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Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur

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Homepage Rheinland-Pfalz

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Lernen für den Ganztag

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Serviceagentur Ganztägig Lernen

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Ganztagsschul- Verband GGT e.V.

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Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz

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Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Beim Energieparcours konnten die Schüler selbst Energie erzeugen.

Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Beim Energieparcours konnten die Schüler selbst Energie erzeugen. Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Johannes Jung, Referatsleiter Ganztagsschule im MBWJK, begrüßt vor der Bühne die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ganztagsschulmesse. Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Bei strahlendem Sonnenschein wäre das Zelt vor der Bühne für die Zuschauer gar nicht nötig gewesen. Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Ein Schüler zeigt sein handwerkliches Können am Stand der Handwerkskammer Koblenz. Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Die Messe machte Laune - auch bei den Damen des Lesesommers Rheinland-Pfalz, wie man sieht. Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Ein originelles Angebot für ein Engagement an Ganztagsschulen machte der Deutsche Bridge-Verband, der den Schülerinnen und Schülern das "Schach der Kartenspiele" nahe bringen möchte. Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Im Orientalischen Vorlesezelt erzählte der Autor Ibrahima Ndiaye (Ibo) Geschichten aus seiner alten Heimat Senegal. Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Lernort Bauernhof: Moderator Norbert König (r.) interviewte (v.r.) Dr. Annegret Schwarz, Dr. Ulrich Hampl, Elke Papel und Claudia Leibrock. Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: An einer Kletterwand konnten die Kinder und Jugendlichen ihren Mut und ihre Geschicklichkeit austesten. Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Dr. Richard Hartmann, Abteilungsleiter im MBWJK, bei der Preisziehung der landesweiten Verlosung des Lesesommers Rheinland-Pfalz. Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Begehrt waren die Autogramme des tschechischen Fußballspielers Filip Trojan von Mainz 05. Ganztagsschulmesse in Mainz 2009: Zusammen mit Moderator Norbert König (l.) zog Staatssekretärin Vera Reiß ein Fazit der Ganztagsschulmesse.
08.10.2009

Musik, Mobilfunk und Juniorunternehmer

Vielfältige Angebote auf der Ganztagsschulmesse in Mainz

Nicht alles, aber manches war neu bei der Messe der außerschulischen Partner, die in ihrer fünften Auflage am 28. September 2009 stattfand. Erstmals lief die Veranstaltung unter dem Namen „Ganztagsschulmesse“ und zum ersten Mal kamen die externen Partner nicht nach Bad Kreuznach, sondern ins Carl-Zuckmayer-Schulzentrum in Mainz-Lerchenberg. Ansonsten aber blieb alles beim Alten. Bemerkenswert war aber, dass sich die Zahl der Aussteller auf über 50 erhöhte, wobei erstmals auch Schülerfirmen ihre Konzepte und Produkte präsentierten. Auch die Besucherzahl stieg nochmals auf etwa 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

"Wir hatten das Gefühl, dass es Zeit war, etwas zu verändern", erklärte Johannes Jung, Referatsleiter Ganztagsschule im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur (MBWJK) bei herrlichem Wetter auf dem weitläufigen Gelände des Schulzentrums. Der neue Veranstaltungsort begeisterte nicht nur Johannes Jung, sondern fand allgemeinen Zuspruch, ebenso wie die professionelle Organisation mit einem hervorragend gestalteten Katalog und einem über das Gelände führenden Parcours, der es ermöglichte, alle Stationen nacheinander zu besuchen.

Neben den in der Turnhalle aufgebauten Ständen der Kooperationspartner warteten verschiedene Attraktionen auf dem Schulhof auf die jüngeren und älteren Besucher: Auf gespannten Seilen konnte man die dem Seiltanz verwandte Trendsportart Slackline ausprobieren, in einer Hüpfburg springen, sich an einem Kletterbaum und an einer Kletterwand ausprobieren sowie auf einem Fahrradparcours Geschicklichkeitsübungen versuchen. Auf einem Energieparcours konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über das Thema Energiesparen in Schulgebäuden informieren und in einem Zelt lasen die Autoren Ibrahim Ndiaye und Markus Orths aus ihren Büchern.

Vielfältige Angebote auf dem "Messegelände"
Die Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft Elektrotechnik der Realschule plus Betzdorf präsentierten eine fast 50 Jahre alte "Programmwalze", die sie durch die Erstellung und Verwendung neuer elektronischer Schaltungen wieder nutzbar gemacht haben. Die Arbeitsgemeinschaft Keramik derselben Schule zeigte Exponate zum Thema "20 Jahre Mauerfall".

Die Themenvielfalt spiegelte sich auch in den zehn Workshops und auf der Bühne wider, wo den ganzen Tag über ein von Nobert König begleitetes Programm geboten wurde. Zum "Talk zur vollen Stunde" begrüßte der ZDF-Sportmoderator beispielsweise ein Expertenquartett, welches das Modellprojekt "Lernort Bauernhof" vorstellte. Bei diesem auf zwei Jahre angelegten Modellprojekt der Landesregierung und der Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz bieten 45 Betriebe interessierten Schulklassen mehr als eine reine Hofführung. Die Schülerinnen und Schüler lernen etwas über Anbau, Verarbeitung und Vermarktung von Obst, Wein, Gemüse, Kräutern, Getreide und Kartoffeln, die Haltung von Rindern, Geflügel, Pferden und Bienen, die Verarbeitung von Milch, Getreide und Fleisch sowie über die Energieproduktion.

Die Bauern verpflichten sich im Rahmen des Modellprojektes zu einem dauerhaften und verlässlichen Angebot sowie zu einer Fortbildung zum Projektstart und zu einer eintägigen Evaluationsveranstaltung zu Beginn des zweiten Jahres. Die Informationen werden schülergerecht aufgearbeitet und das Angebot in einer Internet-Datenbank veröffentlicht.

Natur zum Anfassen
Dr. Annegret Schwarz vom MBWJK erklärte, dass dieses Projekt den Schülerinnen und Schülern ermögliche, "mit allen Sinnen direkt vor Ort zu erfahren, was sie sonst nur theoretisch vermittelt bekommen". Elke Pape vom Biohof Bölingen konnte dies bestätigen: "Es ist schön zu sehen, wenn Sieben-, Acht- oder Neuntklässler bei einem Besuch bei uns die Hemmschwelle vor der Natur abbauen und nicht mehr automatisch alles sofort eklig oder zum Fürchten finden." Besonders die Bienen in den Schaukästen und die Geschmacksverkostung im Herbst begeistere die Kinder und Jugendlichen: "Viele wussten zuvor gar nicht, wie viele verschiedene Apfelsorten und Geschmacksrichtungen es gibt."

Claudia Leibrock von der Evangelischen Landjugendakademie erklärte, dass das Wissen um die Entstehung und die Herkunft von Lebensmitteln abnehme. Die Kooperation von Schulen mit dem Lernort Bauernhof könne dagegen etwas tun. Darüber hinaus werden Themen wie Ökonomie und Globalisierung aus Sicht der Landwirtschaft erfahrbar gemacht. Laut Dr. Ulrich Hampel, Leiter des Gutes Hohenberg, eines Seminarbauernhofs der Stiftung Ökologie und Landbau, wollten sich noch viel mehr Bauernhöfe an dem Projekt beteiligen, aber nicht alle hätten die erforderlichen Voraussetzungen mitgebracht. Annegret Schwarz ist sich sicher: "Es wird nicht bei den 45 Schulen bleiben. Unser Bestreben ist es, das Projekt über die zwei Jahre hinaus zu gewährleisten."

Ein Projekt, das jetzt erst startet, ist "MyMobile". Katja Friedrich, Geschäftsführerin von medien+bildung.com, stellte dieses auf der Bühne vor: "Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler: Schalten Sie Ihr Handy nicht aus – denn der Unterricht mit 'MyMobile' beginnt!“ Erstmals bindet ein Projekt das Handy systematisch in den Fachunterricht ein, erprobt neue Methoden und Wege des Lernens, um die Chancen auszuloten, die in dem kleinen Multimedia-Gerät stecken.

Handy als Teil des Unterrichts
medien+bildung.com arbeitet dabei mit unterschiedlichen Schulen und Lehrkräften verschiedener Fachrichtungen zusammen. Im Fachunterricht unterrichten je ein Medienpädagoge und ein Fachlehrer gemeinsam und beziehen die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Umgang mit dem Handy ein. Die Projektarbeit beginnt in den ersten beiden Partnerschulen, dem Elisabeth-Langgässer-Gymnasium in Alzey und dem Thomas-Morus-Gymnasium in Daun. "Dort war man von unserer Anfrage begeistert, wir mussten die Schulen gar nicht groß überzeugen", erinnerte sich Katja Friedrich. "Die Schulen sollen Lust bekommen, selbst etwas auszuprobieren, und merken, dass die Beschäftigung mit diesem Thema nicht so schwierig ist, wie es vielleicht zunächst scheint."

'MyMobile' läuft bis zum Dezember 2010 und wird von dem Medienpädagogen Prof. Dr. Ben Bachmair beraten sowie von Prof. Dr. Heinz Moser von der PH Zürich evaluiert. Die Projektergebnisse werden anschließend veröffentlicht. "In dem Projekt steckt ein großes Entwicklungspotenzial", ist sich Katja Friedrich sicher.

Anfang 2009 startete mit "edura" ein weiteres Projekt, das medien+bildung.com und CoLab gGmbH aus Speyer gemeinsam verantworten. Die CoLab gGmbH ist eine Einrichtung, die jugendliche Zuwanderer, bevorzugt aus dem russischsprachigen Raum, "von der Straße" holt und ihnen mit einem medienpädagogischen Ansatz eine Perspektive auf einen Einstieg ins Berufsleben gibt.

Schulen machen ihr eigenes Radioprogramm
Der Medienpädagoge und Projektleiter Stefan Griesinger erläuterte das "edura"-Projekt: "Für viele Schulen besteht das Problem, dass sie selbst produzierte Hörfunkbeiträge nicht senden können, weil sie über keinen Hörfunksender verfügen. Hier hilft unsere Internet-Plattform edura, die als Radiostation fungiert. Interessierte Schulen bekommen ihre eigene Homepage zur Verfügung gestellt, auf die sie ihre Beiträge hochladen und ergänzende Texte und Fotos einstellen können." Das Portal setzt dann die Beiträge zu einem 24-Stunden-Radioprogramm zusammen.

Edura bietet auch Beratung, Fortbildungen und Workshops für Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus können Schulen, die über kein Aufnahmegerät verfügen, mit dem Radiokoffer eine praktische Alternative in Anspruch nehmen. Der Radiokoffer ist ein mobiles Radiostudio "im Westentaschenformat", mit dem sich unkompliziert Sendungen produzieren lassen. "Es ist einfach zu bedienen und robust", wirbt Griesinger. Die zweijährige Pilotphase bis 2011 wird auch durch die Multimedia-Initiative des Landes Rheinland-Pfalz ermöglicht.

Musik spielt an der Grundschule Gau-Odernheim eine große Rolle. Die 2. Klasse der Ganztagsschule zeigte im Workshop "Aufbauender Musikunterricht an Ganztagsgrundschulen" ihr Können an den Streichinstrumenten. Mit dem "aufbauenden Unterricht" sollen die Kinder am Ende der Grundschulzeit grundlegende Kompetenzen im Umgang mit Notation und mit einem Streichinstrument erworben haben. "In der 1. Klasse erlernen die Schülerinnen und Schüler die Tonleiter", berichtete Kurt Steffens von der Musikschule des Landes Alzey-Worms den Workshop-Teilnehmern und "ab der 2. Klasse dann das Spielen auf einem Streichinstrument."

Eigenständiges Üben der Streichinstrumente
Steffens ist zweimal in der Woche vormittags mit einer Lehrerin gemeinsam in einer Klasse, wobei beide im steten Wechsel unterrichten und korrigieren. Das Üben bleibt den Kindern in Kleingruppen selbst überlassen. "Da sie das Lernen in Kleingruppen an unserer Schule gewohnt sind, klappt das auch", erzählte Schulleiterin Susanne Rammenzweig-Fendel. Die Eltern seien begeistert - eben auch weil das Üben hauptsächlich in der Schule stattfindet. Die Instrumente verbleiben dort; nur am Wochenende nehmen die Kinder ihre Instrumente mit nach Hause.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer interessierten sich natürlich für die Finanzierung dieses Unterrichts. "Die meisten Instrumente gehören bereits der Schule", berichtete Susanne Rammenzweig-Fendel, "einige haben wir angemietet." Durch zwei Spendenaktionen seien in den vergangenen beiden Jahren rund 14.000 Euro zusammen gekommen. "Das funktionierte erstaunlich gut", erinnerte sich Steffens. "Wir waren mit den Kindern zum Beispiel vor Ort bei Banken, die sich von dem Projekt begeistert zeigten." Ganz ohne Kosten für die Eltern geht es allerdings nicht – ein monatlicher Beitrag von 25 Euro wird für den Personaleinsatz fällig. "Qualität hat ihren Preis", meint die Schulleiterin. Man sei damit immer noch wesentlich günstiger als eine Musikschule.

Die Grundschule Gau-Odernheim ist nun im Gespräch mit weiterführenden Schulen, um ein Netzwerk zu schaffen, damit das in der Grundschule Erlernte nahtlos weiter geführt werden kann.

Schüler als Unternehmer
Weniger um die Kunst als um das Kapital drehte sich der Workshop "Schülerfirmenprojekte JUNIOR und JUNIOR-Kompakt", welche Philipp Freese vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln Junior GmbH vorstellte. Als außerschulischer Partner begleitet JUNIOR seit 1994 Schülerinnen und Schüler ab der 9. Jahrgangsstufe – JUNIOR-Kompakt wendet sich an Jugendliche ab der 7. Klasse – an allgemein– und berufsbildenden Schulen. Die Klassen etablieren als auf ein Jahr begrenztes Schülerunternehmen ein Produkt am Markt.

"Man kann das Projekt in den Unterricht integrieren oder als AG führen, bei dem die Lehrkräfte als Schulpaten agieren", erläuterte Freese. "JUNIOR gibt Einblicke in die soziale Marktwirtschaft und unternehmerisches Handeln, es fördert die Berufswahlorientierung und Schlüsselqualifikationen." Die Schülerinnen und Schüler stellen ein Team von 10 bis 15 Personen zusammen und entwickeln eine Geschäftsidee. "Meist sind es Catering, Organisation von Kindergeburtstagen oder das Bedrucken von T-Shirts", berichtete Freese. Die JUNIOR-Geschäftsstelle betreut die Teilnehmer/innen und stellt ihnen ein Kapital von 900 Euro zur Verfügung. Jede Schülerin und jeder Schüler beteiligen sich als Anteilseigner an ihrem "Unternehmen". Nach einem Jahr löst sich das Unternehmen auf und spendet die möglicherweise gewonnenen Überschüsse an die Schule oder an Organisationen.

"In diesem Schuljahr betreuen wir etwa 6.000 Schülerinnen und Schüler, die dadurch lernen, eigenverantwortlich zu arbeiten und am Ende ein Zertifikat erwerben, das man den Bewerbungsunterlagen beifügen kann", führte Philipp Freese aus.

Bei einem Rundgang über das "Messegelände" hatte sich Staatssekretärin Vera Reiß einen Eindruck von der Bandbreite der Themen verschafft. Am Ende der Veranstaltung lobte sie die "tolle Messe", die einen Austausch und Kennenlernen ermöglicht habe. "Der Tag hat wieder gezeigt, dass die Schulen ihre Türen öffnen und nicht nur den reinen Unterricht sehen."

Im Interview spricht Vera Reiß darüber, wie sie diese Ganztagsschulmesse erlebt hat und welche Akzeptanz Ganztagsschulen heute in Rheinland Pfalz haben.

Autor: DZ Online-Redaktion - Ralf Augsburg

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