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Die Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz aus der Sicht der beteiligten Eltern

 
Bauarbeiten am Neubau der Hildegardis-Schule in Mettendorf
20.10.2011

Bau-Boom für die Bildung

Die Schulbauprogramme des Landes haben auch in diesem Jahr wieder sichtbare Ergebnisse hervorgebracht

Ob in Mettingen, Wittlich oder Bernkastel-Kues: Das Landesschulbauprogramm sorgt landauf, landab für kreisende Kräne und buddelnde Bagger. Rund 50 Millionen Euro schwer ist das diesjährige Programm – Ergebnisse des aktuellen und der früheren Programme sind überall sichtbar.

Es war ein bemerkenswerter Abend für das Alfred-Grosser-Schulzentrum mit der Realschule plus und dem Gymnasium in Bad Bergzabern (Landkreis Südliche Weinstraße): Am 1. September 2011 hatte Landrätin Theresa Riedmaier zu einem Festakt in die Aula des Gymnasiums geladen. Anlass der Feier war die Beendigung der Arbeiten zur Generalsanierung des Gymnasiums. Neben Ministerpräsident Kurt Beck war auch der Namensgeber des Schulzentrums Alfred Grosser zusammen mit seiner Gattin anwesend.

Bereits im Sommer 2007 war der Startschuss für die grundlegende Modernisierung des Gymnasiums am Alfred-Grosser-Schulzentrums gefallen. In drei Bauabschnitten wurde das Gebäude für 8,5 Millionen Euro erneuert und saniert. Fachsäle wechselten die Räumlichkeiten, ein neues Heizsystem und ein Vollwärmeschutz wurden installiert.

Theresa Riedmaier dankte in ihrer Rede dem Land Rheinland-Pfalz, das mit 3,4 Millionen Euro zu dieser Sanierung beigesteuert hatte. Ministerpräsident Beck erwiderte: "Gute Bildung ist der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unseres Land. Die Qualität unserer Schulen hängt mit guten räumlichten Voraussetzungen zusammen. Deshalb müssen wir auch in Schulgebäude investieren. Insgesamt spiegelt unser beachtliches Landesschulbauprogramm zum einen die intensiven Bemühungen von Land und Schulträgern wider, die Lern- und Lehrsituation zu verbessern. Zum anderen leistet es einen Beitrag zur Unterstützung der Bauwirtschaft und löst neue Investitionen aus."

Ganztagsschulen profitieren besonders von Fördermitteln

In der Tat kreisen landauf und landab die Kräne und rollen die Bagger. Das im März 2011 von Bildungsministerin Doris Ahnen vorgestellte Landesschulbauprogramm 2011 listet nicht weniger als 218 Schulbauprojekte in Rheinland-Pfalz auf, die mit der finanziellen Unterstützung des Landes in Höhe von etwa 50 Millionen Euro rechnen können. "Die Zahl der geförderten Projekte im Landesschulbauprogramm steigt damit gegenüber dem Vorjahr um mehr als 60 Prozent", erklärte die Ministerin.

94 Bauvorhaben sind völlig neu in das Programm aufgenommen worden. Bereits in den ersten Tagen nach der Vorstellung des Programms gab das Ministerium 25 Millionen Euro in Form von Bewilligungsbescheiden für 121 Projekte frei.

Entscheidend für eine Landesförderung über das Schulbauprogramm ist immer der nachgewiesene dauerhafte Bedarf für ein Projekt. In jedem Einzelfall wird außerdem die aktuelle Finanzkraft des Schulträgers bei der Entscheidung über eine Landesförderung berücksichtigt.

Von den Mitteln profitieren besonders Ganztagsschulen – mehr als ein Drittel der Fördersumme wendet das Land für die notwendigen Neubau-, Umbau- und Erweiterungsvorhaben auf, die im Zusammenhang mit dem Ganztagsschulausbau stehen. Das Land dokumentiert der Ministerin zufolge damit seinen Willen, "auch nach dem Auslaufen des bundesweiten Ganztagsschulprogramms auf diesem Feld bei der Investitionsförderung weiter aktiv zu sein".

"Haus der Bildung" in Mettendorf

Besonders sichtbar zeigt sich diese Absicht derzeit an der Hildegardis-Schule, einer Grund- und Hauptschule in Mettendorf im Landkreis Eifelkreis Bitburg-Prüm. Zwar hinkt der Baufortschritt den ursprünglichen Planungen von 2010 erheblich hinterher – eigentlich sollte der Neubau zum Schuljahresbeginn 2011/2012 zur Nutzung freigegeben werden – aber die Vorfreude von Schulleiter Richard Begon schmälert dies nicht.

Da die Hauptschule mit den letzten beiden Jahrgängen ausläuft und im benachbarten Neuerburg eine Realschule plus gegründet worden ist, können sich Begon und sein Kollegium ganz auf die Planung eines "Hauses der Bildung" konzentrieren, das die enge Kooperation von Kindertagesstätte und Grundschule umfasst. Anstelle des inzwischen abgerissenen 40 Jahre alten Hauptschulgebäudes – die Sanierung wäre teurer gekommen als der Neubau – entsteht nun ein gemeinsames Gebäude für die Kindertagesstätte und die Ganztagsgrundschule. Hier werden eine Mensa für die Kita, eine Mensa für die Grundschule, eine Küche, ein Verbindungsflur zur Turnhalle und vier Klassenräume errichtet.

Die Kindertagesstätte liegt direkt neben der Grundschule, und Schulleiter Begon schwebt eine Bildung aus einem Guss vor: "Wir haben schon viele Ideen für eine Zusammenarbeit in der Zukunft." Das gemeinsame Gebäude wird dies noch zusätzlich erleichtern.

Eltern aus anderen Schulbezirken melden ihre Kinder an

Zeitlich ist die nahtlose Bildung und Betreuung der Vorschul- und der Grundschulkinder von jeweils 7.00 bis 16.20 Uhr bereits jetzt garantiert. Pädagogisch hebt das Konzept der Hildegardis-Schule stark auf Fördern und Fordern ab. Richard Begon hat sich in Hochbegabtenförderung weitergebildet und einige Elemente im Unterricht verankert. So basteln die Viertklässler bereits Lego-Robotics Roboter zusammen und programmieren am Computer Programme, um diese dann zum Laufen zu bringen.

Hausaufgaben gibt es nicht mehr, stattdessen finden angeleitete Lernzeiten statt, die auch in jeweils zwei Blöcken in den Vormittag integriert sind, zum Beispiel in einer Doppelstunde Mathematik. "Danach hat manches Kind einen roten Kopf – aber alle sind fit und froh", hat der Schulleiter beobachtet. Die Rhythmisierung des Tages und die Möglichkeit, über den ganzen Tag verteilt Sportangebote wahrnehmen zu können, sorgten dafür, dass die Schülerinnen und Schüler den langen Tag gut bewältigten.

Dies ist bei den Eltern der Umgebung nicht unbemerkt geblieben: "Gut drei Viertel aller Mütter und Väter, die ihre Kinder bei uns anmelden, geben an, dass sie dies wegen unseres Konzeptes tun", berichtet Begon. "Es kommen besonders viele Eltern aus anderen Schulbezirken. Aus unserer Gemeinde hätten wir normalerweise etwa 80 Schülerinnen und Schüler, aktuell sind es aber 150."

Gemessen daran, wie stark der Schulleiter vor der Einführung der Ganztagsschule vor drei Jahren Werbung machen musste – "Ich habe 17 Elterninformationsabende veranstaltet" – ist dieser Zuspruch keine Selbstverständlichkeit. Feiert die Grundschule dann erst einmal die Einweihung ihres über drei Millionen Euro teuren Neubaus, dann sollte sich das Interesse an der Hildegardis-Schule eher noch steigern.

Stabile Anmeldezahlen erfordern Mensaneubau

Viele Baumaßnahmen an Ganztagsschulen betreffen die für einen Betrieb vorgeschriebenen Mensen. Das Cusanus-Gymnasium in Wittlich (Landkreis Bernkastel-Wittlich) ist vor zwei Jahren als Ganztagsschule gestartet. "Wir haben bereits in den zehn Jahren davor ein pädagogisch-methodisches Begleitprogramm entwickelt, das viel Projektarbeit beinhaltete", erzählt Rektor Wolfgang Mayer. "Als dann der Kreis als Schulträger die Einführung einer Ganztagsschule an einem der beiden Gymnasien in Wittlich in Aussicht stellte, haben wir diskutiert, ob es nicht konsequent wäre, unsere Methodik in der Ganztagsschule weiterzuführen." 75 Prozent des Kollegiums hielten dies für sinnvoll, so dass das Cusanus-Gymnasium seit zwei Jahren als Ganztagsschule von der Klassenstufe 5 an aufwächst.

Um den Betrieb zu gewährleisten, waren allerdings auch hier Umbaumaßnahmen notwendig: So entstand im Untergeschoss der Schule eine Mensa, und man gestaltete Klassenräume zu Aufenthaltsräumen wie zum Beispiel einem Ruheraum um.

"Unsere Anmeldezahlen sind stabil, wir führen derzeit sowohl in der 5. wie auch der 6. Jahrgangsstufe zwei Ganztagsklassen", erklärt Mayer. Sollten sich die Zahlen so weiterentwickeln, dann wird die Planung für einen kompletten Mensaneubau virulent. Das Landesschulbauprogramm wird also mit Sicherheit noch weiter benötigt.

Autor: DZ Online-Redaktion Ralf Augsburg

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