Rubrik: Gemeinde/Stadt/Land
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Thema:
Medienkompetenz
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Es ist eine logistische Leistung, die am 10. Mai 2005 im Theresianum in Mainz vollbracht wird: 800 Besucher, 200 Referenten und Aussteller verteilen sich auf 80 Workshops. An einem Tag bietet sich auf der iMedia, dem 1. Forum Integrative Medienbildung, die gesamte Palette der Nutzung neuer Medien im Schulalltag.
Zum 25. Mal fand die bisher als „Benutzertagung“ bekannte Veranstaltung des Landesmedienzentrums Mainz in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend Rheinland-Pfalz statt. Schulleiter Helmut Schmid, in dessen Haus diese Messe nun bereits zum 24. Mal organisiert wurde, begrüßte die Gäste in der Turnhalle mit der Feststellung, dass der „Alltag stärker denn je durch die Medien geprägt ist und man diese Medien nutzen und mit ihnen gestalten muss“.
Neue Medien und Schule sind sich schon lange nicht mehr fremd. Prof. Joachim Hofmann-Göttig, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium, präsentierte in seiner Eröffnungsrede „die jüngsten Bilanzzahlen“ und resümierte: „Die Aktien der IT-Medien in Schulen steigen.“ Im laufenden Schuljahr gebe es 54.818 Computer in den allgemeinbildenden rheinland-pfälzischen Schulen, ein Plus von 4.000 gegenüber dem Schuljahr 2003/2004. Zum Vergleich nannte Hofmann-Göttig die Zahl des Schuljahres 1997/1998: Damals gab es lediglich 18.946 Computer in den Schulen. „Eine entscheidendere Kennziffer ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die sich einen Computer teilen müssen“, so Hofmann-Göttig weiter, „und auch da haben sich die Zahlen verbessert: Von 31 im Schuljahr 1997/1998 auf elf im laufenden. Damit befindet sich Rheinland-Pfalz in der nationalen Spitze, für die internationale Spitzengruppe reicht es allerdings noch nicht.“
Lernen als Selbstermächtigung
Für
den Staatssekretär muss es in Rheinland-Pfalz noch besser gelingen, die
Neuen Medien ins Kerngeschäft, den Unterricht, zu integrieren. „Uns ist
das wichtig“, so Hofmann-Göttig. Rheinland-Pfalz leiste mit dem 3,8
Millionen Euro teuren, vom Bund und Europäischen Sozialfonds über drei
Jahre geförderten Modularen Netz für Schulen (MNS+) einen Beitrag. MNS+
reduziert den Aufwand in der Schule für Computerlabore und Netzwerke
erheblich. Ab August sollen 134 Schulen an diesem Projekt teilnehmen.
Daneben seien im Multimedia-Fortbildungskonzept Intel I bisher 1.300
Lehrerinnen und Lehrer geschult worden, bei Intel II kämen nun noch
einmal über 1.000 hinzu.
Nach den Fakten ließ Prof. Franz Josef Röll von der Fachhochschule Darmstadt Visionen sprechen: „Pädagogik der Navigation – Visionen neuen Lernens“ hieß sein Vortrag, in welchem der Sozialpädagoge das Bild zukünftigen Lernens entwarf, das sich in vielen Workshops später am Tag widerspiegeln sollte. „Über neue Medien können Schüler versuchen, sich Kompetenzen anzueignen. Wichtig ist es dabei, die Kinder selbstständig lernen zu lassen. Lernen soll als Selbstermächtigung verstanden werden“, führte der Wissenschaftler aus.
Auch die Lehrer sollten ihren Klassen nicht immer als Allwissende gegenübertreten, sondern auch mal zusammen mit ihnen etwas erlernen. „Der Lösungsweg ist wichtiger als die Lösung“, erklärte Röll, für den „nicht die Technik, sondern die Konzeption des Unterrichts“ entscheidend ist. „Die Kinder sollen denken lernen statt zu pauken und ihre eigenen Denkmodelle entwickeln lernen. Das Lernen wird durch Eigenaktivität und den Einbezug des Sozialen nachweislich gestärkt.“
Schüler lernen durch Fehler
Das
selbstständige Erlernen und die Möglichkeit, durch Fehler und
Ausprobieren wirklich etwas zu verinnerlichen, bietet die „Praktische
Medienarbeit mit Video in der Ganztagsschule“ – so der Titel eines
Workshops. Katja Friedrich, Geschäftsführerin des Bildungszentrums
BürgerMedien (BZBM), stellte dieses Projekt des BZBM und der
Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) vor.
Die Schülerinnen und Schüler lernen in diesen Kursen, Filme zu drehen, sich vor der Kamera zu präsentieren, Interviews zu führen und Rollen zu spielen. „Es gibt eine kurze Einführung von unserer Seite, dann bekommen die Schüler die Kamera und den Ton in die Hand und legen los. Dabei können dann natürlich auch Fehler passieren, wenn zum Beispiel der Schüler, der den Ton aufzeichnen soll, vergisst, das Mikrophon anzuschalten. Aber gerade dadurch lernen die Schüler ja.“
Seit drei Jahren tragen LMK und BZBM die Medienarbeit systematisch in die Ganztagsschulen. Zwar leisten die beiden Einrichtungen schon länger Projektarbeit in Schulen, aber in Ganztagsschulen ist es laut Friedrich wesentlich besser möglich, langfristiger und regelmäßiger zu arbeiten. „Wir züchten hier keine Eintagsfliegen mehr. In den zwölf Ganztagsschulen, in denen wir unsere Kurse anbieten, sind wir einmal die Woche von 14.30 bis 16.00 Uhr für 90 Minuten vor Ort.“
Laut Katja Friedrich möchten alle Schülerinnen und Schüler am liebsten sofort einen Film drehen. Aber so einfach ist das gar nicht: Beim Sprechen gucken viele direkt in die Kamera, bewegen sich unnatürlich, verhaspeln sich. Die Einstellung ist unscharf, oder die Personen laufen aus dem Bild. „Daher beginnen wir vor dem eigentlichen Drehen mit Übungen vor der Kamera: Trickfilmübungen, Interviewübungen, Lockerungsübungen und dem Schreiben und Zeichnen von Storyboards. Wir machen Lust auf Ausprobieren und Lernen.“
Medienkompetenz wird durch Aneignung erworben
Um
einen Film zu drehen, bedarf es vieler Helferinnen und Helfer vor und
hinter der Kamera, die sich miteinander verständigen müssen. Neben dem
selbstständigen Arbeiten schult die medienpädagogische Arbeit laut
Katja Friedrich daher auch die Kommunikationsfähigkeit, die
Arbeitsorganisation, die Teamfähigkeit, das Zeitmanagement, die Kritik-
und die Ausdrucksfähigkeit. „Mit praktischer Medienarbeit kann man alle
Kompetenzen erwerben“, so die BZBM-Geschäftsführerin. Besonders
spannend sei für die Kinder und Jugendlichen, dass ihre filmischen
Ergebnisse dann am Schluss auch tatsächlich gesendet würden. Die
Kooperation mit den Offenen Kanälen in Rheinland-Pfalz macht das
möglich.
Ein entscheidender Punkt: Neben der technischen Seite des Filmens lernen die Schülerinnen und Schüler auch eine andere Sichtweise auf ihre Lieblingssendungen wie zum Beispiel „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Das eigene Vertrautmachen mit dem Medium schärft den Blick auf die Machart und Mechanismen von Film und Fernsehen – Medienkompetenz wird hier durch Aneignung erworben.
Den Wald durch DVD-ROM entdecken
Die
Landeszentrale für Medien und Kommunikation und das Bildungszentrum
BürgerMedien bieten auch den Lehrerinnen und Lehrern Unterstützung im
Umgang mit den Medien Video und Film an: Multiplikatorenveranstaltungen
und Beratung vor Ort gehören dazu. Zusammen mit der Universität Koblenz
evaluiert das BZBM zudem seit Februar die Ergebnisse, die mit der
Medienarbeit an den Schulen erzielt werden. Der Endbericht soll im
April 2007 vorliegen.
Eine andere Art, Neue Medien in den Schulalltag einzuführen, ist speziell für die Schule entwickelte Software. Auf der i-media konnten die Lehrerinnen und Lehrer in vielen Workshops Lernsoftware begutachten, die den Unterricht erweitern und bereichern kann. Svenja Kläsen stellte beispielsweise in „Lebensräume entdecken: Der Wald“ die gleichnamige DVD-ROM vor.
Die Lehrerin für Biologie am Max von Laue-Gymnasium in Koblenz ist Medienberaterin für das Fach Biologie und beratende Lehrerin für das Schulfernsehen des Südwestrundfunks. Mit der DVD-ROM „Der Wald“ können Schülerinnen und Schüler auf unterhaltsame und einprägsame Art Sachverhalte wie den Nahrungskreislauf oder die Auswirkungen der Jahreszeiten auf den Wald erkennen. „Lehrer haben die Möglichkeit, kurze Lehrfilme beliebig zusammenzustellen und mit eigenen Kommentaren zu versehen – je nachdem, zu welchem Thema sie gerade etwas benötigen“, erläuterte Kläsen. Für Ganztagsschulen, die eine Wald-AG anbieten oder eine Rahmenvereinbarung mit dem Jagd- und Forstverband abgeschlossen haben, bietet sich so die Möglichkeit, das in der Praxis Erlebte und Erlernte spielerisch weiter zu unterfüttern.
Matratzen verbrennen, Autos an die Wand krachen lassen
Desgleichen
ist auch im Physikunterricht möglich: Klaus König, Physiklehrer an der
Realschule Limburgerhof, machte die Workshopteilnehmer in „Warum ist
der Himmel blau? – Physikalische Alltagsphänomene multimedial und
spannend“ mit DVD-Roms aus der Wissensreihe des Südwestrundfunks
bekannt. „Physiklehrer können in einem Schulversuch keine Matratze
verbrennen – was in einem solchen Experiment geschieht, kann auf einer
DVD dagegen gefahrlos simuliert werden“, so der Lehrer. Mit welcher
Geschwindigkeit ein Auto bei bestimmten Straßensteigungen gegen eine
Wand prallt, ebenfalls. Glühbirnen können immer wieder – ohne Ersatz
beschaffen zu müssen – zum Durchbrennen gebracht werden. „Die Schüler
können sich diese Experimente selber anschauen, die Filme sind
individuell einsetzbar“, so König. „Mit diesem selbstständigen Lernen
ist eine andere Arbeitsweise möglich, auch Vertretungsstunden können so
sinnvoll genutzt werden.“
Eine sinnvolle, weil zeitsparende Einrichtung stellte Michael Korb vom Landesmedienzentrum in „GTS – Personalmanagement in der Ganztagsschule“ vor. Über das Internet-Portal www.ganztagsschule.rlp.de und dem Einstieg „Intranet Personal“ oder „Schulzugang“ auf der Seite http://pes.bildung-rp.de gelangen Schulen ins Intranet, wo sie ohne Sonder- und Spezialwissen, wie Korb versicherte, Verträge mit außerschulischen Partnern auf Honorar- und BAT-Basis anfertigen und ausdrucken können. „Man muss die Vertragsform festlegen, den Vertragspartner eingeben, den Vertrag anlegen und kann ihn dann ausdrucken“, erläuterte Korb und demonstrierte dies gleich vor Ort.
Was für die Schülerinnen und Schüler gilt, ermöglichen die
Neuen Medien hier auch den Schulleitungen: Selbstständiges Arbeiten am
Computer bei gleichzeitiger Arbeitserleichterung. Welche Möglichkeiten
Internet und Computer den Schulen zukünftig bieten, ist noch nicht
absehbar: Vielleicht lernen die Schüler schon bald, am PC in ihre
Bewerbung ein Video einzubauen.
Autor: DZ Online-Redaktion
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