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Im dritten Jahr bietet die Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz das Projekt "Apotheke macht Schule" an. Mit wachsendem Erfolg! Jedes Jahr buchen mehr Schulen das kostenfreie Angebot, das in Form von Vorträgen über Themen aufklärt, die Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte beschäftigen. Die Online-Redaktion sprach mit der Projektleiterin Dr. Tatjana Surowy über die Ziele des Projekts und die Reaktion der Schülerinnen und Schüler.
Online-Redaktion: Frau Dr. Surowy, wie entstand die Idee zu dem Projekt "Apotheke macht Schule"?
Tatjana Surowy: Apotheker beraten ja täglich Patienten rund um ihre Erkrankungen und die Arzneimittel. Wie das Arzneimittel richtig anzuwenden ist oder was der Patient bei der Einnahme beachten muss, sind wichtige Fragestellungen für die Patienten. Apotheker beraten aber auch über nicht medikamentöse Maßnahmen zur Verbesserung der Erkrankung. Die Frage "Was kann ich denn tun, um überhaupt gesund zu bleiben?" liegt nahe. Diese Frage war dann auch 2007 Anlass für die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, das Projekt "Apotheke macht Schule" ins Leben zu rufen. 2009 war es dann auch dank der Unterstützung des Bildungsministeriums bei uns in Rheinland-Pfalz so weit. Seitdem gehen Apotheker in rheinland-pfälzische Schulen und informieren Schüler, Eltern und Lehrer über das Gesundbleiben, ganz im Sinne der Primärprävention.
Online-Redaktion: Wer ist für das Projekt verantwortlich?
Surowy: "Apotheke macht Schule" wird in Rheinland-Pfalz von der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz durchgeführt. Mittlerweile haben sich dem Projekt einige Bundesländer wie zum Beispiel Berlin, Hessen und Niedersachsen angeschlossen. Jede Apothekerkammer in den Bundesländern führt das Projekt eigenständig durch.
Online-Redaktion: Welche Ziele werden mit dem Projekt verfolgt?
Surowy: Ziel ist es, ein Bewusstsein für Gesundheit schon bei den jungen Menschen zu wecken. Das ist gar nicht so leicht, denn sie stehen unter gesellschaftlichen Zwängen, vielleicht sogar einem Gruppendruck. Deshalb konzentrieren wir uns bei den Schülervorträgen auf Themen, die in ihrem Alter schon eine Relevanz haben. Dabei legen wir großen Wert auf werbeneutrale Darstellung.
Online-Redaktion: Was ist Ihre Aufgabe dabei?
Surowy: Ich bin diejenige, die innerhalb der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz für die Organisation dieses Projektes verantwortlich ist. Ich bin die Ansprechpartnerin sowohl für die Schulen als auch für die Apotheker, die im Rahmen des Projekts tätig sind und an die Schulen gehen.
Online-Redaktion: Sprechen Sie auch die Schulen an?
Surowy: Wir haben ja zum Glück die Unterstützung vom Bildungsministerium. Es informiert alle rheinland-pfälzischen Schulen unabhängig von der Schulform über das Projekt mittels elektronischer Post regelmäßig am Anfang des Schuljahres oder auch - wenn sich in unserem Angebot etwas ändert - während des Schuljahres. Wenn die Schulen Interesse haben, melden sie sich bei mir, buchen einen kostenfreien Vortrag, und ich vermittle ihnen dann einen Apotheker. Dabei gehe ich nur nach dem Kriterium der örtlichen Nähe vor.
Online-Redaktion: Wie wird das Projekt an den Schulen durchgeführt?
Surowy: Der zuständige Apotheker nimmt Kontakt mit der Schule auf und vereinbart einen Termin. Wenn es um einen Schülervortrag geht, wird er während des Unterrichts eingeladen, zwei Unterrichtseinheiten durchzuführen, die dann meistens in der Schule stattfinden. Wenn es ein Eltern- oder Lehrervortrag ist, wird üblicherweise abends zum Vortrag eingeladen. Aber auch die Integration eines Vortrags in Projektwochen oder Workshops der Schulen ist denkbar.
Online-Redaktion: Welche Themen stehen im Vordergrund?
Surowy: Mittlerweile bieten wir sechs Themen für Schüler, zum Beispiel "Essstörungen – wiegst Du noch oder lebst Du schon?" oder "Pickel – (k)ein Problem", sowie zwei Vorträge für Eltern und einen für Lehrkräfte an.
Wir legen bei den Vorträgen besonderen Wert auf den Bereich Normen und Ethik. Es sind Themen, die die Schülerinnen und Schüler jetzt in ihrem Alter berühren. Und vielleicht sind sie betroffen, weil sie irgendwelchen gesellschaftlichen oder Gruppenzwängen unterliegen. Deshalb halten wir es für enorm wichtig, den Bereich der Normen nach den Fragestellungen "Was ist eigentlich normal?" und "Was ist ethisch vertretbar?" themenabhängig zu beleuchten.
Die Schüler bekommen während der Vorträge von den Apothekern auch Adressen von Ansprechpartnern, an die sie sich wenden können, wenn sie eines der Probleme betrifft.
Online-Redaktion: Wie erfolgreich sind präventive Maßnahmen?
Surowy: Dass präventive Maßnahmen ihre Bedeutung und Berechtigung haben, zeigt allein die Tatsache, dass gesetzliche Krankenkassen ihren Erfolg ebenfalls erkannt haben. Gesetzliche Krankenkassen bezuschussen für ihre Mitglieder sogar Kurse, die der Gesunderhaltung dienen. Den Erfolg der Prävention kann man nicht mehr verleugnen.
Online-Redaktion: Wie weit verbreitet ist die Einnahme von Medikamenten bei jungen Menschen?
Surowy: Medikamente können nicht nur auf ärztliche Verschreibung, sondern auch ohne diese erworben werden. Und das genauso von Jugendlichen wie auch von Erwachsenen. Es ist also grundsätzlich davon auszugehen, dass heutzutage auch junge Menschen bereits Medikamente, beispielsweise zur Leistungs- und Konzentrationssteigerung im Unterricht oder während einer Klausur, unkontrolliert einnehmen. Mit dem Vortrag "Doping für den Alltag – Lifestyle-Drogen für jede Lebenslage" nehmen wir diese Problematik auf. Hier sprechen wir gezielt die Wirkungen und Nebenwirkungen von Koffein, aber auch von Schlankmachern und Testosteron an.
Online-Redaktion: Wie reagieren die Schülerinnen und Schülern auf die Vorträge?
Surowy: Wir führen jedes Jahr eine Evaluation durch. Wir befragen die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und Lehrer, wie ihnen der Vortrag gefallen hat. Vergangenes Jahr befragten wir 1.300 Schülerinnen und Schüler. 1.100 Jugendliche bejahten die Fragen, ob das Thema interessant ist, ob sie sich gut informiert gefühlt haben, ob sie gut zuhören konnten, ob sie den Referenten als Fachmann wahrgenommen haben, und ob das Thema auch eine Relevanz für sie hat. Diese Zahlen sprechen für sich.
Online-Redaktion: Haben junge Menschen schon ein Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise?
Surowy: Auf jeden Fall! Die Resonanz auf das Thema ist so gut, dass sowohl von Seiten der Lehrer als auch der Schüler das Thema "gesunde Ernährung" bei uns abgefragt wurde, das wir bisher noch nicht im Programm hatten. Wir bieten deshalb seit Beginn dieses Schuljahres den neuen Vortrag "Gesund schmeckt besser" an.
Online-Redaktion: Das Projekt läuft seit zwei Jahren. Welche Pläne haben Sie für die kommenden Jahre?
Surowy: Wir sind seit Beginn des Schuljahres 2009/2010 dabei, also jetzt im dritten Jahr. Wir haben im zweiten Schuljahr gemerkt, dass das Interesse seitens der Schulen gestiegen ist. Wir haben im ersten Schuljahr 63 Vorträge in Rheinland-Pfalz halten können, im zweiten Schuljahr haben wir die 100 bereits überschritten und gehen stark davon aus, dass im dritten Schuljahr und in den kommenden das Interesse zumindest konstant bleibt, wenn nicht sogar ansteigt.
Das Projekt ist in den vergangenen beiden Jahren so erfolgreich verlaufen, dass wir auch für die Eltern einen weiteren Beitrag konzipiert haben. Wir haben angedacht, das Thema "Läuse, Zecken und Co." mit ins Programm zu nehmen. Ich hoffe, dass die Planung so weit voranschreitet, es in diesem Schuljahr noch anbieten zu können, denn hier handelt es sich wirklich um ein Brennpunktthema für Eltern.
Autor: DZ Online-Redaktion Petra Schraml
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