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Tanja Geißler, zuständig für den Nachwuchskundenmarkt in der Sparkasse Mainz
19.01.2012

"Besonders spannend sind Themen wie Banküberfall oder Falschgeld"

Sparkassen klären Ganztagsschülerinnen und -schüler über den Umgang mit Geld auf

Die Sparkasse Mainz engagiert sich schon seit vielen Jahren an Schulen. Regelmäßig hält sie Unterrichtseinheiten ab, in denen es um Themen wie "Ausbildung", "Wie funktioniert eine Bank", "Überschuldung" und andere geht. Die Online-Redaktion führte ein Interview mit Tanja Geißler. Sie ist in der Sparkasse Mainz zuständig für den Nachwuchskundenmarkt. Hierzu zählt auch der Kontakt zu den Schulen.

 

Online-Redaktion: Frau Geißler, seit wann engagiert sich die Sparkasse Mainz an Schulen?

Tanja Geißler: Aufgrund der Vorgaben des Sparkassengesetzes schon immer. Seit drei Jahren sind wir aber verstärkt im Nachwuchskundenmarkt aktiv und bieten regelmäßig Unterrichtseinheiten in Schulen an.

 

Online-Redaktion: Welche Themen haben die Unterrichtseinheiten?

Geißler: Unser Angebot an Themen ist breit gefächert. Im Rahmen des Themas "Ausbildung" beispielsweise klären wir die Schülerinnen und Schüler darüber auf, welche sparkassen- oder bankspezifischen Ausbildungen sie machen können. Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie man eine gute Ausbildungsmappe erstellt, wie man sich bewirbt und auch, welche Umgangsformen erwartet werden. Jugendliche müssen wissen, wie man sich bei einem Vorstellungsgespräch oder im Betrieb richtig verhält und was man auf jeden Fall vermeiden sollte. Für diese Informationen sind die Schülerinnen und Schülern auch sehr dankbar.

Interessant sind auch die Unterrichtseinheiten "Falschgeld", "Wie funktioniert das Girokonto?" - wofür braucht man es, und wie funktioniert der ganze Zahlungsverkehr - oder auch ganz allgemein "Wie funktioniert eine Bank?". So war zum Beispiel eine Grundschulklasse bei uns, die einen unserer Führungskräfte dazu interviewen durfte. Auch unser Vorstandsvorsitzender hat schon in der Schule von seinen Aufgabenfeldern berichtet. Ganz aktuell werden auch Themen nachgefragt, die die momentane Situation in der Eurozone betreffen, zum Beispiel "Wie hält die EZB den Euro stabil?" oder "Woher kommt die Finanzkrise?".

Aber auch jenseits der "klassischen" Bankthemen bieten wir Veranstaltungen an. Ganz aktuell liegt uns am Herzen, den Jugendlichen den richtigen Umgang mit dem Internet und den neuen Medien zu vermitteln. Hierzu haben wir in 2011 gemeinsam mit der Stadt Mainz und der Initiative "Medienkompetenz 2.0" Veranstaltungen für Schüler, Lehrer und Eltern angeboten, die für Gefahren sensibilisierten, ohne Panik zu verbreiten.

 

Online-Redaktion: Wer führt an den Schulen die Kurse durch?

Geißler: Das ist abhängig vom jeweiligen Themengebiet. Für alle Themen rund um Ausbildung und Bewerbung sind die für die Ausbildung zuständigen Kolleginnen der Personalabteilung zuständig. Den Bereich der Wirtschaftskunde und alle bankspezifischen Themen decken entweder meine Kollegin Rita Kowalski - sie ist Diplomhandelslehrerin und führt bei uns darüber hinaus den hausinternen Unterricht der Azubis durch - oder ich ab. Ich unterrichte auch die Sparkassen-Auszubildenden aus Rheinland-Pfalz, unter anderem an der Sparkassenakademie in Schloss Waldthausen.

 

Online-Redaktion: In welchem Umfang finden die Kurse statt?

Geißler: Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben schon Projekte mit Schulen gehabt, zum Beispiel mit der Ganztagsschule in Angebotsform Realschule plus Mainz-Lerchenberg, in der wir über einen längeren Zeitraum einmal in der Woche eine Unterrichtseinheit durchgeführt haben. Es kann aber auch sein, dass eine Schule einen Nachmittag oder einen Vormittag unter ein spezielles Thema stellen möchte. Wir sind da sehr flexibel und richten uns ganz nach der Schule.

 

Online-Redaktion: Können sich die Schulen ein Thema auswählen?

Geißler: Meistens läuft es so, dass die Schulen anrufen oder vorbei kommen und mit uns gemeinsam besprechen, welches Thema gerade am besten in ihren Stoffplan passt und in welcher Form es durchgeführt werden sollte. Was zum Beispiel im Moment brandaktuell ist, und von sehr vielen Schulen ausgewählt wird, ist das Thema "Überschuldung". Die Schulen bitten uns, den Jugendlichen zu erklären, was sich hinter der Schufa verbirgt und worauf man achten muss, um nicht in die Schuldenfalle zu gelangen. Viele Lehrer merken, dass manche ihrer Schüler ein Problem damit haben, den Wert des Geldes richtig einzuschätzen. Es ist heute so einfach "reinzufallen". Überall locken 0%-Finanzierungen, Handys, Internet und andere Dinge, die oft viel Geld kosten.

 

Online-Redaktion: In welchen Fächern werden die Kurse angeboten?

Geißler: Meistens in Wirtschaftskunde, in den Grundschulen zum Beispiel auch im Sachkundeunterricht. Beteiligen sich die Schulen an dem Projekt "Schüler lesen Zeitung", wird es auch gerne im Rahmen dieses Projekts angeboten.

 

Online-Redaktion: Wie reagieren die Schülerinnen und Schüler?

Geißler: Das ist sehr altersabhängig. Bei Themen, welche die Kinder und Jugendlichen aus dem eigenen Umfeld kennen und die für sie einen hohen Stellenwert einnehmen, ist die Beteiligung immer sehr rege. Die Schülerinnen und Schüler der Realschule plus am Lerchenberg beispielsweise haben die 9. und 10. Klasse besucht, standen kurz vor dem Abschluss und haben gemerkt, dass die Themen "Geld" und "Ausbildung" für sie jetzt relevant werden. Sie waren sehr an unseren Ausführungen interessiert.

Sehr aufmerksam sind die Schülerinnen und Schüler auch dann, wenn wir Kurse anbieten, die an ihrer Schule in Projektwochen zum Thema "Ausbildung" eingebaut werden. Die Kinder können auswählen, in welchen Kurs sie gehen und sind dementsprechend auch sehr motiviert. Im Grunde begeistern sie sich für alles, was "echt" ist, also in der Wirklichkeit so passiert und nicht nur bloße Theorie ist.

Spannend wird es natürlich auch dann, wenn es um Themen wie "Banküberfall" oder "Falschgeld" geht. Das macht den Schülern unwahrscheinlich viel Spaß. Gerade Jüngere finden es auch toll, wenn sie zu uns in die Sparkasse kommen und dann einen Blick auf den Kundentresor oder auf eine Geldzählmaschine werfen dürfen.

 

Online-Redaktion: Bieten andere Sparkassen ebenfalls solche Seminare an Schulen an?

Geißler: In der einen oder anderen Form bestimmt. Das ist ein Teil unseres öffentlichen Auftrags. In der Sparkassensatzung ist verankert, dass auch die Wirtschaftsbildung der Jugendlichen ein wichtiger Aspekt ist. Dabei praktizieren wir das nicht als Sparkassenverkaufsveranstaltung. Wenn wir an Schulen gehen, geht es uns darum, Wissen zu vermitteln. Wir versuchen so viele neutrale Unterrichtsmedien wie möglich zu benutzen. Natürlich steht auf einem Überweisungsträger oder auf einem Ausdruck aus dem PC "Sparkasse Mainz", aber die normalen Unterrichtsmaterialien sind so neutral wie möglich.

 

Online-Redaktion: Werden die Inhalte, die Sie anbieten, mit dem Verband abgesprochen?

Geißler: Es gibt Vorlagen vom Verband, an denen wir uns orientieren. Auch der Sparkassenverlag erstellt Unterrichtsmedien für Schulen, welche die Schulen erwerben können. Es gibt auch bestimmte Websites, die kostenloses Informationsmaterial bereitstellen.

 

Online-Redaktion: Was macht Ihnen an Ihrer Tätigkeit am meisten Spaß?

Geißler: Am spannendsten ist die abwechslungsreiche Tätigkeit. Es ist eine bunte Mischung mit viel Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen. Und es ist schön zu sehen, wenn man den Kindern mit den durchgeführten Aktionen eine Freude machen und ihnen wichtige Tipps fürs Leben geben kann!

 

Tanja Geißler hat eine Ausbildung bei der Sparkasse absolviert und war zunächst in der Personalabteilung der Sparkasse Mainz für die Auszubildenden zuständig. Heute ist sie Bankfachwirt und verantwortlich für den Nachwuchskundenmarkt, also alle Kunden von 0 bis 18 Jahren.

Autor: DZ Online-Redaktion Petra Schraml

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