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„Das sieht ja schon prima aus“, freuen sich die Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse der Ganztagsschule Integrierte Gesamtschule Stromberg. Sie stellen in der Waldwerkstatt des Walderlebniszentrums Soonwald Holzbänke her, mit denen sie ihren Schulhof verschönern möchten. Mittlerweile zeichnen sich erste Erfolge ab.
Das Walderlebniszentrum Soonwald
Das Walderlebniszentrum Soonwald ist im April 2008 eröffnet worden. Auf Wunsch der Bevölkerung wurde die waldpädagogische Einrichtung von den Landesforsten Rheinland-Pfalz in Kooperation mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald errichtet. Mitten im schönen Soonwald gelegen, der mit einer Fläche von 25.000 ha Heimat zahlreicher Tier- und Pflanzenarten ist, finden Schulklassen, Jugendgruppen, Erwachsene und Familien auf rund 9.000 ha Waldfläche des Forstamtes Soonwald genügend Platz, um wunderbare Erfahrungen mit der Natur zu machen. Mit seinen neu eingerichteten Räumen, einem Seminargebäude, Gästehäusern mit insgesamt 80 Betten, einer modern ausgestatteten Selbstversorgerküche, einem Internetzimmer mit umfangreicher Bibliothek, einem Waldlabor sowie einer Waldwerkstatt mit überdachtem Freiarbeitsplatz, ist das Walderlebniszentrum optimal auf seine Besucher vorbereitet.
Der Wald steht im Mittelpunkt
Das Walderlebniszentrum hat sich im vergangenen Jahr zu einem beliebten Ausflugsziel für Schulen entwickelt. „Die Schulen können ein individuelles Programm für einen oder mehrere Tage zusammenstellen“, erzählt der Förster und Leiter des Walderlebniszentrums, Bernd-Peter Räpple. Ein geschultes Team aus Forstfachleuten — Förster, Forstwirtschaftsmeister, Forstwirte und eine Forstwirtin — begleitet das Programm. Bei Bedarf können weitere Mitarbeiter des Forstamtes Soonwald, qualifizierte Honorarkräfte aus dem Bereich Natur-, Umwelt- und Waldpädagogik, hinzugezogen werden.
Die Programme des Walderlebniszentrums, die ein oder mehrere Tage umfassen, sind modular aufgebaut. Im Mittelpunkt steht das Kennenlernen des Waldes in all seinen Facetten und seine nachhaltige Bewirtschaftung. Nachhaltigkeit ist das oberste Gebot der Forstleute für die Nutzung des Rohstoffes Holz. Danach wird nur so viel Holz geerntet, wie nachwachsen kann. Darüber hinaus wird das Funktionieren des Waldes als Netzwerk verdeutlicht: Ändert man an einer Stelle etwas, ändert sich gleich das ganze Gefüge. Im Walderlebniszentrum sollen die Besucher die Ökosysteme ganzheitlich erleben und begreifen. Die Verbindung von Naturerfahrung und sozialem Lernen in der Gruppe ist ein zentrales Anliegen.
Ein vielfältiges Programm
In insgesamt neun Themenbereichen, darunter der „Lebensraum Wald“, die „Wald-Werkstatt“, „Abenteuer Wald“ oder „Sinnesschule Wald“, lassen sich verschiedene Bausteine individuell zusammenstellen. Dazu gehören beispielsweise „Auf leisen Pfoten – Die Wildkatze im Soonwald“, „Wasser gestaltet Waldlandschaft – Quellen und Bäche im Soonwald“, „Für die Pirsch – Bau von Einrichtungen für die Wildbeobachtung“, „Schule gestalten – Bau von Möbeln für den Schulhof oder das Klassenzimmer“, „Geocaching – Schnitzeljagd einmal anders“ oder „Der Wald als Bühne – Theater im Wald“. Das hautnahe Erleben ist für die meisten Kinder und Jugendliche sehr spannend: das Beobachten von seltenen und scheuen Tieren, das Sammeln besonderer Pflanzen, die sie im Waldlabor untersuchen und mit denen sie in der Waldwerkstatt verschiedene Figuren und Gebilde gestalten. Jugendlichen, die sich nicht so sehr für die Natur, sondern mehr für Technik interessieren, kann man den Wald mit Spielen wie dem Geocaching näher bringen. Geocaching ist eine moderne Form der Schatzsuche bzw. Schnitzeljagd. Die Jugendlichen suchen, ausgestattet mit einem Global Positioning System (GPS)-Empfänger und angegebener Koordinaten, die „Schätze“, die die Lehrkräfte an ungewöhnlichen Plätzen versteckt haben. Beliebt sind auch Waldübernachtungen, ein Orientierungslauf mit Karte und Kompass oder Baumklettern unter fachkundiger Anleitung. Der Wald bietet unbegrenzte Möglichkeiten.
Selbst organisiertes Lernen
Das selbst organisierte Lernen steht im Walderlebniszentrum im Vordergrund. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Walderlebniszentrums ist es nicht immer leicht, die Schülerinnen und Schüler „einfach machen zu lassen“ und nur im Notfall einzugreifen. Doch sie wissen, dass die Kinder und Jugendlichen stolz sind, wenn sie etwas allein geschafft haben.
Für die Schülerinnen und Schüler der IGS Stromberg ist das kein Problem. Durch das selbstständige Arbeiten im Ganztagsschulbetrieb sind sie daran gewöhnt. Selbstsicher benutzen sie nach kurzer Anleitung die Werkzeuge in der Waldwerkstatt und fertigen wunderschöne Holzbänke für ihr Schulgebäude. Dass sie das tatsächlich alleine schaffen, hätten sie allerdings nicht gedacht. „Dass wir ganz alleine eine so schöne Bank gebaut haben“, strahlt einer der Jungen begeistert, nachdem er mit den anderen Kindern drei Tage in dem Walderlebniszentrum verbracht hat. Sie freuen sich schon darauf, die Bänke ihren Mitschülern und ihren Lehrerinnen und Lehrern zu präsentieren.
Fortbildungen von und für Förster
Die Förster und Forstwirte, die die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen anleiten, begleiten und unterstützen, sind zuvor vom Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung des Landes Rheinland-Pfalz (IFB) und vom Pädagogischen Zentrum (PZ) pädagogisch geschult worden. Sie haben gelernt, Projekte und Exkursionen selbstständig zu führen und ihr Programm methodisch, didaktisch, lern- und entwicklungspsychologisch aufzubauen und zu gestalten.
Gerne werden die Förster auch selbst als Trainier und Ausbilder herangezogen. Bernd-Peter Räpple führt regelmäßig Lehrerfortbildungen am Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung (IFB) Boppard durch. Da die schulische Umwelterziehung immer wichtiger wird und die Forstleute nicht die gesamte Zielgruppe bedienen können, bilden sie Lehrerinnen und Lehrer darin aus, „draußen“ zu unterrichten. Neben biologischen und ökologischen Themen stehen dabei Aspekte der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung im Vordergrund.
Zertifizierung zur SchUR-Station
Kurz vor Weihnachten 2008 ist das Walderlebniszentrum zur SchUR-Station zertifiziert worden. Der Fachberater Lutz Quester überreichte das Zertifikat von Bildungsministerin Doris Ahnen an Forstdirektor Bernd Closen und den Leiter des Walderlebniszentrums Soonwald, Bernd-Peter Räpple. SchUR-Stationen - „Schulnahe Umwelterziehungseinrichtungen“ in Rheinland-Pfalz sind außerschulische staatliche und kommunale Einrichtungen wie Forstämter oder Naturparkzentren sowie nichtstaatliche bzw. private Einrichtungen wie Naturschutzverbände, Ökostationen und andere. Sie alle wollen eine erste sinnhafte Erfahrung in der Natur ermöglichen, eine emotionale Beziehung zur ihr aufbauen, Sensibilität im Umgang mit der Natur wecken und durch das Lernen in der Natur bzw. in der Umwelt Kenntnisse darüber vermitteln. Es gibt etwa 70 SchUR-Stationen in Rheinland-Pfalz und rund 60 Schulen im Land mit ökologischem Profil, die mit den SchUR-Stationen zusammenarbeiten. In der Nachbarschaft des neuen außerschulischen Lernortes Walderlebniszentrum Soonwald liegen die SchUR-Stationen in Kirchberg, die einen Lernort zur Abfallwirtschaft bietet, und die Waldjugendherberge Sargenroth. Eine SchUR-Station in Form des Walderlebniszentrums gibt es nur einmal in Rheinland-Pfalz. Durch seine einzigartige Lage mitten im Herzen des Naturparks Soonwald - Nahe bietet es, Naturerlebnis pur.
Autor: DZ Online-Redaktion - Petra Schraml
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