Rubrik: Gemeinde/Stadt/Land
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Thema:
Partizipation
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Ganztagsschulen öffnen sich zusehends für mehr Beteiligung von Schülerinnen und Schülern, Eltern, außerschulischen Mitabeitern, Partnern und Lehrkräften, die über die repräsentative Mitbestimmung bei Schülermitverwaltung und Schulkonferenzen hinausgehen. Und Rheinland-Pfalz unterstützt die Beteiligten auf diesem demokratischen Weg auf vielfältige Weise.
Staatssekretär: Partizipation im Alltag verankern
„Partizipation
muss auch Teil des Alltagserlebens von Schülerinnen und Schülern in
allen Fächern und nicht nur Thema in Sozialkunde oder Politik werden“,
betonte der Staatsekretär des Ministeriums für Bildung, Frauen und
Jugend, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, zum Auftakt der Tagung „Zeit
für Engagement – Ganztag als Chance für Partizipation“ am 7. März 2005
in Speyer. Der Staatssekretär plädiert für mehr „selbstreguliertes
Lernen“. Eine „gute Schule“ richte die Organisation der Angebote an den
Wünschen und Interessen ihrer Schülerinnen und Schüler aus.
Partizipation sei auch ein Stück Überleben für die Ganztagsschule.
Die Tagung mit 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde gemeinsam mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und den für Schule zuständigen Ministerien in Hessen und Rheinland-Pfalz durchgeführt.
„Nur wer beteiligt ist, fühlt sich verantwortlich“
„Ganztagsschulen
brauchen Partizipation“, sagt auch Sonja Student, Koordinatorin von
Demokratie lernen und leben in Rheinland-Pfalz. In Rheinland-Pfalz sind
es 15 Schulen, die am bundesweiten Modellprojekt der
Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung
(BLK) teilnehmen (bundesweit sind es über 200 allgemeinbildende und
berufsbildende Schulen). Ganztagsschulen brauchen Beteiligung, denn
„nur wer sich beteiligt, fühlt sich auch verantwortlich“, so Sonja
Student.
So weiß man, dass dort, wo die Stimmen von Kindern und Jugendlichen gehört werden, sie auch weniger „meckern“. Durch die verschiedenen Sichtweisen, die durch Partizipation ins Spiel kommen, könne auch das Potenzial aller am Schulleben beteiligten Gruppen zur Schulentwicklung genutzt werden.
Soziale, emotionale und nun auch demokratische Kompetenzen
Eine
Ganztagsschule auf dem Weg zu mehr Demokratie erfordert aber
„demokratische Kompetenzen“. Darunter versteht man die Fähigkeit, „sich
auf die Zeit von Kindern einzustellen“ oder mit der „Verschiedenheit
von Kindern und Jugendlichen konstruktiv zu leben“. Kinder lernen durch
Training demokratischer Kompetenzen, sich eine Meinung zu bilden und
auch zu äußern, Minderheiten wahrzunehmen und zu schützen, Kritik zu
üben und zu verarbeiten – eine Bündel an Fähigkeiten, die
lebenstauglich machen und die eigene Persönlichkeit stärken.
Die Demokratisierung des Schullebens strahlt auf alle schulischen und außerschulischen Bereiche aus. Das ist auch der Grund, warum Partizipation von allen Beteiligten gelernt werden muss. Demokratische Schulentwicklung, so haben es die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung in Speyer wahrgenommen, ist ein ganzheitliches Unterfangen.
Das wurde auch deutlich in den insgesamt 14 Workshops. Dort wurden Modelle der Schülerbeteiligung von Schülerclubs über Schülerfirmen bis hin zu Klassenräten und Modellen der Elternmitwirkung vorgestellt.
Wege zur demokratischen Schule
Wie
man alle Interessengruppen an der Gestaltung von Schule beteiligt, hat
die Moderatorin und Schulcoacherin Dorothea Schütze im Workshop
„Demokratische Schulentwicklung“ gezeigt. Demokratie in der
Ganztagsschule gibt es nicht von der Stange. Die Suche nach
Standardlösungen für demokratische Ganztagsschulen führt nicht weiter.
Demokratie müsse „im Gehen erprobt“ werden, weil es ein Prozess ist,
der dahin führt und kein einmaliger Entscheidungsprozess im Zimmer der
Schulleitung oder im Lehrerzimmer.
Dorothea Schütze ermutigt die „Reisenden“ auf den Weg zur demokratischen Schule, nach Stärken zu fragen. Leitfragen könnten sein: „Was ist für uns eine gute Schule?“, „was wünsche ich mir von den Schülerinnen und Schülern, den Lehrern von den Eltern, von der Schule insgesamt?“ Wünsche sind so gesehen eben keine Träume ohne Wirkung, sondern Kraftstoff für demokratische Schulentwicklung. Für jüngere Kinder müssen die Fragen, die auf partizipative Schulentwicklung zielen, allerdings in eine kindgemäße Sprache „übersetzt“ werden.
„Bessere Schule für alle“
Um
sich bei Konsensgesprächen nicht in endlosen Gesprächsschleifen
festzusetzen und auf den Punkt zu kommen, wurden professionelle Übungen
entwickelt. Diese unterstützen das gleichberechtigte Verhandeln
zwischen Schülerschaft, Eltern, Lehrkräften und Schulpersonal. Bewährt
haben sich in den Augen von Dorothea Schütze Übungen aus dem
„Betzavta-Programm“ (betzavta, israelisch, bedeutet „miteinander“) das
darauf vorbereitet, dass sich die verschiedenen Interessengruppen als
gleichwertige Partner anerkennen.
Eine Voraussetzung, über die
Qualität von Schule zu reden, ist die Bildung von
„Aushandlungsgruppen“, die sich personell nicht decken müssen mit
Akteuren in den offiziellen Schulgremien wie SV, Schulkonferenzen oder
Elternvertretern. Die auf der Grundlage solcher Gespräche eingeleiteten
Maßnahmen sollten zügig verwirklicht werden. „Damit alle merken, da
passiert etwas“, so Dorothea Schütze.
Serviceagentur für mehr Partizipation an Ganztagsschulen
Alle
engagierten Lehrerinnen und Lehrer auf dem Weg zur Demokratisierung von
Ganztagsschule sollen Unterstützung erhalten. Zeitgleich zur Tagung in
Speyer hat das MBFJ bekannt gegeben, dass im Land eine Serviceagentur
den Schulen bei den Herausforderungen zur Seite steht. Die
Serviceagentur ist beim Institut für schulische Fortbildung und
schulpsychologische Beratung (IFB) in Speyer angesiedelt. Sie wird
durch die DKJS unterstützt und entstand durch das Engagement des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die Serviceagentur legt
ihre Arbeitsschwerpunkte u.a. darauf, verschiedene Akteure am
Schulleben zu beteiligen, außerschulische Fachkräfte verstärkt ins
Schulleben einzubinden, Ganztagsschulen mit dem Projekt „Demokratie
lernen und leben“ zu vernetzen und sie will auch den Erfahrungstransfer
in der Breite fördern.
Die Tagung in Speyer hat Schülerinnen
und Schülern auch zu intensiven Fragen veranlasst. So nahm
beispielsweise eine Schülerin ihren Mut zusammen, um den Staatssekretär
Prof. Dr. Hofmann-Göttig zu fragen, wie eine Schule mit dem Namen
„Hindenburg-Gymnasium“ in Trier überhaupt an Projekten zur
Demokratisierung teilnehmen könne. Man müsse diesen Namen überdenken.
Hindenburg war bekanntlich umstrittener Feldherr und Reichskanzler.
Prof. Hofmann-Göttig hörte zu,dachte kurz nach und drehte dann das
Argument der Schülerin um: Gerade, dass sich eine Schule dieses Namens,
heute daranmache, die Klassenzimmer durch Klassenräte zu
demokratisieren, zeige, wie sehr sich die Schulen und die Gesellschaft
demokratisch verändert hätten. Dieses Gespräch kündete vom offenen
Geist an aufgeschlossenen Ganztagsschulen.
Autor: DZ Online-Redaktion
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