mal Anfragen von Schulleitungen: Wie kann ich mein Kollegium dazu bringen, mal etwas Neues, etwas Anderes auszuprobieren?’“ Der Diplomsozialarbeiter verweist für Antworten schon mal an seinen Kollegen Hans-Jürg Liebert, der im IFB Experte für Ganztagsschulen ist und Fortbildungen zu entsprechenden Themen anbieten und auf Konzepte und Erfahrungen zurückgreifen kann. „Ich verstehe mich als Vermittlungsstelle“, so Tramm.

Bei seinem Jugendhilfe-Hintergrund wundert es nicht, dass auch aus diesem Bereich Fragen an die Serviceagentur herangetragen werden: „Über meine Kontakte in die Jugendverbandsarbeit und zum Landesjugendring kommt einiges auf mich zu“, erzählt Tramm. „Auch Privatpersonen rufen mich an und fragen nach, wie sie mit Ganztagsschulen kooperieren können. Dazu kommen Freiberufler und Institute, die von dem DKJS-Programm erfahren haben und ihre Dienste zum Beispiel für Fortbildungen anbieten. Das ist oft gut gemeint, hat aber häufig auch gewerblichen Charakter.“

Ständische Vertretung für außerschulische Partner
Nicht nur die Schulen verändern sich, auch die außerschulischen Partner müssen sich Jürgen Tramm zufolge bewegen: „Der Jugendverbandsarbeit zum Beispiel muss bewusst sein, dass man keine 17-jährige Gruppenleiterin unqualifiziert und unbegleitet in eine Arbeitsgemeinschaft schicken kann, sondern dass sie auch Ressourcen für eine angemessene Qualifikation bereitstellen müssen.“ Klar sei, dass es bei den außerschulischen Fachkräften bisher an Strukturen mangelte: Während es zum Beispiel eine Landesschülervertretung oder den Landeselternbeirat gebe, fehle hier eine ständische Vertretung.“

Zum Schwerpunkt Partizipation von Schülern, Eltern und außerschulischen Partnern hat die Serviceagentur im März eine Erhebung „Stand der Partizipation an Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz“ entwickelt und im April an 384 Ganztagsschulen verschickt. Die Ergebnisse werden zum Monatsende vorliegen. „Ich habe einen sechs Fragen umfassenden Fragebogen an alle vier Zielgruppen, also auch die Schulleitungen, geschickt. Der Rücklauf ist jetzt abgeschlossen, und wir sind dabei, die Bögen auszuwerten“, berichtet Tramm. So viel kann der Diplomsozialarbeiter schon sagen: „Es gibt so gut wie keine geregelte Vertretung der Ganztagsschüler und ihrer Eltern in Gremien wie dem Schulelternbeirat oder der Schülervertretung. Es ist bisher eher zufällig, wenn Eltern von Ganztagsschülern im Beirat sitzen und dort die Interessen des Ganztags vertreten.“

Seit Mai besucht Jürgen Tramm Schulen. Man müsse vielen Ganztagsschulen zu Gute halten, dass sie noch in einer Pilotphase steckten, findet er: „Welche Methoden und Formen geeignet sind, um zu einer angemessenen Partizipation zu kommen, muss sich erst noch erweisen.“

Mit Fortbildungen punktgenauer helfen
Bei all diesen Prozessen können den Schulen auch die Ganztagsschulmoderatoren in den 18 lokalen Netzwerken in Rheinland-Pfalz beratend zur Seite stehen. Einzelne Netzwerke hat Jürgen Tramm schon besucht, darüber hinaus treffen sich die Moderatoren halbjährlich für zwei Tage im IFB. „Bei der Herbsttagung wird Partizipation ein Hauptthema sein, damit die Moderatoren in diesem Bereich noch bessere Arbeit leisten können.“

Das ist noch nicht alles: Zusammen mit dem BLK-Projekt „Demokratie leben und lernen“ entwickelt die Serviceagentur ein Programm „Demokratie in der Ganztagsschule“, ein Bereich, den Tramm für bislang „unterentwickelt“ hält. In der Kooperation mit dem BLK-Modellversuch „Lernen für den Ganztag“ werden für die Referenten im Rahmen der „Qualifizierung außerschulische Fachkräfte an Ganztagsschulen“ Fortbildungsbedarfe ermittelt und Konzepte entwickelt. Neben diesen Angeboten steht der Serviceagentur auch ein Etat zur Verfügung, mit dem sie Schulen bei der Konzeption und Installation von Beteiligungsstrukturen fördern kann.

Momentan ist Jürgen Tramm hauptsächlich damit beschäftigt, den Auftritt seines Landes auf dem Ganztagsschulkongress am 2. und 3. September 2005 in Berlin vorzubereiten. Zusammen mit Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland bildet Rheinland-Pfalz die Region Süd/West, die am zweiten Tag in einem von sechs regionalen Länderforen arbeiten wird. Das Thema des Workshops von Jürgen Tramm ist natürlich die „Partizipation an Ganztagsschulen“.

Und über den Ganztagsschulkongress hinaus? Die Ergebnisse der Erhebung will der Agenturleiter nutzen, um Bedarfe herauszukristallisieren und Arbeitsfelder zu identifizieren. Daran orientiert, kann er für das kommende Jahr entsprechende Fortbildungen, Tagungen oder Beratungen für einzelne Schulen planen – und noch punktgenauer helfen.

Autor: Ralf Augsburg - DZ Online-Redaktion

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