Rubrik: Eltern
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Thema:
Individuelle Förderung
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Du selbst bist verantwortlich
„Ihr
seid hier, weil ihr mehr Zeit zum Lernen braucht“, sagt Jutta Allebrand
ihren Schülerinnen und Schülern immer wieder. Diese Botschaft kommt an.
Denn sie zeigt den Kindern und Jugendlichen an der Hauptschule Bad
Sobernheim, dass sie beileibe nichts Schlechteres oder Minderwertigeres
sind als Realschülerinnen und -schüler oder Gymnasiasten. Nein, sie
brauchen mehr Zeit, mehr Ruhe, mehr Förderung. Und das alles sollen sie
in der Ganztagsschule bekommen. „Ein Hauptschulabschluss ist auch heute
noch etwas wert“, ist die Rektorin überzeugt. „Es muss nur ein guter
sein.“ Das Ganztagskonzept sorgt dafür, dass keiner der Jugendlichen
resigniert oder gar aufgibt. Sie appelliert an Eigenverantwortlichkeit
der Schüler und versucht sie, an ihrer Ehre zu packen. „Wollen + Können
= Leistung“ ist die Formel, die Jutta Allebrand für diesen Weg
aufgestellt hat. Und es ist kein Zufall, dass das Wollen an erster
Stelle prangt. Der Gedanke der Verantwortlichkeit der Schülerinnen und
Schüler für sich, ihren Lebensweg, aber auch für ihre Klassenkameraden
und ihre Schulumgebung ist in fast allen Komponenten der Ganztagsschule
wiederzufinden; mal ganz offensichtlich, mal indirekt.
Aber stets wird den Schülerinnen und Schülern bedeutet: Du bist wer. Du gestaltest mit. Von dir ist abhängig, wie gut und schön unsere Schule ist und wird. Das fängt bereits in der Hausaufgabenzeit an. Für die gibt es sechs klare Regeln in einer klaren Sprache. Das wichtigste Wort ist „Du“. Ein Beispiel: „Sei leise, damit du ungestört arbeiten kannst; insbesondere du selbst bist dafür verantwortlich, dass keine Unruhe entsteht.“ Und tatsächlich: Die konzentrierte Stille in den unterschiedlich großen Hausaufgabengruppen ist verblüffend. Jutta Allebrand aber weiß, dass ihr hierbei auch die überschaubare Größe der Hauptschule Bad Sobernheim entgegen kommt. Bei knapp 500 Schülerinnen und Schülern kennt man sich einfach – vor allem in der Ganztagsschule. Wer Mist baut, fällt automatisch auf. Für alles andere ist die Hauptschule Bad Sobernheim schlichtweg nicht anonym genug. Zudem ist Jutta Allebrand so gut wie jeden Nachmittag in der Schule, kennt sämtliche Ganztagsschülerinnen und -schüler mit Namen, schaut regelmäßig nach dem Rechten und ist immer ansprechbar.
Viele Schülerinnen und Schüler haben mit der Zeit begriffen, welche Möglichkeiten sie bekommen, wenn sie sich engagieren und einbringen. Zwei Schülerinnen, die nach ihrem baldigen Abschluss eine Ausbildung zur Erzieherin anstreben, haben zusammen mit einer Klassenkameradin die Organisation des Spielangebots für die Pausen übernommen und fragen selbst bei Regenwetter vorsichtshalber nach, ob sie den Spielewagen aufschließen können. Die Schulleitung kann sich auf die beiden Mädchen verlassen, deren Einsatz mit einem besonderen Vermerk im Zeugnis belohnt wird.
Auch die Pausenaufsicht in den Toiletten und Fluren übernehmen Ganztagsschülerinnen und -schüler. Die Streitschlichtung ist ein Selbstläufer geworden und kaum mehr wegzudenken; die Schülervertretung agiert außergewöhnlich rege und weiß um ihre Bedeutung für die Schule – hat sie doch auch bei der Einrichtung des Ganztagsschulangebots ein wichtiges Mitspracherecht bekommen. Als im Jahre 2004 klar war, dass die Hauptschule Ganztagsschule wird und das Personal um weitere Kräfte aufgestockt werden muss, schaltete Jutta Allebrand eine Stellenanzeige in der örtlichen Tageszeitung. „Insbesondere vor der Kooperation mit außerschulischen Partnern sind wir gewarnt worden“, erinnert sie sich zurück. Warnungen, die Jutta Allebrand guten Gewissens in den Wind schlagen konnte. Auf die Annonce hin erhielt die Schule so viele Bewerbungen, dass in Ruhe ausgewählt werden konnte. Zuerst durchforstete die Schüler-Vertretung das Angebot und gab Bewertungen ab, dann Kollegium und Schulleitung. Anschließend wurde entschieden.
„Unser Angebot an Arbeitsgemeinschaften ist nicht unbedingt exotisch oder exklusiv. Aber was wir den Schülerinnen und Schülern anbieten, funktioniert und kommt gut an“, sagt die Rektorin zufrieden. Die Schülerinnen und Schüler wissen die AGs zu schätzen. Denn Bad Sobernheim ist ein sehr ländliches Pflaster, und da ist es nicht selbstverständlich, dass Kinder und Jugendliche zum Beispiel an einem Kochkurs oder an einer Künstlerwerkstatt teilnehmen können.
Aufgestockt wurde das Nachmittagsangebot außerdem mit zwei von Schülern geleiteten Computer-Projekten. Jutta Allebrand freut sich über diese Möglichkeit der Partizipation: „Die beiden Jungs sind sehr motiviert und echte PC-Freaks. Wir wollen diese Projekte nicht mehr missen.“
Mit 2x2 bist du dabei
Seit
dem Schuljahr 2004/2005 ist die Hauptschule Bad Sobernheim
Ganztagsschule im additiven Modell. Im ersten Jahr galt das Angebot nur
für die Klassen 5 bis 7, wurde nun aber bis zur 10. Klasse und damit
dem möglichen S1-Abschluss ausgeweitet. Auf keinen Fall sollte die
Ganztagsschule ein Verwahrangebot werden. Stattdessen setzte die
Schulleitung von Beginn an auf eine ausgewogene Lehrerpräsenz am
Nachmittag. Vor allem die Hausaufgabenzeit und die Förderangebote sind
in der Hand von Lehrkräften, einer Sprachlehrerin und einer
Lehramtsstudentin. Für die Schülerinnen und Schüler gilt das Motto:
„Mit 2 x 2 bist du dabei.“ An zwei Tagen der Woche wählen die
Schülerinnen und Schüler ein Förderangebot in Deutsch, Mathe oder
Englisch, an zwei weiteren Wochentagen können Arbeitsgemeinschaften und
Projekte besucht werden.
Mit der zusätzlichen Förderung in den Hauptfächern Deutsch, Mathe und Englisch sollen Defizite ausgeglichen werden – sie dient aber auch leistungsstarken Kindern, die mehr aus ihren Talenten herauskitzeln möchten. Insbesondere die Leseförderung und die Verbesserung der Kommunikationskompetenz spielen im Qualitätsprogramm der Hauptschule Bad Sobernheim eine zentrale Rolle. So wurde beim Land auch eine Lesecke beantragt, die als Alternative zu einem Ruheraum, für den in der Hauptschule bislang der nötige Platz fehlt, dienen soll. Wie diese Leseecke allerdings einmal aussehen soll, weiß bislang nur ein erlesener Kreis – nämlich jene Schülerinnen und Schüler, die das Konzept für die Inneneinrichtung der neuen Bibliothek erarbeiten. Eines aber ist klar: Die Leseecke soll etwas ganz Besonderes werden.
„Aufgaben und Lernbegleiter“ heißt das eigens entworfene Hausaufgabenbuch der Hauptschule Bad Sobernheim. Dieses Heft enthält sowohl den genauen Stundenplan als auch einen Notenspiegel, eine Liste der Lehrerinnen und Lehrer und ihrer Sprechstunden, die Übersicht über die belegten Arbeitsgemeinschaften und zehn Tipps für ein schwungvolles Schulleben – zum Beispiel „Denk daran und beherzige: Wer grob ist, ist noch lange nicht stark!“ Außerdem bietet es Vorlagen für Benachrichtigungen der Eltern und eine wöchentlich auszufüllende Übersicht über die Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler. Der Aufgaben- und Lernbegleiter ist sowohl für Eltern, Schülerinnen und Schüler wie auch für Lehrkräfte einsehbar und sorgt dafür, dass der Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler lückenlos dokumentiert werden kann.
Autor: Bettina Belitz
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