Rubrik: Eltern
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Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
Das
Fach „Pflege magischer Geschöpfe“ ist bei Harry Potter im
sagenumwobenen Schloss Hogwarts ein eher gefürchtetes als beliebtes
Fach. Nicht so an der IGS Thaleischweiler-Fröschen, die von ihren
Besuchern liebevoll „IGS Frosch“ genannt wird: Das Tier steckt hier
nicht nur im Namen, sondern auch im Detail. In den Klassenzimmern haben
Schlangen und Insekten ihr gläsernes, wohlig warmes Zuhause; Leguan
Tabaluga ist sogar der geheime Star der Gesamtschule und wird
tagtäglich von zahlreichen Kinderaugen bewundert. So grün wie sein
schuppiger Drachenrücken schimmert auch die Welt um die Schule herum:
Tannen stehen dicht an dicht, dazwischen reihen sich Laubbäume und
Sträucher um Felder und Wiesen. Natur pur.
Aber ist die IGS Frosch deshalb hinterwäldlerisch? Mitnichten! „Innovativ – ganzheitlich – schülerorientiert“ lautet der Slogan der Schule, in der jede Klasse ihr eigenes mehr oder minder magisches Geschöpf hegt und pflegt.
Im Ganztagsschulbereich ist die IGS Frosch allerdings noch ein Frischling. Der Einstieg erfolgte erst zum Schuljahr 2005/2006 im additiven Modell für die Klassen fünf bis acht. Trotzdem gibt es bei Kollegium und Schulleitung Erfahrungswerte im Nachmittagsbereich. Schon zuvor gab es an drei Tagen in der Woche Arbeitsgemeinschaften unterschiedlichster Ausrichtung für die Schülerinnen und Schüler.
In punkto Mittagessen stand für die Schulleitung fest: „Wenn, dann richtig“ – richtig gesund und richtig beliebt. So wurden auch die Eltern für die Suche nach einem geeigneten Caterer zu Rate gezogen. Eine kritische Crew aus Testessern entschied auf demokratischer Basis über die Verköstigung am Mittag. Die Qualitätskontrolle ist nach wie vor im Einsatz. Rückmeldungen und Beschwerden werden sofort entgegen genommen. Schließlich gibt es an der Ganztagsschule der IGS Frosch eine verpflichtende Bindung an das Mittagessen. Daraus ist die Maxime entstanden: Schmecken soll es! Bekanntlich isst das Auge aber mit. Deshalb bastelt die Arbeitsgemeinschaft „Der grüne Daumen“ saisonalen Tischschmuck für den Essensraum und kümmert sich überdies darum, dass Tabaluga und seine Untertanen sich wie zu Hause fühlen. Üppige Grünpflanzen in Glasvitrinen zaubern echte Dschungel-Atmosphäre in die IGS Frosch.
Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit der Ganztagsschul-Säule Mittagessen wird aber auch hinsichtlich der Organisation gefördert. Ältere Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, bei der Essensausgabe mit anzupacken und beim Geschirrspülen zu helfen. Das ist keine lästige Pflicht, im Gegenteil: Diese Aufgabe nehmen viele Jugendliche gerne und immer wieder wahr. Nach vier erfolgreich abgeleisteten Wochen kann der Job als echtes Praktikum angerechnet werden. Wer danach weiterhin helfen möchte, soll für sein Engagement in Zukunft einen einen angemessenen Lohn erhalten.
All die Schlangen, Stabheuschrecken, Grillen, Meerestiere und selbstverständlich König Tabaluga können sich nur darüber freuen, dass sie nun auch nachmittags Gesellschaft haben. Ihnen ist sogar eine eigene AG namens „Terrarium“ gewidmet, in der die Schülerinnen und Schüler lernen, die exotischen Tiere zu pflegen und ihren Lebensraum möglichst artgerecht zu gestalten. Angst hat übrigens niemand vor den teils armdicken Schlangen, die mit stoischer Ruhe das Treiben um sich herum beobachten. „Die Tiere sind fest in die Klassen integriert“, schmunzelt Schulleiter Klaus Veith – und das kann sehr förderlich sein. Denn wenn es mal zu laut im Klassensaal wird oder jemand an die Terrarienscheibe klopft, greift oft eine Schülerin oder ein Schüler selbst ein und bittet um mehr Ruhe – der sensiblen Schlange zuliebe... Und das kann an der IGS Frosch jeder verstehen.
Auch die IGS Frosch hat ihr Ganztagsschulangebot stets weiterentwickelt und überarbeitet. Im ersten Jahr der Ganztagsschule wurden für die Hausaufgaben 45 Minuten veranschlagt. Danach standen die Arbeitsgemeinschaften auf dem Programm. Wem die 45 Minuten nicht ausreichten, konnte auch anschließend noch weiter arbeiten und dann zu der Arbeitsgemeinschaft stoßen. Es stellte sich bald heraus, dass dieses fließende Konzept zu viel Unruhe im Schulgebäude schaffte. Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Die Lösung bestand darin, die Hausaufgabenzeit auf 70 Minuten zu erhöhen und eine feste zusätzliche Verlängerungsgruppe einzurichten, in der die Schülerinnen und Schüler auch während der AG-Zeit noch an ihrem Lernstoff feilen können, wenn dies nötig ist. Dieses Rezept ist aufgegangen.
Kein Dienstag ohne Handicap
„Endlich
habe ich das Spiel verstanden: Wenn der Ball nach rechts dreht, nennt
man das SLICE, wenn der Ball nach links dreht, nennt man das einen HOOK
– und fliegt der Ball geradeaus, dann ist es ein WUNDER“ lautet einer
der zahlreichen Golf-Witze, mit denen sich die Sportler selbst auf die
Schippe nehmen. Genau an diesem Wunder arbeitet die „Golf-AG“ der IGS
Frosch jedem Dienstag und mit jener Leidenschaft, der sich die meisten
Golfer früher oder später nicht mehr entziehen können. Was so
unglaublich klingt, ist tatsächlich wahr: Die Vereinigung clubfreier
Golfer (VcG) hat zusammen mit dem Deutschen Golfverein (DGV) die
Initiative „Abschlag Schule“ ins Leben gerufen. Die IGS hat das Glück,
im Nachbarort Rieschweiler einen weitläufigen Golfplatz samt einem
charmanten Golflehrer vorzufinden. Der junge Brite Ian Blackburn hat
Freude an der Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern und versteht es,
ihre Aufmerksamkeit zu fesseln – und sei es, einen Ball ganz
fürchterlich schlecht ins Grün zu dreschen, um zu zeigen, was man beim
Golf besser nicht tun sollte.
„Daran erinnern sich die Kinder wahrscheinlich ihr Leben lang und es gibt ihnen auch Selbstbewusstsein, einen für die Schule so exklusiven Sport betreiben zu können“, freut sich Schulleiter Klaus Veith über die außergewöhnliche Arbeitsgemeinschaft, die er jeden Dienstag begleitet, denn inzwischen hat auch ihn das Golffieber gepackt. Die Schülerinnen und Schüler hingegen wissen genau: Wenn sie mit zum Golfclub Rieschweiler wollen, müssen vorher die Hausaufgaben fertig sein. Das gibt zusätzlichen Ansporn für die 70-minütige Lern- und Förderzeit. Danach geht’s hinaus ins Grüne.
„Ich verbringe mehr Zeit im Wald als ein Eichhörnchen“, sagte Schauspiellegende Jack Lemmon selbstironisch über seine Liebe zum Golf. Doch exakt darin liegen die Vorteile: Die Schülerinnen und Schüler bewegen sich an der frischen Luft und haben die Gelegenheit, innerhalb der Ganztagsschule das gewohnte Umfeld verlassen zu können. Der Golfsport schult zudem die Aufmerksamkeit, Konzentration und Rücksichtnahme der Jugendlichen. Auch die Arbeitsgemeinschaften Tennis und Sportkegeln finden außerhalb des Schulgeländes statt. Der Bustransfer funktioniert reibungslos.
Dabei wird der Ernst des Lebens jedoch nicht vergessen. An der Ganztagsschule der IGS sollen sowohl Talente gefördert werden als auch schwächeren Schülerinnen und Schülern Unterstützungsangebote gemacht werden. Förderangebote stehen auch jenen Schülerinnen und Schülern zur Verfügung, die den Sprung in die Realschul- oder Gymnasialebene schaffen wollen. Denn diese Chancen der Integrierten Gesamtschule können im Ganztagsschulmodell besonders gut genutzt werden. So kann an der IGS Frosch jeder Schüler sein ganz persönliches Handicap anstreben – ob auf dem Golfplatz oder im Klassenzimmer.
Autor: Bettina Belitz
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