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Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz

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Experimente machen Kindern Spaß
16.04.2009

Aus Neugier Naturwissenschaft machen

Das Netzwerk „Nachhaltigkeit – Naturwissenschaftliches Lernen“ (NaWiNa)

Kindlicher Wissensdurst darf nicht frustriert, sondern muss ganz im Gegenteil so früh wie möglich gefördert werden, um nachhaltiges Interesse an naturwissenschaftlichem Handeln und Denken zu gewährleisten. Für das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in Rheinland-Pfalz ist die kindgerechte und frühzeitige Vermittlung naturwissenschaftlicher Lehrinhalte bei der Weiterentwicklung von Grundschulen seit Jahren ein zentraler Aspekt. Beispiele dafür sind die „Experimentierkisten für den Sachunterricht an Grundschulen“ oder der „Teilrahmenplan für den Lernbereich Sachunterricht“, der 2006/2007 eingeführt wurde. Dieser Teilrahmenplan soll Grundschullehrerinnen und -lehrern dabei helfen, kindliche Neugier für naturwissenschaftliche Grundbildung zu nutzen, indem etwa bestimmte Sachverhalte aus fünf verschiedenen Blickwinkeln bzw. Erfahrungsbereichen - Natur, Gesellschaft, Technik, Raum, Zeit - beleuchtet werden.

Netzwerk „Nachhaltigkeit – Naturwissenschaftliches Lernen“ (NaWiNa)
Ein anderes Beispiel ist das Netzwerk „Nachhaltigkeit – Naturwissenschaftliches Lernen“ (NaWiNa), das vom Bildungsministerium initiiert wurde, um Schulen untereinander und mit Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen. Das NaWiNa zählt 20 aktive Mitglieder, die aus unterschiedlichen Kontexten heraus ein breites Angebot von Fortbildungen und Aktionen zur Verfügung stellen, damit es immer mehr Grundschulen gelingt, naturwissenschaftliche Fragestellungen und Methoden erfolgreich in ihren Unterricht zu integrieren. Zu den Mitgliedern des NaWiNa gehören sechs Grundschulen: die Erich-Kästner-Grundschule in Mainz-Bretzenheim, die zweimal jährlich einen Forschertag organisiert und die Grundschulen Göllheim und Niederbrombach, die ihre Erfahrungen aus dem Programm SINUS-Transfer Grundschule einbringen können. Die Grundschule Bockenheim bietet Expertisen zum Einsatz moderner Medien im Unterricht, die Ludwig-Riedinger-Grundschule in Kandel und die Theodor-Heuss-Grundschule in Ingelheim haben Erfahrungen mit Experimenten im Klassenzimmer.

Ebenfalls Mitglied im NaWiNa ist das Wilhelm-Elb-Gymnasium in Winnweiler, das Workshops und Informationen aus der Sekundarstufe liefern kann, sowie der Fachbereich Chemie der TU Kaiserslautern und das naturwissenschaftlich-technische Schülerlabor (NaT-Lab) der Universität Mainz, das neben den so genannten Experimentierkisten auch mit Lehrerfortbildungen aufwarten kann. Das Staatliche Studienseminar für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen in Kaiserslautern stellt Experimentierkisten zur Verfügung und die Stiftung Pfalz Metall naturwissenschaftliche Experimentierstationen. Der Duden Paetec-Verlag bietet spezielle Arbeitshefte und ein Themenlexikon. Darüber hinaus bieten im Rahmen des NaWiNa weitere Institutionen Fortbildungen und Beratungen an: das Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung, die Chemieverbände Rheinland Pfalz, die Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e.V., der Schulverband Landkern, die Landesvereinigung der Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz sowie die Kompetenz- und Organisationsentwicklung der Boehringer Ingelheim GmbH & Co. KG GFB.

Na-Wi-Jahr 2009
Das Ministerium erklärte 2009 zum Na-Wi-Jahr, damit die „Nachhaltigkeitsinitiative zur Weiterentwicklung des naturwissenschaftlichen Lernens in der Primarstufe“ konkrete Gestalt annimmt. „Nachhaltig“, weil sich die Aufgabe nicht darin erschöpft, Grundschulkinder schon früh für Technik und Naturwissenschaften zu begeistern, sondern weil das Anliegen vor allem auch darin besteht, bei den Kindern ein bleibendes Interesse zu sichern, das sich auf die Studien- und Berufswahlwahl auswirken soll.

Für die Durchsetzung dieser Ziele spielt das Netzwerk „Nachhaltigkeit – Naturwissenschaftliches Lernen“ (NaWiNa) eine entscheidende Rolle. Denn die hier stattfindende Vernetzung von Lehrerinnen und Lehrern untereinander sowie von schulischen mit außerschulischen Einrichtungen verbessert den Austausch, steigert die naturwissenschaftlichen Kompetenzen und gibt vielfältige Anregungen. NaWiNa hilft bei der Koordination von Veranstaltungen und bringt unterschiedliche Akteure der Bildungs- und Wirtschaftslandschaft in Rheinland-Pfalz zusammen, sodass Erfahrungen aus mehreren Perspektiven verbunden werden können. Damit ist das NaWiNa ein wichtiges Werkzeug bei der nachhaltigen Unterrichts- und Qualitätsentwicklung des naturwissenschaftlichen Lernens an Grundschulen.

Zahlreiche Veranstaltungen im Na-Wi-Jahr
Im Na-Wi-Jahr 2009 wird es zahlreiche Veranstaltungen für rheinland-pfälzische Grundschulen geben. Das Programm reicht von Experimentier-Workshops wie „Keine Angst vor Feuer“ über das Kinder-Uni-Fest der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz am 27. Juni bis zum Besuch einer Sternwarte mit Udo Klinger vom Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung. Den Auftakt der Nachhaltigkeitsinitiative für das Jahr 2009 bildete aber zunächst die Tagung „Auf kindgemäßen Lernwegen naturwissenschaftlichen Phänomenen auf der Spur“, die das rheinland-pfälzische Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur am 16. Februar 2009 in Mainz ausrichtete. Hier traten neben Vera Reiß und Hans-Josef Dormann als Vertreter des Ministeriums auch zahlreiche andere Akteure des Netzwerks „Nachhaltigkeit – Naturwissenschaftliches Lernen“ in Erscheinung, wie Dr. Christine von Landenberg, die als Ansprechpartnerin der Chemieverbände Rheinland-Pfalz im NaWiNa aktiv ist.

Seit 2007 veranstalten die Chemieverbände des Landes Rheinland-Pfalz Wochenendseminare für Grundschullehrerinnen und -lehrer, die bislang nur für Lehrkräfte der Sekundarstufe angeboten wurden. In diesen Seminaren haben Lehrerinnen und Lehrer die Gelegenheit, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen sowie Expertinnen und Experten aus Forschung und Wirtschaft naturwissenschaftliche Themen wie zum Beispiel „Nachwachsende Rohstoffe“ für den Grundschulunterricht zu erarbeiten. „Verglichen mit Lehrkräften der Sekundarstufe treten viele Grundschullehrerinnen und -lehrer mit einer gewissen Unsicherheit an Naturwissenschaften heran. Denn oft handelt es sich um Fächer, die sie selbst nicht studiert haben. Man könnte also sagen, dass viele Grundschullehrerinnen und -lehrer, die Sachunterricht halten, gewissermaßen fachfremd unterrichten“, erläutert Dr. Christine von Landenberg die Situation. Zum Erfolg der Seminare trägt auch das NaWiNa bei. „Seit wir im Netzwerk aktiv sind, steigen die Anfragen.“ Die sorgfältig zusammengestellte Mischung aus Workshops, Vorträgen und Werksbesichtigungen kommt an. „Wir erläutern nicht nur den naturwissenschaftlichen Hintergrund, sondern geben den Grundschullehrerinnen und -lehrern ganz praktische Anweisungen für den Unterricht“, was diese dankbar annehmen. Nicht selten kommt es vor, dass ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich für ein weiteres Seminar anmelden. Besonders freut sich Dr. Christine von Landenberg über die Begeisterung, die die Lehrerinnen und Lehrer entwickeln, wenn es ans gemeinsame Experimentieren geht. „Da kann man direkt zusehen, wie Forschergeist und Spieltrieb zusammenkommen und das beflügelt die Sache ungemein.“ Das nächste Grundschullehrerseminar der Chemieverbände Rheinland-Pfalz findet am 26. und 27. Juni 2009 in Pirmasens statt, wobei auch ein Besuch des Dynamikums, einem interaktiv angelegten Science-Center, auf dem Programm steht.

Was ist ein Smartboard?
Ebenfalls im Netzwerk vertreten ist Dirk Wagner, der an der Grundschule Bockenheim unterrichtet und über das NaWiNa Seminare im Umgang mit dem so genannten Smartboard anbietet. „Viele Leute wissen überhaupt nicht, was das ist, ein Smartboard. Es handelt sich dabei um eine elektronische berührungsempfindliche Tafel, die sie auch mit einem Computer verbinden können.“ Das heißt, hier muss nicht mehr mit Kreide auf die klassische Schiefertafel geschrieben werden, um etwas anschaulich zu machen. Das Smartboard kann Animationen, Filme oder Fotos abbilden und eröffnet so ein weites Feld von Möglichkeiten für den naturwissenschaftlichen Unterricht, weil es schwer greifbare Vorgänge verständlich darstellen kann. „Die Kinder sind begeistert von der Technik und gehen wie selbstverständlich damit um. Das entspricht schließlich der Welt, in der sie aufwachsen.“ An der Grundschule Bockenheim kommt das Smartboard bereits ab der ersten Klasse zum Einsatz. Die Schülerinnen und Schüler der 4. Klasse halten wie selbstverständlich ihre Referate damit. „Sie können mithilfe des Smartboards z.B. wunderbar zeigen, wie die Darmperistaltik eines Regenwurms funktioniert. Wir haben einen Regenwurm gefilmt und uns dann auf dem Smartboard in Zeitlupe angeschaut, wie die Speisereste durch den Körper wandern. Wie beim Fußball im Fernsehen können sie hier richtig ans Analysieren gehen. Einmal haben Schülerinnen und Schüler eine Libelle mitgebracht, die sie auf dem Pausenhof gefunden haben. Mit einem digitalen Mikroskop haben wir uns dann auf dem Smartboard in starker Vergrößerung die Flügel genauer angeschaut.“

Wenn Dirk Wagner, wie demnächst am 28. April Workshops für andere Lehrerinnen und Lehrer hält, unterstützen ihn Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse dabei. „Sie sind stolz darauf, dass sie ihr Wissen anderen zeigen können und opfern gerne ihre Freizeit dafür.“ Zwei Lehrkräfte bilden dann ein Team, dem jeweils ein Schüler bzw. eine Schülerin zugewiesen wird. Die Viertklässlerinnen und Viertklässler leisten den Lehrerteams dann technischen Beistand, wenn es darum geht, eine Unterrichtseinheit ins Elektronische umzusetzen.

Dass es noch viel zu lernen und zu entdecken gibt, dem trägt das NaWiNa und das Na-Wi-Jahr 2009 mit seinen zahlreichen Aktionen Rechnung. Bei einem so großem Angebot wäre es ein Versäumnis, dem Rat von Hans-Josef Dormann vom Bildungsministerium nicht nachzukommen, der alle Grundschulen dazu einlädt, sich mit den Mitgliedern des NaWiNa in Verbindung zu setzen, um deren Kompetenzen für die eigene Qualitätsentwicklung im Bereich Naturwissenschaften zu nutzen. Aber es ist anzunehmen, dass die Grundschulen genauso neugierig wie ihre Schülerinnen und Schüler sind. Die Mitglieder des NaWiNa warten gespannt auf ihre (An-)Fragen.

Autor: DZ Online-Redaktion - Agnes Frey

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