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Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz

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7. iMedia: Blick in den Ausstellungsbereich der iMedia im Forum des Mainzer Theresianums

7. iMedia: Blick in den Ausstellungsbereich der iMedia im Forum des Mainzer Theresianums 7. iMedia: Die vollbesetzten Ränge der Turnhalle des Mainzer Theresianums während des Auftakts 7. iMedia: Vera Reiß, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, eröffnete den Kongress 7. iMedia: Die Lehrerband des Theresianums Mainz, Worst Case Solutions, begleitete rockig das Auftaktprogramm in der Turnhalle 7. iMedia: Großer Andrang am Stand des Pädagogischen Landesinstituts im Ausstellungsbereich der iMedia 7. iMedia: Staatssekretärin Vera Reiß gab die neuen Schulen in den Programmen "Medienkompetenz macht Schule" und "Robotics" bekannt und überreichte den Vertreterinnen und Vertretern die Teilnahmeunterlagen 7. iMedia: In vielen Workshops war das Interesse so groß, dass manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Boden Platz nehmen mussten 7. iMedia: Der Workshop "Comics erstellen - kinderleicht" zog viele Interessenten an
26.05.2011

"Individuelle Lernwege" mit Neuen Medien

Die 7. iMedia sorgt für Besucheransturm

Der Gastreferent lobte das Tagungsprogramm als „absolut beeindruckend“, und das sahen wohl auch die rund 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer so, die für einen neuen Besucherrekord auf der iMedia sorgten. „Individuelle Lernwege“ lautete das Thema des Kongresses am 24. Mai 2011 im Mainzer Gymnasium Theresianum.

Auf der interaktiven Tafel erscheint das Bild einer Landschaft im Sonnenschein. Ein Mausklick – und es ist Nacht. Ein weiterer Mausklick – und die Sternbilder erscheinen am Himmel. Noch ein Mausklick und der Betrachter reist zu den Sternen oder zum Mond, bis jeder Krater zu erkennen ist.

Keine Frage, die Zukunft ist jetzt. Immer wieder und immer noch verblüffen die Möglichkeiten, welche Computer und Programmierer den Nutzern eröffnen. Was vor ein paar Jahren noch ferne Sciencefiction schien, ist nun Alltag. So wie der riesige berührungsempfindliche Bildschirm am Ausgang des Mainzer Gymnasiums Theresianum, an welchem die Besucherinnen und Besucher der Tagung im Vorübergehen per Fingerdruck ihr Votum abgeben können, wie ihnen die Veranstaltung gefallen hat. Zettel ausfüllen und einsammeln ist passé.

Die vor einigen Jahren auf der iMedia geäußerte Meinung eines Lehrers, es dauere nicht mehr lange und mit Mobiltelefonen werde man viel mehr als nur telefonieren können, hat sich bereits bewahrheitet: Der Computer passt inzwischen in eine Jackentasche. Die Entwicklungen verlaufen rasant. Wohl auch deshalb nimmt das Interesse von Pädagoginnen und Pädagogen an der iMedia zu: Mit etwa 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnten die Organisatoren vom Planungsteam des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz einen neuen Besucherrekord vermelden. Tatsächlich wurde dieser buchstäblich spürbar, als in vielen der über 150 Workshops die Interessierten wie in guten alten Hörsaalzeiten auf dem Boden Platz nehmen mussten.

Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation
Neben dem allgemeinen Interesse rund um das Thema Neue Medien und Schule trafen die Veranstalter wohl auch mit dem Motto der Tagung den Nerv des Publikums: „Individuelle Lernwege“. Helmut Schmid, der als Schulleiter des Theresianums und damit als Hausherr die Gäste zum Auftakt der iMedia in der Turnhalle begrüßte, berichtete, dass der Workshop „Umgang mit Heterogenität“ beim letzten Treffen des Arbeitskreises der Mainzer Gymnasiallehrer am meisten nachgefragt wurde. „Individuelle Förderung ist ein wichtiges Thema“, so Helmut Schmid. Laut Dr. Birgit Pikowsky, Direktorin des Pädagogischen Landesinstituts, wird das „Finden individueller Lernwege auch das Thema der kommenden Jahre bleiben“.

Die Politik will den Schulen helfen, diese individuellen Lernwege mit Hilfe moderner medientechnischer Ausstattung zu verfolgen. Bildungsstaatssekretärin Vera Reiß erklärte in ihrem Grußwort, dass die neue Landesregierung im Koalitionsvertrag die Fortsetzung des seit vier Jahren laufenden Programms „Medienkompetenz macht Schule“ beschlossen habe. „Medienkompetenz ist neben den traditionellen Kulturtechniken zu einer unverzichtbaren Schlüsselqualifikation geworden und bleibt eine Daueraufgabe.“

An Ort und Stelle übergab die Staatssekretärin 40 Schulen, die in diesem Jahr neu in das Programm aufgenommen werden, ihre Urkunden. Daneben erhielten 20 weitere Schulen die Bestätigung für die Aufnahme in das vom Land mit dem Software-Konzern SAP durchgeführten Kooperationsprojekts „Robotics – Lernen mit Robotern“. Letztere Schulen erhalten eine finanzielle Unterstützung und eine Ausstattung mit LEGO-Robot-Sets.

Förderung durch „Medienkompetenz macht Schule“
Bei „Medienkompetenz macht Schule“ wurden inzwischen 430 Schulen bei der Anschaffung einer zeitgemäßen technischen Ausstattung mit jeweils 40.000 Euro unterstützt. Dies ist jedoch nur ein Aspekt des vom Bildungs- und Innenministerium sowie der Staatskanzlei getragenen Programms. Mehr als 1.300 Jugendmedienschutzberaterinnen und -berater leisten an den Schulen wertvolle Arbeit und über 600 ältere Schülerinnen und Schüler geben als Medien-Scouts ihr Wissen an ihre Mitschülerinnen und Mitschüler weiter. Über 300 Informationsveranstaltungen für etwa 13.000 Eltern wurden durchgeführt. Zahlreiche Informationsveranstaltungen und Fortbildungen im Umgang mit digitalen Medien für Lehrkräfte runden das vielfältige Angebot ab, resümierte Vera Reiß die vergangenen vier Jahre.

Doch wie weit kann der Einsatz Neuer Medien im Unterricht den Schülerinnen und Schülern tatsächlich helfen, sich ihr Wissen individualisiert anzueignen? Von dieser Frage geleitet, stellte Prof. Dr. Bardo Herzig von der Universität Paderborn „Digitale Medien und individualisiertes Lernen – eine aussichtsreiche Beziehung mit Hindernissen“ vor. Er hatte bereits 2006 auf der iMedia den Impulsvortrag gehalten.

„Selbstverständlich ist mit dem Einsatz eines Mediums nicht automatisch individualisiertes Lernen verbunden“, erklärte der Erziehungswissenschaftler. „Das Medium ist auch nur ein Faktor neben Lernvoraussetzungen und Lernarrangements, die den Lernerfolg beeinflussen.“ Lernen bedeute aus einer konstruktivistischen Perspektive betrachtet, Anknüpfungspunkte an bereits vorhandene kognitive Strukturen zu finden, eigene Konstruktionen anderen mitzuteilen und sich wiederum durch andere anregen zu lassen.

Wandel der Technologie, Wandel des Lernens
Ein Beispiel – zu sehen als Computersimulation: Ein Auto fährt mit großer Geschwindigkeit an einen Klippenrand. Aber wie wird das Auto herunterfallen? Wie ein Stein direkt hinter dem Abgrund? Oder in einem weichen Bogen quer durch die Luft? Oder „fährt“ es dank der hohen Geschwindigkeit noch ein Stück waagerecht durch die Luft, um dann wie ein Stein in einem 90 Grad-Winkel senkrecht zu Boden zu fallen? Der Computer malt alle Kurven auf die Bildschirmleinwand in der Turnhalle des Theresianums.

Bei der letzten Variante, dem 90 Grad-Absturz einige Meter von der Klippe entfernt, kommt Gelächter im Plenum auf. Doch laut Bardo Herzig ist es gerade dieser durch den Computer anschaulich gemachte Fall den Schülerinnen und Schüler auswählen, wenn sie den Kurvenverlauf im Physikunterricht vorhersagen sollen. „Ganz klar, dass hier Vorerfahrungen eine Rolle spielen“, erläuterte der Wissenschaftler. „Die Kinder und Jugendlichen haben zahlreiche Zeichentrickfilme gesehen, in denen die Figuren über eine Klippe rennen und erst dann wie ein Stein zu Boden stürzen, wenn sie realisieren, dass sie keinen Boden mehr unter den Füßen haben.“ Nun sollte es für die Lehrerinnen und Lehrer in einer solchen Situation nicht darum gehen, etwas gerade zu rücken und darüber hinweg zu gehen, sondern genau hier Anknüpfungspunkte offen zu legen, neue Anknüpfungspunkte zu schaffen, Anknüpfungsprozesse zu initiieren und dies mit Hilfe von Medien zu unterstützen.

Durch die Lernaktivitäten ergebe sich die Verwendung bestimmter Medien, erklärte Bardo Herzig. „Bei diesem Fall-Beispiel wäre der Einsatz einer Lern- und Simulations-Software möglich, mit der man Hypothesen prüfen, qualitative Zusammenhänge durch Parametersteuerung und -prüfung erkennen und Plausibilitätsprüfungen von Problemlösungen durchführen könnte.“ Eine interaktive Tafel könne dabei einen Mehrwert bringen, wenn die Ergebnisse präsentiert und diskutiert würden. Die Anschaulichkeit der Technik bringe also nur etwas, wenn damit der individuelle Lernprozess für alle sichtbar gemacht werde. „Es kommt nicht nur auf einen Wandel der Technologie, sondern auch auf den Wandel im Blick auf das Lernen und die Lernprozesse an“, zitierte Bardo Herzig den US-Forscher Stephen Downes.

Einsatz von quelloffenen Programmen
Den Schulen stehen viele Möglichkeiten offen, solche angesprochenen Programme anzuwenden – und vor allem kostenlos zu erwerben, wenn sie auf quelloffene Programme ausweichen, die man aus dem Internet herunterladen und dann auf Speichermedien wie CDs, DVDs oder USB-Sticks speichern kann. Harald Boyé, Lehrer an der Ludwig-Schwamb-Schule in Mainz, erläuterte in seinem Workshop, wo man solche Programme beziehen und wie man sie einsetzen kann. Wenn ein Bildbearbeitungsprogramm 900 Euro koste, dann sollte eine Schule eigentlich an guten quelloffenen Programmen, die umsonst zu haben sind, interessiert sein, so der Informatiklehrer, der seit zwei Jahren zusammen mit einem Kollegen diese Programme in seinem Unterricht einsetzt.

Die Möglichkeiten sind unbegrenzt: Neben dem eingangs erwähnten, von einem französischen Lehrer programmierten Astronomieprogramm gibt es Geometrie-, Puzzle-, Geschicklichkeits-, Rechen-, Rechtschreib-, Bruchrechnen-, Film-, Mal- und Musikprogramme, die alle auf Linux basieren und sich an jede Altersstufe wenden. Die Programme liegen dabei nicht auf der Festplatte des Computers, sondern werden von den externen Speichermedien geladen. Die Internet-Seite www.opensource-dvd.de gebe einen guten Überblick über einzelne Programme. Allerdings sollte sich jede Lehrkraft „vorher mit Kolleginnen und Kollegen, welche die Computer betreuen, besprechen und ausprobieren, was am Einsatz anderer Speichermedien möglich ist.“

Computer kinderleicht
Wie selbstverständlich der Einsatz von Computer und Internet inzwischen selbst schon in der Grundschule geworden ist, demonstrierten Teresa und Noah, beide zehn Jahre alt, von der Dr.-Kurt-Schöllhammer-Schule in Simmern im Hunsrück. Die Grund- und Schwerpunktschule, die (noch) keine Ganztagsschule ist, es aber ab dem Schuljahr 2012/2013 werden wird, bietet ihren Schülerinnen und Schülern mit besonderen Begabungen seit drei Jahren einen XXL-PC-Kurs an. Rektorin Barbara Wachter betreut diesen Kurs, „aber mehr inhaltlich, denn computer-technisch machen mir die Kinder einiges vor.“ Daher helfe ihr Mann, der von Informatik noch mehr verstehe, mit.

Im ersten Jahr des XXL-PC-Kurses erwarben die Schülerinnen und Schüler einen Internet-Führerschein und im zweiten Jahr erstellten sie einen Trickfilm. Im dritten Jahr statteten sie die Schülerzeitung mit einem Comic aus, den sie am Computer aus Photos, Grafiken, Sprechblasen und Text gestalteten. Dieses Wissen gaben Teresa und Noah nun an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihrem völlig überfüllten Workshop „Comics erstellen – kinderleicht“ weiter. Die Erwachsenen konnten nur staunen, über die Selbstsicherheit, mit der die Kinder sich durch das Open Office-Programm klickten. Der Applaus war den beiden, der Rektorin und ihrer Klassenlehrerin Katrin Herrmann sicher.

Autor: DZ Online-Redaktion - Ralf Augsburg

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