Rubrik: Eltern
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G8
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Seit dem Schuljahr 2010/2011 arbeitet das Mainzer Frauenlob-Gymnasium als G8-Ganztagsgymnasium - und nutzt diese Organisationsform, um bereits ab der 5. Jahrgangsstufe den Schultag ganztägig zu rhythmisieren, auf Hausaufgaben zu verzichten und Lehr- und Lernformen entsprechend zu verändern. Eine "Herkulesarbeit", die bereits erste Früchte trägt.
Die Schullandschaft verändert sich, die Schülerschaft verändert sich - eine Schule kann nicht weitermachen wie bisher, auch sie muss sich verändern.
Viele Schulen würden diese Erkenntnis der vergangenen Jahre unterschreiben, ganz sicherlich gehört das Frauenlob-Gymnasium in der Mainzer Neustadt dazu. Der spürbare Veränderungsdruck war laut Ganztagskoordinator Ulf Neumann-Welkenbach verantwortlich für einen großen Schritt in der Schulentwicklung: Die Entscheidung, mit dem Schuljahr 2010/2011 G8-Ganztagsgymnasium zu werden.
"Der Schritt zum G8 fiel uns nicht so schwer, denn de facto sind die Schülerinnen und Schüler beim G9 nur 12,5 Jahre in der Schule - wir sprechen hier also von einem halben Jahr Differenz", erklärt Neumann-Welkenbach. "Das Konzept bei G8 in Rheinland-Pfalz mit verpflichtendem Ganztag und einem Verzicht auf Hausaufgaben hebt sich außerdem positiv von den anderen Bundesländern ab."
Dies spiegelte sich dann auch vor Jahren in der Abstimmung des Kollegiums über die Einführung der Ganztagsschule wider: Über 80 Prozent Zustimmung fand der Antrag. Als Land und Schulträger dem Antrag der Schule im dritten Anlauf schließlich die Zustimmung gaben, machen Schulleitung und Kollegium seither mit viel Innovationsfreude richtig Dampf.
Gemeinsames Mittagessen als Bereicherung
Die erste einschneidende Entscheidung: Das Frauenlob-Gymnasium führte die gebundenen Ganztagsklassen bereits ab der 5. Jahrgangsstufe und nicht erst ab der 7. Klasse ein, wie es das Land für G8-Ganztagsgymnasien vorschreibt. Da die Schülerinnen und Schüler in der Unterstufe noch nicht ganz so viele Unterrichtsstunden haben wie in der Mittelstufe, besteht die Möglichkeit, abseits des Fachunterrichts gerade im Erlernen von Methoden und Techniken des selbstständigen Arbeitens die Grundlage für die Mitelstufe zu legen. Angereichert wird der Schultag von montags bis donnerstags auch mit Lernzeiten und Arbeitsgemeinschaften, die am Frauenlob-Gymnasium Wahlpflichtangebote heißen. "Für eine Schule ist an G8 in Rheinland-Pfalz attraktiv, dass sie in den Lehrplänen Schwerpunkte setzen und so die Lernstoffdichte reduzieren kann", erklärt Neumann-Welkenbach.
Ganztagsschule bringe neue Chancen, auch mehr Zeit für die Vermittlung von Methodenkompetenz, Wertevermittlung, sozialer Kompetenz und Erziehungsarbeit einzusetzen. "Man lernt die Kinder anders kennen als früher, wenn man mehr Zeit mit ihnen verbringt", führt der Pädagoge aus. "So hat sich zum Beispiel die gemeinsame Zeit beim Mittagessen in der Mensa als eine Bereicherung für das Schulleben herausgestellt."
Aber vor allem ermöglicht der verlängerte Schultag auch die Rhythmisierung des Tages - und das in mehrfacher Hinsicht. Einzelstunden sind aus dem Stundenplan verschwunden und zu Doppelstunden zusammengelegt worden. Dies erlaubt den Lehrerinnen und Lehrern, tiefer in ein Thema einzutauchen, binnendifferenzierten Unterricht zu erteilen und in den naturwissenschaftlichen Fächern leichter Versuche durchzuführen. Auch wird die Hektik des Raum- und Lehrerwechsels dadurch reduziert. Manchmal folgt im Anschluss an eine Doppelstunde noch eine Lernzeitstunde, in welcher die gerade vermittelten Lerninhalte noch einmal vertieft werden.
Die Schulstunde als Arbeitsauftrag
Die Unterrichtsdoppelstunden lockert eine mit 75 Minuten üppig bemessene Mittagspause auf, in der die Schülerinnen und Schüler ganz frei Angebote wahrnehmen, in der Bibliothek lesen, spielen oder sich einfach nur ausruhen können. Der Dienstagvormittag ist durch zwei Stunden Wahlpflichtangebote rhythmisiert: Hier können die Kinder und Jugendlichen Baseball, Basketball oder Fußball spielen, mit Lego Robotics tüfteln, Theater spielen oder im Seniorenheim mit demenzkranken Menschen zusammensein.
Möglicherweise noch wichtiger ist indes die funktionale Rhythmisierung. "In einer Ganztagsschule muss sich auch der Unterricht ändern", zeigt sich Ulf Neumann-Welkenbach überzeugt. Die Doppelstunden fordern geradezu dazu heraus, den Unterricht methodisch und didaktisch abwechslungsreich zu gestalten. Statt wie im herkömmlichen Unterricht Lehrstoff zu vermitteln, der in einen Arbeitsauftrag - klassischerweise die Hausaufgaben - mündet, ist am Frauenlob-Gymnasium "der Arbeitsauftrag zu meiner Stunde geworden", wie es der Pädagoge formuliert.
Das wird durch das konsequente Umsetzen einer Vorgabe aus dem G8-Konzept der Landesregierung bedingt: Das Frauenlob-Gymnasium verzichtet auf Hausaufgaben. Stattdessen sind die Phasen zur Festigung und Übung des Lernstoffes in den täglichen Fachunterricht integriert. In den an die Hauptfächer gebundenen, bereits erwähnten Lernzeitstunden setzen Schülerinnen und Schüler die Übungen fort. Hier lernen sie anhand von Wochenplänen selbstständig und eigenverantwortlich mit von den Fachlehrerinnen und Fachlehrern bereit gestellten Materialien zu arbeiten.
Hausaufgaben in der Schule öffnen die Augen
Ulf Neumann-Welkenbach hält die Integration der "Hausaufgaben" in den Unterricht für einen Segen: "Seien wir ehrlich: Wem war früher damit geholfen, wenn ich nach dem Wochenende den Aufsatz der Mutter benotete? Und umgekehrt waren die Kinder benachteiligt, denen zu Hause niemand half, was eine große soziale Ungerechtigkeit darstellte." Durch die Aufgaben im Unterricht würde den Lehrerinnen und Lehrern "knallhart die Augen geöffnet, was wir da manchmal verzapfen". Vor allem aber werde deutlich, wer wirklich die Aufgaben verstanden habe und sie lösen könne und wer noch Hilfe benötige.
Und schließlich arbeitet das Frauenlob-Gymnasium auch mit innerer Differenzierung: Neben dem Fachunterricht in Doppelstunden und den Lernzeitstunden gibt es noch die so genannten Intensivierungsstunden, in denen die Klassen geteilt werden, um so mit einer halben Klasse zu üben.
Rückmeldungen der Eltern sorgen für Korrekturen
Die bisher gemachten Erfahrungen sind ermutigend: "Wir sehen, dass vieles funktioniert", findet Neumann-Welkenbach. "Die Kinder entwickeln mehr Eigenständigkeit." Wo es hake, sorgten das Feedback der Schülerschaft und der engagierten Eltern sowie die regelmäßigen Diskussionen der Schulleitung mit den Elternsprechern für die nötigen Korrekturen. So hat die Rückmeldung der Eltern zusammen mit Beobachtungen der Lehrkräfte aktuell zu dem Beschluss geführt, auch in der 6. Jahrgangsstufe wie in der 5. Klasse ein Methodentraining anzubieten.
"Wir sind eine lernende Schule", hat Schulleiter Joachim Bliemeister als Motto ausgegeben. Ulf Neumann-Welkenbach sieht den Prozess als "Herkulesaufgabe", der noch nicht abgeschlossen sei. "Wir haben weiterhin gute Ideen. Eine Planung geht in die Richtung, auch Unterrichtseinheiten von vier Stunden zu bündeln, in denen man dann auch fächerübergreifend im Sinne eines Epochenunterrichts arbeiten würde. So könnte zum Beispiel, wenn in der Biologie das Thema Auge durchgenommen wird, dies mit dem Thema Optik im Physikunterricht gekoppelt werden."
Ist zum Schuljahr 2013/2014 dann auch der vom Land und der Stadt Mainz finanzierte Neubau mit Selbstlernzentrum und neuer Mensa fertig, werden sich solche Ideen sicher noch besser umsetzen lassen.
Autor: DZ Online-Redaktion Ralf Augsburg
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