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Eltern

Rubrik: Eltern
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Landeselterntag 2011 an der IGS Enkenbach-Alsenborn
17.11.2011

Schulleistungen effektiv fördern

20. Landeselterntag informierte über die effektive Förderung von Schulleistungen

"Lernen fürs Leben - wie lassen sich Schulleistungen effektiv fördern?" fragte der 20. Landeselterntag, den der Landeselternbeirat am 5. November 2011 in der IGS Enkenbach-Alsenborn organisierte. Eine Frage, die offensichtlich viele Mütter und Väter interessierte, denn die Resonanz war groß, die Turnhalle der Schule gut gefüllt - und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

"Für das Leben lernen" - ein hehres Ziel, aber auch ein schwammiges. Was muss man denn für das Leben lernen? Gutes Benehmen, Pünktlichkeit, Teamfähigkeit? Empathie, Hilfsbereitschaft, Selbstvertrauen? Fremdsprachen in der Grundschule, Computereinsatz in allen Fächern, Informationstechnologie von Beginn an? Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, sie stößt aber jetzt schon an den Satz, mit dem Landeselternsprecher Rudolf Merod am 5. November 2011 den 20. Landeselterntag in der Integrierten Gesamtschule Enkenbach-Alsenborn eröffnete: "Was soll, was kann, was will Schule leisten?"

Je nachdem, wem man diese Fragen stellt, wird man unterschiedliche Antworten hören, und möglicherweise gibt es keine definitiven Lösungen. Aber der Landeselterntag signalisierte bereits durch die sehr gut gefüllte Turnhalle der IGS Enkenbach-Alsenborn, dass ein großes Interesse an den Antwortmöglichkeiten besteht. Erst recht auf die offizielle Frage der Tagung "Wie lassen sich Schulleistungen effektiv fördern?"

Prof. Dr. Dieter Rombach von der Technischen Universität Kaiserslautern hat eine konkrete Vorstellung, wie Schule, Politik und Gesellschaft diese Frage beantworten sollen, sogar müssen - und er denkt dabei auch von der Zukunft aus. "Es gibt in Deutschland einen dramatischen Mangel an Arbeitskräften im mathematisch-informatik-naturwissenschaftlichen Bereich. In diesem Jahr fehlen rund 16.000 Informatikstudenten, der reale Mangel dürfte noch größer sein. Das ist eine der größten Bremsen der Volkswirtschaft", beklagte der Wissenschafter. Jedem müsse klar sein, dass es kaum noch ein Berufsbild gebe, in welchem man ohne Software und Computer auskomme. Die Berufschancen für MINT-Abgänger seien gesichert, aber an den Universitäten werde leider "das Falsche studiert". Zu oft fragten Gymnasiasten, welches Studium das vermeintlich leichtere sei - "daran müssen wir etwas ändern", forderte der Professor für Software Engineering.

Lernen mit lebensnahen Anwendungen verknüpfen

Schülerinnen und Schüler sollten verstärkt Teamarbeit und Selbstorganisation in den Schulen lernen, denn an der Universität würden die Professoren noch immer zu oft damit konfrontiert, dass die Jugendlichen weder das Eine noch das Andere beherrschten. "Dies ist aber für ihre späteren Jobs entscheidend", erklärte Rombach. Auch sei es vorteilhaft, viele Fremdsprachen zu beherrschen. Aber am wichtigsten ist es aus Sicht des Wissenschaftlers, dass Informatik in allen Fächern eine Rolle spielt: "Das muss so normal sein wie Lesen, Rechnen und Schreiben. Dazu gehört auch das Lernen des verantwortungsvollen Umgangs mit sozialen Medien."

Dazu müssten mehr Informatiklehrerinnen und -lehrer ausgebildet werden, und die Ausbildung realitätsnäher werden. "Die Person der Lehrerin oder des Lehrers ist entscheidend für die Motivation, welche das Kind für ein Fach aufbringt, und entscheidend für die Beharrlichkeit, mit der es dann an einer Sache dranbleibt und sich später für eine entsprechende Studienrichtung entscheidet. Theorie alleine motiviert nicht, das Lernen muss mit lebensnahen Anwendungen verknüpft werden. Daher müssen wir hier besonders gut ausbilden und mehr Weiterbildung von den Lehrkräften einfordern", meinte der Wissenschaftler. Auch sollte die Zusammenarbeit von Universitäten und Schulen durch Praktika und Sommerschulstudiengänge verstärkt werden.

Bundesweit und in Rheinland-Pfalz gibt es bereits Projekte, welche die Verknüpfung von Naturwissenschaften, Neuen Medien sowie Informations- und Kommunikationstechnologie mit Vorschule und Schule unterstützen, zum Beispiel das "Haus der kleinen Forscher", das für sechs- bis zehnjährige Kinder an Ganztagsgrundschulen und Kindertagesstätten konzipiert ist. Aus der frühen ersten Erfahrung der Kinder mit naturwissenschaftlichen und technischen Phänomenen sollen hier Verständnis und Wissen wachsen. Dabei soll die Begeisterung am Erforschen und Entdecken bewahrt und das Interesse weiter vertieft werden.

"Wir haben nichts zu verbergen"

Das seit 2007 aufgelegte Landesprogramm "Medienkompetenz macht Schule", das inzwischen an 400 Schulen läuft, zielt genau darauf ab, "die Schule mit Informationstechnologie zu durchdringen", wie Bildungsministerin Doris Ahnen auf dem Landeselterntag ausführte. Sie stimmte Dieter Rombach zu, dass es sinnvoller sei, Informatik mit jedem Fach zu verweben, als es nur isoliert zu betrachten.

Wie kann die Politik diese Prozesse unterstützen? Grundsätzlich tut sie in Rheinland-Pfalz schon viel, wie Rudolf Merod in seiner Begrüßung konstatierte: "In finanziell so schwierigen Zeiten den Bildungsetat um 340 Millionen Euro gesteigert zu haben, hat Ihnen Respekt über die Landesgrenzen hinaus eingebracht", lobte der Landeselternratsvorsitzende die Ministerin. Doch der Landeselternbeirat fordere auch neben verpflichtenden Fortbildungen für die Lehrkräfte, um insbesondere die Förderkompetenz und das Teamteaching zu unterstützen, einen ausreichenden Vertretungspool, um den Unterrichtsausfall an den Schulen zu minimieren. "Wir benötigen 600 Vertretungsplanstellen, um flächendeckende Vertretungen zu garantieren", erklärte Merod.

Doris Ahnen stellte sich der Diskussion über dieses zu Beginn des aktuellen Schuljahres heiß diskutierte Thema, das natürlich auch auf dem Landeselterntag von besonderem Interesse war: "Die Kosten für die Vertretungsverträge liefen aus dem Ruder, und es gab im Frühjahr eine allgemeine Unzufriedenheit mit dieser Lösung, so dass wir zu der Überzeugung gekommen sind, mit dem Vetretungspool ein neues Instrument zu schaffen." Zum 1. August 2011 seien nun 100 Planstellen geschaffen worden, zum 1. Februar 2012 würden weitere 100 eingerichtet. "Wir bauen diesen Pool erst nach und nach auf, denn auch er muss sich erst noch bewähren", so die Bildungsministerin. Ab Dezember werde das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur auf eine Internet-Seite die Vertretungssituation verröffentlichen. "Wir haben nichts zu verbergen", erklärte Doris Ahnen.

Nachfrage nach Ganztagsschulen ungebrochen

Das Land nutze den demographischen Wandel - den Rückgang von 60.000 Schülerinnen und Schülern in den kommenden fünf Jahren - um die Ausgaben pro Schülerin und Schüler zu steigern. "Am Ende der Legislaturperiode werden wir pro Kind und Jugendlichem so viel ausgeben wie noch nie zuvor", versprach die Ministerin. Aber Versprechen über steigende Ausgaben in ihrem Ressort für die Zukunft seien unseriös: "Auch ich kann Haushaltskonsolidierung und Schuldenbremse nicht negieren. Es werden Einsparungen auf uns zukommen."

Um so höher sei der Landesregierung anzurechnen, was sie derzeit und in der Vergangenheit bereits in die Wege geleitet habe: "15 Millionen Euro investieren wir, damit der Eigenanteil der Eltern beim Schultransport ihrer Kinder entfällt", berichtete Doris Ahnen. In den Grundschulen gebe es keine Klasse mit mehr als 24 Kindern, in den weiterführenden Schulen soll bis zum Schuljahr 2015/2016 die Obergrenze bei 25 Schülerinnen und Schülern liegen. Mit der Realschule plus sei mit einer wohlüberlegten Schulstrukturreform auf die sinkenden Schülerzahlen reagiert worden, so dass man nicht wie andere Bundesländer nun "holterdipolter" die Konsequenzen aus der Einsicht in die Realität ziehen müsse. Das Ganztagsschulprogramm des Landes sei ein voller Erfolg - "wir können die Nachfrage nach der Einrichtung von Ganztagsschulen momentan gar nicht mehr befriedigen, und es gibt bereits über 500 in Rheinland-Pfalz", resümierte die Ministerin. "Grundsätzlich ist es wichtig, dass wir nicht jedes Jahr etwas Neues machen, sondern unsere Maßnahmen aufeinander aufbauen."

Es bleiben laut Doris Ahnen neben dem finanziellen Aspekt weitere Herausforderungen: "Wir haben noch keine Vorstellung davon, wie der Anspruch auf Inklusion verwirklicht werden kann. Dies lässt sich nicht von heute auf morgen bewerkstelligen, und die 128 gestarteten Schwerpunktschulen sind erst ein Anfang. Für die Eltern ist es wichtig zu wissen, dass sie wie bei den Ganztagsschulen die Wahlfreiheit haben, ob sie ihr förderbedürftiges Kind auf eine Schwerpunktschule oder eine Förderschule schicken." Das Problem im Bildungsbereich bestehe nicht vordringlich in einer zu geringen Unterstützung der Abiturienten, sondern sei besonders bei den leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern virulent. "Diese müssen wir noch besser fördern - und das nützt dann allen Kindern", schloss die Ministerin in der Diskussionsrunde auf dem Landeselterntag unter Applaus.

Autor: DZ Online-Redaktion Ralf Augsburg

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