Rubrik: Gemeinde/Stadt/Land
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Format: Im Gespräch
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Thema:
Partizipation
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Online-Redaktion: Vor einem Jahr kündigten Sie auf der Startkonferenz zum Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung an, dass 25 Prozent aller Schulen in Rheinland-Pfalz Ganztagsschulen werden sollen. Ein Jahr danach, wie ist der aktuelle Sachstand zum Ausbau der Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz?
Held: Im laufenden Schuljahr haben wir schon 235 Ganztagsschulen in Angebotsform eingerichtet. Mit den schon seit langer Zeit bestehenden Ganztagsschulen in verpflichtender und offener Form von ca. 100 Schulen sind wir mit Blick auf das quantitative Ziel gut im Zeitplan. Aber es geht auch um mehr Qualität. Alle diese Schulen erhalten eine intensive Unterstützung durch die Serviceeinrichtungen im Land.
Nach dem diesjährigen
Ganztagsschulkongress „Ideen für Mehr! Ganztägig lernen.“ werden wir im
Land einen neuen Schwerpunkt setzen: das Thema Partizipation. Dabei
kooperieren wir mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS),
die bei diesem Thema vielfältige Erfahrungen einbringen kann. Die DKJS
hat z.B. viel Know-how, was etwa die Organisation von Schülerclubs
betrifft. Diese Kompetenz wollen wir vermehrt nutzen. Demnächst wird es
in Rheinland-Pfalz einen Fachkongress zu diesem Themenkomplex geben.
Online-Redaktion: Welche Impulse geben Sie diesem Kongress für Ganztagsschulen mit auf den Weg?
Held:
Zwei Schulen, die Regionale Schule Rülzheim und die Pestalozzi
Grundschule Eisenberg repräsentieren das Land Rheinland-Pfalz. Es sind
Schulen, die sehr stark in ihrer Region eingebunden sind. Die Regionale
Schule Rülzheim etwa erkundet die Regionalgeschichte und arbeitet mit
einer Vielzahl von Partnern zusammen. Die Grundschule in Eisenberg legt
den Schwerpunkt auf die Kooperation mit Künstlern.
Online-Redaktion:
Die Vernetzung der Arbeit auf lokaler, regionaler und bundesweiter
Ebene ist eines der Ziele dieses Ganztagschulkongresses in Berlin. Wie
ist Rheinland-Pfalz mit Kooperationspartnern vernetzt?
Held:
Über das „Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB)
gibt es einen Austausch auf Bundesebene mit allen Ländern. Im Abstand
von mehreren Wochen treffen wir uns, etwa um gemeinsame Forschungs- und
Evaluationsprogramme auf den Weg zu bringen. Innerhalb des Landes haben
wir mit den wichtigsten gesellschaftlichen Gruppierungen und
Organisationen ein enges Kooperationsnetzwerk zur Unterstützung der
Ganztagsschulen geschaffen.
Online-Redaktion:
Selbstständige Schulen treiben immer mehr die Schulentwicklung voran.
Inwiefern trägt der Ausbau von Ganztagsschulen dazu bei, dass die
Schulen in Rheinland-Pfalz selbstständiger werden?
Held:
Das rheinland-pfälzische “Projekt Erweiterte Selbstständigkeit“ (PES),
das den Schulen mehr Selbstständigkeit im Bereich der Organisation von
Vertretungsunterricht gibt, ist auch für Ganztagsschulen attraktiv. Man
könnte sagen: Es ergänzt die Ganztagsschulen ideal. Denn über PES
können die Schulen Lehrkräfte, aber auch außerschulische Fachkräfte
einstellen. Kurzfristig auftretende Lücken im Nachmittagsbetrieb können
über PES schnell und völlig unbürokratisch geschlossen werden. Durch
PES aber vor allem durch das umfangreiche Personalbudget, das unsere
Ganztagsschulen für die Ganztagsangebote haben, können die Schulen
ihren Schulalltag aktiv managen. Das ist ein Paradebeispiel für
selbständiger werdende Schulen.
Online-Redaktion:
Die neue OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ hat erneut enttäuschende
Ergebnisse für das deutsche Bildungssystem gebracht. Auf dem Kongress
werden Ganztagsschulen im Hinblick auf die Verbesserung der
Schülerleistungen gelobt. Können Ganztagsschulen tatsächlich einen
Beitrag zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen
Bildungssystems leisten?
Held: Der Ausbau des
Angebots von Ganztagsschulen gehört zu den sieben Handlungsfeldern der
Kultusministerkonferenz (KMK) in Folge von PISA 2000. Dieser Ausbau
wird uns bei weiteren internationalen Vergleichen sicherlich zu Gute
kommen.In Rheinland-Pfalz gibt es eine hohe Zufriedenheit bei den
Schülerinnen und Schülern, bei den Eltern, aber auch bei den
Schulträgern mit unseren Ganztagsschulen. Gerade vor diesem Hintergrund
erwarte ich mir mittelfristig natürlich Effekte in der Steigerung der
Schülerleistungen.
Online-Redaktion: Im
nächsten Jahr ist für Rheinland-Pfalz die Ziellinie erreicht – die
bedarfsdeckende Einführung von insgesamt etwa 300 Ganztagsschulen in
Angebotsform. Welche Tipps können Sie anderen Ländern geben, die noch
nicht ganz so weit sind?
Held: Es ist nicht unsere Sache anderen Ländern Tipps zu geben. Nach anfänglichem „Fremdeln“ mit dem Ganztagsschulprogramm des Bundes stehen mittlerweile alle Länder hinter dem Aufbauziel. Jedes Land nutzt die Mittel aus dem „Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB) ganz unterschiedlich. Ob Ganztagsschule eines Tages der Normalfall sein wird – dies lässt sich heute noch nicht einschätzen. Aber in fünf Jahren werden wir für alle eine bessere Situation vorfinden.
Autor: DZ Online-Redaktion
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