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Die Grundschule Eisenberg hat im Januar 2010 eine Kooperation mit der Grundschule am Hollerbusch in Berlin-Hellersdorf angeschoben. Damit erweitert sie ihr eigenes Schulprofil um eine interessante Facette. Zwei Schulen tun sich zusammen, um durch den kontinuierlichen Austausch die Schulentwicklung voranzubringen.
Die Pestalozzi-Grundschule Eisenberg hat sich in Rheinland-Pfalz bereits einen Namen gemacht. Schulleiter Markus Fichter und sein Team von rund 70 Lehrkräften und Pädagogischen Partnern sind bestrebt, die Schule aus dem Donnersbergkreis ständig weiter zu entwickeln und das Schulprogramm noch passgenauer auf die heterogene Schülerschaft abzustimmen. Die Kinder kommen teilweise aus sozial schwachen Familien, aus einem SOS-Kinderdorf und dem Kinderheim sowie aus einem Durchgangswohnheim für Spätaussiedler. Darüber hinaus besitzen viele Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund.
Die Grundschule Eisenberg ist deshalb in zahlreichen Netzwerken und Initiativen vertreten und tauscht sich regelmäßig mit anderen innovativen Schulen aus. Sie nimmt am SINUS-Programm teil, ist seit 2007 Modellschule für Partizipation im Netzwerk der Serviceagentur "Ganztägig lernen" Rheinland-Pfalz und Comenius-Schule. Von 2007 bis 2009 war sie Teilnehmerin am Forschungsprojekt "Lernkultur und Unterrichtsentwicklung an Ganztagsschulen" (LUGS) und gehört heute zu den Schulen im Netzwerk "Neue Lernkultur" der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.
Die Teilnahme an der LUGS-Untersuchung sollte für die Schule eine besondere Bedeutung erlangen. Auf der Abschlussveranstaltung dieses Forschungsprojekts am 25. September 2009 an der Technischen Universität Berlin, auf der die jeweils vier aus Berlin, Brandenburg und Rheinland-Pfalz evaluierten Schulen erstmals zusammentrafen, lernte Markus Fichter Karin Ronneberger, die Schulleiterin der Grundschule am Hollerbusch aus Berlin-Hellersdorf, kennen. Alle Schulen präsentierten ihre Schulprofile auf Schautafeln, und die Wandausstellung der Pestalozzi-Grundschule Eisenberg fand Schulleiterin Karin Ronneberger besonders interessant. „Die Grundschule Eisenberg hat viel mit dem Schulprogramm unserer Schule gemeinsam“, fand die Schulleiterin. „Wie wir setzt diese Schule einen Schwerpunkt auf die Gesundheitsförderung. An beiden Schulen ist die Inklusion verankert - wir haben Integrativklassen und Eisenberg arbeitet als Integrativschule.“
„Aus so einem Kontakt muss man mehr machen“
Es gab aber auch Bereiche, in denen eine Veränderung von der einen Schule angestrebt wurde, welche die andere bereits verwirklicht hatte: Die Grundschule am Hollerbusch plante beispielsweise den Einstieg in die Portfolio-Arbeit, mit der die Förderung der einzelnen Schülerinnen und Schüler kontinuierlich dokumentiert und gleichzeitig evaluiert wird. Dieses Instrument setzt die Grundschule Eisenberg bereits seit acht Jahren ein und hat es seitdem kontinuierlich weiter entwickelt. Die Pestalozzi-Grundschule Eisenberg wiederum interessierte unter anderem die gezielte Zusammenarbeit der Grundschule am Hollerbusch mit den Kindertagesstätten. „Wir fanden, dass wir gut zusammen passten, und vereinbarten, uns gegenseitig zu besuchen“, erinnert sich Karin Ronneberger. An eine regelrechte Kooperation zwischen beiden Schulen dachte sie damals noch nicht.
Vier Monate später, im Januar 2010, als Rektorin Ronneberger mit einigen Lehrerkolleginnen zu einem auf der LUGS-Abschlusstagung vereinbarten Besuch in Eisenberg weilte, regte Schulleiter Fichter eine kontinuierliche Zusammenarbeit an. „Ich war überzeugt, dass man aus einem solchen Kontakt noch mehr machen könne, nämlich eine feste Kooperation über Bundesländergrenzen hinweg.“
Die Berliner waren von der Idee angetan, so dass Markus Fichter seine Überlegungen dem Referatsleiter für Ganztagsschulen des Ministeriums für Bildung, Weiterbildung, Jugend und Kultur Johannes Jung vorstellte. Der war von der Idee begeistert und wünschte sich eine wissenschaftliche Begleitung der Zusammenarbeit. Diese übernahmen Prof. Dr. Sabine Reh von der TU Berlin und Dr. Till-Sebastian Idel von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, welche die Schulen bereits bei der "LUGS"-Studie begleitet hatten. Geplante Laufzeit des Projektes: 1. Oktober 2010 bis 30. September 2012.
Ungewöhnliche Kooperation über Bundesländergrenzen hinweg
Das Vorhaben der beiden Grundschulen ist außergewöhnlich, da sie nicht nur in weit voneinander entfernten Bundesländern liegen, die über ihre eigenen schulorganisatorischen, administrativen und schulrechtlichen Rahmenbedingungen verfügen, sondern auch in vollkommen verschiedenen lokalen Kontexten arbeiten. Die Grundschule am Hollerbusch liegt in einem urbanen Raum mit nicht geringen sozialen Problemen, während die rheinland-pfälzische Pestalozzi-Grundschule im eher ländlich-beschaulichen Eisenberg – wenn auch mit den Herausforderungen der heterogenen Schülerschaft – angesiedelt ist.
Beim zweiten Besuch Ende Mai 2010 in Eisenberg, zu dem sich die Schulleitung der Grundschule am Hollerbusch mit einem Drittel des Kollegiums im Rahmen eines Studientages einfand, „haben wir schnell erkannt, dass die Probleme in Eisenberg die gleichen sind wie bei uns in Hellersdorf“, meint Karin Ronneberger. Die Zusammenarbeit ließ sich derweil hervorragend an. „Alle fanden sofort einen Draht zueinander, und es war eine aufgeschlossene und herzliche Atmosphäre.“
Im September folgte der Gegenbesuch des Eisenberger Kollegiums in Hellersdorf. Markus Fichter war dabei von seinem Kollegium begeistert. „Ich hatte es nicht für möglich gehalten, dass fast alle Kolleginnen und Kollegen mitfahren würden.“ Dieses Engagement sei aber seit vielen Jahren mit der Ganztagsschule gewachsen. Sie hat sich seit 34 Jahren von den Anfängen einer durch Eltern angeregten Hausaufgabenbetreuung über die Gründung des Modellprojekts der offenen Ganztagsschule im Jahr 1990, den Start als Ganztagsschule in Angebotsform 2001 bis zur Gründung von Ganztagsklassen im Schuljahr 2002/2003 entwickelt. Heute lernen acht Klassen als Ganztagsklassen.
Ganztagsschule trägt zum guten Ruf der Schule bei
Schulleiter Fichter meint: „Mehr Zeit zum Lernen und Leben - dieses Motto des Landes Rheinland-Pfalz für die Ganztagsschule stimmt absolut. Zum einen sind die Kinder entspannter, und zum anderen herrscht trotz Mehrarbeit für die Lehrkräfte eine höhere Zufriedenheit durch die verstärkten sozialen Kontakte und den engeren Zusammenhalt im Kollegium. In unserer Ganztagsschule trifft man egal zu welcher Uhrzeit am Tag immer Kolleginnen und Kollegen im Schulgebäude an - das stärkt den Zusammenhalt.“ Die gute Kommunikation mache auch Dienstbesprechungen überflüssig, was wiederum viel Zeit erspare.
Die Ganztagsschule trägt entscheidend zum guten Ruf bei, den die Schule inzwischen genießt. Nicht unerheblich seien dabei die Eltern, die ihr Engagement zum Beispiel bei Renovierungsarbeiten unter Beweis stellen oder das der Mütter, die am Vormittag den Schülerinnen und Schülern ein gesundes Frühstück anbieten.
Von der Zusammenarbeit mit der Grundschule am Hollerbusch erhofft sich der Schulleiter einiges – und nicht unberechtigt, denn die Erfahrungen mit gegenseitigen Hospitationen in der Vergangenheit haben seiner Schule viele Impulse und Ideen vermittelt.
Erste Früchte der Kooperation
Die Kooperation mit der Grundschule am Hollerbusch soll aber über gegenseitige Hospitationen deutlich hinausgehen. „Wir planen einen Schulleiteraustausch, Lehrer- und Schüleraustausche für die Dauer eines Monats“, erläutert Markus Fichter. Auch möchten die Kollegien gemeinsame Studientage organisieren. Zu den Themen wie Gesundheitsförderung, Schuleintritt und Inklusion sind gemeinsame Arbeitsgruppen geplant, die unter anderem Lehrerhandreichungen erarbeiten sollen. Karin Ronneberger freut sich schon darauf, wenn Schülerinnen und Schüler der Bläserklasse aus Eisenberg an ihre Schule kommen.
In regelmäßigen Treffen auf Schulleitungsebene wollen die Verantwortlichen an Fragen der Evaluation und der Qualitätssicherung arbeiten. Die Kooperation soll die verschiedenen Ebenen der Gestaltung von Schulen einbeziehen und miteinander vernetzen, um nachhaltige Effekte in den beiden Grundschulen zu erzielen. Hierbei werden sich die Beteiligten den Themen "Schulleitung und Schulmanagement", "Professionalität des Personals", "Schulleben" und "Unterrichtsqualität" widmen.
Die Kompetenzen der Schulen können und sollen dabei für die jeweils eigene Arbeit aufgegriffen werden. So stellen sich die Grundschulen bereits evaluierte Unterrichts- und Arbeitsmethoden gegenseitig zur Verfügung. In einem Bereich ist dies schon geschehen und hat die Arbeit der Grundschule Eisenberg entscheidend beeinflusst. Hier wollte man einen Bewegungsraum einrichten. Das Konzept der Grundschule am Hollerbusch half dabei, diesen Raum innerhalb von sieben Monaten und mit Hilfe lokaler Sponsoren zu schaffen. „Die Schülerinnen und Schüler nutzen diesen Bewegungsraum mit großer Begeisterung“, berichtet Schulleiter Fichter. „Dort können sie nicht nur ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben, sondern auch auf spielerische Art durch gezielte psychomotorische Übungen für den schulischen Lernerfolg relevante Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln.“ So fahren die Kinder zum Beispiel auf Rollbrettern über den Boden, um Buchstaben zu Wörtern zusammenzusetzen oder Rechenaufgaben zu lösen.
Eine weitere Neuerung, die sich für die Pestalozzi-Grundschule Eisenberg durch die Zusammenarbeit mit den Berlinern ergeben hat, ist der Einstieg in das Comenius-Programm der Europäischen Union, das internationale Schüleraustausche organisiert und die Zusammenarbeit der Schulen auf internationaler Ebene fördert. „Ohne die Anregung der Grundschule am Hollerbusch, die dort bereits mitmacht, hätten wir diesen Schritt, im Juni 2010 Comenius-Schule zu werden, wohl nicht getan“, meint Markus Fichter.
Autor: DZ Online-Redaktion - Ralf Augsburg
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