Rubrik: Gemeinde/Stadt/Land
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"Die Einführung der Ganztagsschule hat die Bildungslandschaft und die Jugendarbeit nachhaltig verändert." Dieses Fazit zieht der Landesjugendring Rheinland-Pfalz nach zwei Jahren Ganztagsschule in Angebotsform. Es ergeben sich dadurch Chancen, verstärkt über das Thema "Schule und Bildung" nachzudenken, sagte Andreas Blum, Referent für Ganztagsschule des Landesjugendrings Rheinland-Pfalz.
Am 26. November 2004 waren 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedener Jugendverbände der Einladung des Landesjugendringes Rheinland-Pfalz nach Bad Kreuznach in das Jugendzentrum "Die Mühle" gefolgt, um sich über Möglichkeiten und Grenzen der Zusammenarbeit mit Ganztagssschulen auszutauschen. Wichtig für die Jugendverbände sei vor allem, dass Ganztagsschule ein freiwilliges Angebot bleibe. Jugendverbände müssten hervorheben, dass die Verbesserung des gesamten Bildungsangebotes aus Sicht der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen muss. Und nicht allein eine verlässliche Betreuung, wie sie oftmals von Eltern gewünscht wird.
Nach Grußworten von Yvonne Unger, vom Vorstand Landesjugendring, und Gernot Stiwitz, Ganztagsschulreferat im Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend, referierte der Organisator der Tagung, Andreas Blum, zum Thema und machte zunächst deutlich, dass an der Bildungsorientierung der neu entstehenden Angebote in den Ganztagsschulen die Jugendverbände anknüpfen können, da in ihrer Arbeit selbstorganisiertes, lebensweltnahes, soziales und politisches Lernen ermöglicht wird und damit umfangreiche Bildungsprozesse aktiviert werden.
Anschließend stellte Blum das Projekt "Kooperation von Jugendarbeit und Ganztagsschulen" vor, für das er beim Landesjugendring Rheinland-Pfalz seit 2002 zuständig ist. Neben Beratung und Vernetzung geht es um die Auswertung von Projekterfahrungen. Im nächsten Jahr werden die Ergebnisse des Projektes in einem Handbuch veröffentlicht.
Auf gleicher Augenhöhe mit den Schulen
Zur
Zeit gibt es 24 Projekte von 5 Mitgliedsverbänden des
Landesjugendringes. Für diese Jugendverbände sei es vorteilhaft, dass
sie in den Projekten für ihre Arbeit werben, ihre Werte und Ziele
vorstellen sowie neue Tätigkeitsfelder und Zielgruppen erschließen
können. Insgesamt sei es für die Jugendverbandsarbeit in den
Kooperationen wichtig, weiterhin selbstbewusst auf ihr eigenes Profil
zu achten, ihren Bildungsanspruch zu betonen und sich in allen Debatten
und Kooperationen "in gleicher Augenhöhe" mit den Schulen zu befinden.
Für erfolgreiche Kooperationen sei es wichtig, gemeinsam mit den
Schulen eine "Kultur der Zusammenarbeit" zu entwickeln.
Die anschließenden Workshops setzten sich mit den Spannungsfeldern "Freiwilligkeit - Motivation - Bedürfnisorientierung", "Kommunikation und Informationsaustausch an den Schulen" und "Begleitung von Ehrenamtlichen an Ganztagsschulen" auseinander.
Begleitung von Ehrenamtlichen an Ganztagsschulen
In
dem Workshop zum Thema "Begleitung von Ehrenamtlichen an
Ganztagsschulen" wurde unter anderem vorgeschlagen, dass eine Person
verbandsübergreifend für die Begleitung und Fortbildung von
Ehrenamtlichen zuständig sein sollte. Diese Stellen könnten bei den
kommunalen Jugendringen angesiedelt und vom Bildungsministerium
finanziert werden. Die Jugendverbände sollten gemeinsame "Pools" von
Ehrenamtlichen errichten, um auch kleinen Verbänden die Mitarbeit an
Schulen zu ermöglichen. Es wurde festgestellt, dass Hauptamtliche zur
Unterstützung von Ehrenamtlichen engagiert werden müssten.
Mehr Mut zu offenen Angeboten
Im
Workshop "Freiwilligkeit" wurde unter anderem der Wunsch geäußert, dass
es an den Schulen mehr Mut zu offenen Angeboten geben sollte und dass
diese auch zeitlich von den Kindern und Jugendlichen mehr mitgestaltet
werden sollten. Beispielsweise sollte es mehr Schülercafés geben, die
den Kindern und Jugendlichen als tägliches Alternativangebot zur
Verfügung stehen. Insgesamt müssten die Möglichkeiten ausgeweitet
werden, dass Jugendliche die Räumlichkeiten an Schulen vermehrt
mitgestalten, damit sich Schülerinnen und Schüle die Räume tatsächlich
aneignen können. Schließlich stellte die Arbeitsgruppe fest, dass es
auch beim Essen Wahlmöglichkeiten geben sollte.
Außerschulische Fachkräfte besser in Schulen einführen
Im
Workshop "Kommunikation und Informationsaustausch an den Schulen" wurde
insbesondere gefordert, dass neue außerschulische Kräfte eine
persönliche Einführung in der Schule erhalten sollten. Vorgeschlagen
wurden außerdem Checklisten für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
um zu wissen, wer für was zuständig und wer wo zu finden ist. Die
Arbeitsgruppe betonte, dass es wie für die Schulen auch für
außerschulischen Kräfte Moderatorinnen und Moderatoren geben müsste,
die für mehrere Schulen zuständig sind. Darüber hinaus sollten mehr
Möglichkeiten zum Austausch unter den außerschulischen Kräften sowie
mit den Lehrkräften geschaffen werden. Daraus entstand die Idee,
möglicherweise gemeinsame Studientage mit Lehrkräften durchzuführen.
Insgesamt wurde in den Workshops sehr produktiv diskutiert. Es entstanden verschiedene Visionen, wie Schule sich im Jahre 2020 darstellen könnte: als Zentrum der Jugendarbeit oder als lebensweltnahe und mit einer unabhängigen Jugendarbeit auf gleicher Augenhöhe kooperierende Schule mit vielen Möglichkeiten der Partizipation für Kinder und Jugendliche.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
waren mit dem Verlauf und den Ergebnissen der Tagung sehr zufrieden.
Dies ließ sich aus den zahlreichen positiven Rückmeldungen zum Ende der
Veranstaltung ablesen. Daher wird der Landesjugendring im nächsten Jahr
voraussichtlich eine Folgeveranstaltung organisieren.
Autor: DZ Online-Redaktion
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