Ganztagsschulen in Angebotsform Rheinland-Pfalz - www.ganztagsschule.rlp.de

Gemeinde/Stadt/Land

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Thema: Partizipation
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Schulstruktur- Entwicklung in Rheinland-Pfalz

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Bildungsserver Rheinland-Pfalz

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Serviceagentur Ganztägig Lernen

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Ganztagsschul- Verband GGT e.V.

Ganztagsschulverband GGT e.V. orange

Polis

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Die Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz aus der Sicht der beteiligten Eltern

 
Logo: „Demokratie lernen & leben“
02.11.2006

Von Klassenräten und Schulparlamenten

Partizipationsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern

Er war gut besucht, der erste Demokratie-Tag Rheinland-Pfalz, der am 2. Oktober 2006 im Erbacher Hof in Mainz stattfand. Und er war ein Höhepunkt des Schulentwicklungsprogramms „Demokratie lernen & leben“, in dessen Rahmen er ausgerichtet wurde. Er ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Demokratie in den Schulen von Rheinland-Pfalz zukünftig eine noch größere Rolle spielen wird. Mit dem ersten Demokratie-Tag Rheinland-Pfalz wurde ein Forum geschaffen, an dem sich die Schulen, die an dem BLK-Programm „Demokratie lernen & leben“ beteiligt sind, Institutionen der politischen Bildung sowie zahlreiche zivilgesellschaftliche Initiativen über Demokratieerziehung austauschen können. Mit der Einrichtung des Demokratie-Tages soll in den kommenden Jahren das Ziel des Programms, die Bereitschaft junger Menschen zur Mitwirkung an der Zivilgesellschaft zu stärken, auch über dessen Laufzeit und über die Modellschulen hinaus verwirklicht werden.

Das Schulentwicklungsprogramm der BLK
Im Modellversuch „Demokratie lernen & leben“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) sollen Schülerinnen und Schüler von der Grundschule über die weiterführenden Schulen bis zur Berufsbildenden Schule zu demokratischem Handeln befähigt und eine demokratische Schulkultur entwickelt werden. Start des Modellversuchs war im September 2002. Im März 2007 wird er auslaufen. Rund 200 Schulen in 13 Bundesländern haben in diesem Zeitraum an dem Projekt teilgenommen. Allein in Rheinland-Pfalz sind 14 Schulen mit dem Schwerpunkt „Entwicklung und Erprobung von Beteiligungsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern in und außerhalb von Schulen“ beteiligt, darunter auch Ganztagsschulen in Angebotsform.

Ziel des Schulentwicklungsprogramms in Rheinland-Pfalz ist es, „eine langfristig-nachhaltige, präventiv wirksame und psychologisch effektive Demokratiebildung an den beteiligten Schulen – und über Netzwerkangebote – möglichst auch über diese hinaus zu fördern“, fasst das Pädagogische Zentrum Rheinland-Pfalz, das die Projektleitung des Landes inne hat, das Vorhaben zusammen. Demokratische Schulentwicklung geht dabei vom Konzept einer „lernenden Schule“ mit der Bereitschaft zur kontinuierlichen Veränderung und Weiterentwicklung aus, in der ein nachhaltiger Qualitätsentwicklungsprozess angestoßen wird, an dem möglichst viele Gruppen der Schule (Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern, außerschulische Kooperationspartner) beteiligt sind.

Zur Entwicklung demokratischer Handlungskompetenz bei Schülerinnen und Schülern gehören Partizipationsmöglichkeiten in „repräsentativen Formen“ wie Klassensprecherinnen und Klassensprecher, Schülervertretung einer Schule, Landesschülervertretung oder die Mitwirkung in Institutionen wie der Gesamtkonferenz oder dem Schulausschuss, aber auch Partizipationsmöglichkeiten in „basisdemokratischen Formen“ wie dem Klassenrat, der Schulstufenversammlung oder der Schulvollversammlung. Wichtig ist darüber hinaus echtes Verantwortungsgefühl: „Neben den partizipativen Strukturen und Mitwirkungsmöglichkeiten braucht eine gelebte Demokratie in der Schule auch Mitverantwortung der Schülerinnen und Schüler für das eigene und das gemeinsame Lernen, insbesondere für das Projektlernen“, so die Projektleitung Rheinland-Pfalz.

Zur Verwirklichung der Ziele „Demokratische Handlungskompetenz“ und „Demokratische Schulkultur“ bietet der Modellversuch die Module „Unterricht“, „Lernen in Projekten“, „Schule als Demokratie“ und „Schule in der Demokratie“ an.

Beteiligungsformen in Rheinland-Pfalz
Der in Rheinland-Pfalz gewählte Schwerpunkt „Entwicklung und Erprobung von Beteiligungsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern in und außerhalb von Schulen“ entspricht den bundesweiten Modulen 3 (Schule als Demokratie) und 4 (Schule in der Demokratie). An 14 Schulen verschiedener Schularten und -stufen, die in zwei Sets mit jeweils acht (und sechs) Schulen aufgeteilt sind, wird überprüft, welche Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in Schulen bestehen und etabliert werden können, und ob Schulen bestehende Beteiligungsprojekte für Kinder und Jugendliche in Gemeinden aufgreifen und unterstützen oder gemeinsam mit Gemeinden neue Beteiligungsmöglichkeiten institutionalisieren können. Auch wird danach gefragt, wie Schülerinnen und Schüler dazu ermutigt werden können, Beteiligungsmöglichkeiten wahrzunehmen und bestehende Beteiligungsrechte einzufordern und auszufüllen und als Chance demokratischer Gestaltung von Gemeinschaft in und außerhalb der Schule zu begreifen, kommentiert das Online-Demokratie-Netzwerk für Schulen Net-Part.Schule. Dieses Netzwerk unterstützt die am Modellversuch beteiligten Schulen in Rheinland-Pfalz mit Informationen, Ideen, Materialien und Medien. Auch Schulen, die nicht an dem Schulentwicklungsprogramm beteiligt sind, können diesen Service nutzen und viel über Modelle und Ergebnisse des Projekts erfahren. Jede Schule kann Partizipationsprojekte über die Internetpräsenz www.net-part.schule.rlp.de anmelden, um sie publik zu machen.

Beeindruckende Ergebnisse
Auf dem Demokratie-Tag Rheinland-Pfalz wurde eindrucksvoll gezeigt, wie intensiv die Schulen in den letzten vier Jahren an der Einrichtung und dem Ausbau basisdemokratischer Gremien sowie einer Verbesserung der Schülermitverwaltungsarbeit gearbeitet haben. Initiativen zu Streitschlichtung und Mediation wurden zusammengeführt und in partizipative Schulentwicklungsprogramme integriert.

Drei Ganztagsschulen in Angebotsform haben aktiv am Programm mitgewirkt und in dieser Zeit einiges auf die Beine gestellt. Die Grundschule Trier-Biewer beispielsweise wählte als Schwerpunkt den Aufbau demokratischer Strukturen. Sie richtete einen Klassenrat ein und verankerte eine wöchentliche Klassenratsstunde im Stundenplan. Regelmäßige Klassensprecherversammlungen und die viermal im Jahr stattfindende Kinderkonferenz wurden institutionalisiert. Auf diese Entwicklung wurde sogar der Oberbürgermeister der Stadt Trier, Helmut Schröer, aufmerksam: Er stand den Schülerinnen und Schülern bereits zweimal in der Kinderkonferenz Rede und Antwort. Darüber hinaus entwickelte die Schule ein Friedensbuch, das alle Kinder im gemeinsamen Dialog zur selbstständigen Lösung von Konflikten befähigen soll. Wichtig ist allen an der Grundschule auch, dass die Kinder lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, weswegen ein Patensystem und die Übernahme von Diensten und Verpflichtungen innerhalb des Schulsystems für alle eingeführt wurden.

Die entstandenen demokratischen Strukturen kamen der Schule sehr zugute, als sie 2005 Ganztagsschule in Angebotsform wurde. Dadurch kamen viele neue Schülerinnen und Schüler und auch neue Lehrkräfte und außerschulische Partner an die Schule. Regeln und Rituale konnten so leichter gemeinsam besprochen und festgelegt werden, aufkommende Konflikte werden in den Klassenräten entschärft. Auch Wünsche und Vorschläge bezüglich des Mittagessens, der AGs für den Nachmittag und der Freizeit wurden gesammelt und in den Klassensprechertreffen und Kinderkonferenzen aufgegriffen. Die Kinder nahmen sogar an Probeessen zur Auswahl des Caterers teil.

Regelmäßig stellen die Klassensprecherinnen und -sprecher der Grundschule Trier-Biewer in den Kinderkonferenzen jetzt die positiven und negativen Eindrücke vor, die sie vom Ablauf der Ganztagsschule haben, so dass Lehrkräfte und Schulleitung laufend wichtige Impulse für ihren weiteren Planungsprozess erhalten.

Ähnlich arbeitet die Diesterweg-Schule Koblenz. In den vergangenen Jahren hat die Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern viele Projekte initiiert und weiterentwickelt: Sie gründeten ein Schülerparlament, das einmal im Monat tagt und wo Vorschläge und Schwierigkeiten besprochen werden. Zwei Schüler der Oberstufe nehmen regelmäßig an den Treffen des Jugendrates teil, um die Interessen der Schülerschaft zu vertreten. In vielen Klassen findet einmal in der Woche ein Klassenrat statt, und seit Beginn des Schuljahres 2004/2005 gibt es eine Streitschlichtung, die von allen gerne angenommen wird. Darüber hinaus übernehmen die Schülerinnen und Schüler der Diesterweg-Schule Verantwortung für ihre Mitschüler und ihre Schule. Ältere Schüler kümmern sich um jüngere, Klassen pflegen und bepflanzen Grünflächen, neun Jugendliche wurden von der Polizei als Schulwegbegleiter und acht Schüler durch den Sportbund zu Pausenassistenten ausgebildet. Es gibt sogar qualifizierte Schulsanitäter, die offiziell zum Ansprechpartner bei Schülerunfällen aller Art geworden sind und ihre Sache sehr ernst nehmen.

Das Hindenburg-Gymnasium in Trier machte das Thema „Demokratie in der Klasse“ im Rahmen einer Projektwoche im Juni 2006 an der Schule bekannt. Mitglieder der Demokratie-AG stellten 20 anderen interessierten Schülerinnen und Schülern vor, was Demokratie an der Schule alles bedeuten kann. Der Begriff Demokratie und der Aspekt der Verantwortung wurden diskutiert und der Schülersprecher informierte alle über ihre Rechte und Pflichten im Schulleben. Mit praktischen Übungen, Rhetorik-Schulungen und Rollenspielen wurden die Ämter Klassensprecher und Klassenrat vorgestellt. Am Ende der Projektwoche gab Ulrich Holkenbrink, der Dezernent für Kultur/Schule der Stadt Trier, eine Einführung in kommunalpolitische Zusammenhänge.

In den vergangenen Jahren haben die 14 Schulen intensiv an den Partizipationsmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler gearbeitet. Viel ist jetzt schon erreicht worden. Aufgabe des Demokratie-Tages Rheinland-Pfalz wird es in den nächsten Jahren sein, die Ergebnisse und weitere Vorhaben zu etablieren und auf alle Schulen des Landes zu übertragen.

Autor: Petra Schraml - DZ Online-Redaktion

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