Rubrik: Schüler/innen
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Wettbewerb
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Was für eine Genugtuung! Es war aber auch ein langer Weg, den die Fritz-Walter-Schule in Kaiserslautern in den letzten zehn Jahren zurückgelegt hat. Unter dem Namen Maxschule hatte die Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen noch in den neunziger Jahren in der Stadt keinen guten Ruf, erinnert sich Schulleiter Gerhard Bold.
Und nun das: Am 5. Mai 2009 erhalten die Schülerinnen Anastasia und Sarah, Konrektor Jürgen Lesmeister und Gerhard Bold aus den Händen von Bundespräsident Horst Köhler im Berliner Schloss Bellevue eine Urkunde überreicht, welche die Schule als 3. Bundessieger im Wettbewerb „Starke Schule“ auszeichnet. Ein Vierteljahr zuvor war die Fritz-Walter-Schule bereits in Mainz zum Landessieger in diesem Wettbewerb gekürt worden und hatte damit das Ticket nach Berlin gelöst, denn die Sieger aus den 16 Bundesländern qualifizierten sich für den Bundeswettbewerb.
Mit den Prämierungen ging ein gesteigertes öffentliches Interesse an der Schule einher: „Noch nie gab es in Kaiserslautern eine Schule, die für ihre besondere Leistung derart viel Lob und Anerkennung erfahren durfte“, schreibt Schulleiter Bold in der aktuellen Ausgabe der Schülerzeitung „Blitzlicht“. Auch in der Elternschaft habe sich das Bild der Schule gewandelt: „Unsere Eltern identifizieren sich stolz mit der Fritz-Walter-Schule. Es gibt sogar Eltern, die aus anderen Gemeinden ihre Kinder bei uns anmelden wollen.“
Leistung des Kollegiums erfüllt den Schulleiter mit Stolz
Die Fritz-Walter-Schule: Ein wundersamer Wandel? Wer die Schule besucht und Gelegenheit hat, mit Schülerinnen und Schülern, Pädagogischen Partnern, Lehrerinnen und Lehrern und der Schulleitung zu sprechen, kommt schnell zu der Erkenntnis: Engagement, Teamgeist und Herzblut haben die Schule zu dem gemacht, was sie heute ist. „Der Wandel in der Wahrnehmung unserer Schule stellt die hervorragende Arbeit des gesamten Kollegiums in besonderer Weise heraus“, freut sich Gerhard Bold. „Mich erfüllt diese besondere Leistung mit großer Freude und macht mich stolz auf meine Kolleginnen und Kollegen.“
Stolz und Freude waren am 10. Februar 2009 besonders groß, als die von Gerhard Bold angeführte Schuldelegation im Mainzer Landesmuseum eine Urkunde für den mit 5.000 Euro dotierten 1. Platz als Landessieger im Wettbewerb „Starke Schule“ von Staatssekretär Michael Ebling entgegennahm. Richtig begeistert sind der Schulleiter und der Konrektor von der Schülerin Sarah, die die Schule im Anschluss an die Preisverleihung mit Hilfe einer PowerPoint-Präsentation vorstellte. „Eine Vertreterin der Deutschen Bank lobte ausdrücklich, sie habe noch von keiner Schülerin und keinem Schüler eine so gute Präsentation miterlebt“, berichtet Jürgen Lesmeister.
„Starke Schule“ ist ein mit rund 220.000 Euro dotierter Wettbewerb der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der Bundesagentur für Arbeit, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Bank Stiftung. Der ehemalige Hauptschulpreis wird seit 1999 alle zwei Jahre ausgelobt. Eine 30-köpfige Jury mit Vertretern aus Schule, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ermittelt zunächst bis zu drei Preisträger pro Bundesland. Aus dem Kreis der 16 Landessieger werden dann die drei Bundessieger sowie die Ränge vier bis zehn bestimmt.
Aus 600 Schulen ausgewählt
"Die prämierten Schulen bieten ihren Schülerinnen und Schülern eine optimale Vorbereitung auf ein selbstbestimmtes Leben und ein selbst erwirtschaftetes Berufsleben. Die Schulen arbeiten intensiv mit vielen externen Institutionen und Unternehmen zusammen und bereiten ihre Schüler systematisch auf den Übergang in den Beruf vor - oftmals bereits ab dem 5. Schuljahr", beschreibt Dr. Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, den Inhalt des Wettbewerbs.
Rund 600 Schulen hatten sich beteiligt. Im Mittelpunkt der Bewertung standen - unter Berücksichtigung der individuellen Situation der Schule - die Förderung der Berufsorientierung und der Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Unter anderem wurden die Vermittlungs- und die Abschlussquoten der Schulen erhoben.
Bei der Preisverleihung in Berlin lobte Laudator Dr. Tessen von Heydebreck, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank Stiftung, die Ganztagsschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen als Lern-, Spiel- und Lebensraum: „Die Lehrer der Fritz-Walter-Schule fördern jeden Schüler individuell nach seiner Leistungsfähigkeit. Alle Schüler profitieren von intensiven Sozialtrainings, bei denen soziale Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen nachhaltig vermittelt werden. Auch die Praxisorientierung ist vorbildlich. Durch die Mitarbeit in Schülerfirmen – unter anderem einer Catering- und einer Malerfirma – bekommen die Schüler einen guten Einblick in die Berufswelt. Ab dem 9. Jahrgang werden besondere Arbeitsklassen gebildet. Zu deren Unterrichtscurriculum gehören wöchentliche Praxistage an der Schule sowie im Arbeits- und Sozialpädagogischen Zentrum.“
Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für die Schulgemeinschaft
Die Arbeitsklasse ist mit dem Schuljahr 2007/2008 eingeführt worden und ein Element der Ganztagsschule in Angebotsform. Um an der Arbeitsklasse teilnehmen zu können, müssen sich die Schülerinnen und Schüler für die Ganztagsschule anmelden. „Dies ist erforderlich, um ein Gleichgewicht zwischen schulischen und beruflichen Themen zu gewährleisten und die Jugendlichen auf einen verlängerten Arbeitsalltag im Beruf vorzubereiten“, erläutert Jürgen Lesmeister.
Dieser verstärkte Bezug zur Arbeitswelt wird durch drei zentrale Bausteine hergestellt: Jeden Freitag nehmen die Schülerinnen und Schüler an einem betrieblichen Praxistag teil. Im 1. Schulhalbjahr besuchen sie einen Betrieb ihrer Wahl, im 2. Halbjahr das Arbeits- und Sozialpädagogische Zentrum in Kaiserslautern. Der Projekttag, der dienstags stattfindet, ist ein schulinterner Tag, an dem die Schülerfirmen „Billard-Café“, „Kiosk“ und „Malerwerkstatt“ arbeiten. Hier übernehmen die Jugendlichen Verantwortung für die Schulgemeinde.
Für den Arbeitstag wird die Projektklasse geteilt: Während die eine Hälfte in der Malerfirma Mal- und Reparaturarbeiten im Schulgebäude durchführt, steht die andere Hälfte mit ihren schwarzen T-Shirts und roten Schürzen als Catering-Team in der Schulküche, wo unter den Augen von Förderschullehrerin Marion Hötte Schülerinnen und Schüler für Kiosk und Billard-Café Schnittchen, Pizza und Suppe zubereiten. Zuvor haben die Jugendlichen eingekauft, später werden sie ihr Selbstgemachtes verkaufen. „Hier lernen sie alles rund um den Service“, erklärt Marion Hötte, „und arbeiten schon sehr selbstständig.“
Arbeitsklasse erhöht Ausbildungsfähigkeit
Für die Schülerinnen und Schüler der Arbeitsklassen gilt ein anderer Rhythmus als für die anderen Ganztagsschüler. Da sie natürlich dann arbeiten und ihre Mahlzeiten verkaufen, wenn die Mitschülerinnen und Mitschüler ihre Pause verleben, haben sie keine Mittagspause, dafür aber andere Pausen.
Marion Hötte ist nicht nur davon überzeugt, dass die Arbeitsklassen die Ausbildungsfähigkeit erhöhen – „die Berufsschule meldet uns zurück, dass unsere Schülerinnen und Schüler eine Menge können und eine gute Vorbildung haben“ –, sondern auch die Motivation steigern: „Mit diesen Klassen kann man Schulmüdere wieder reinmotivieren“, meint die Lehrerin. „Manche blühen regelrecht auf, und Totalverweigerer werden zu Einserkandidaten. Manchmal bekommt man Zugänge zu den Kindern, die man gar nicht vermutet hatte.“
Diese Beobachtung kann Sabine Schwamberger nur unterstreichen. Als Diplompädagogin der SOS-Kinder-und Jugendhilfen Kaiserslautern ist sie seit acht Jahren mit 29 Wochenstunden im Rahmen der Schulsozialarbeit eng in die Schule eingebunden: Sie hat ein eigenes Büro und ist voll im Kollegium integriert. "Wenn ich meine Arbeitsbedingungen hier mit denen in anderen Schulen vergleiche, liegen da Welten dazwischen", ist Sabine Schwamberger angetan.
"Es gibt kein Kind, das nichts kann"
Die Diplompädagogin leitet vier Arbeitsgemeinschaften in der Woche: Die "Fit and Fun"-AG mit Bewegungs- und Ernährungstipps, eine Senioren-AG mit Besuchen in einem Seniorenheim, die Pferde-AG, in der die Kinder in Zusammenarbeit mit einer Reitlehrerin alles über das Pferd, seine Pflege und Haltung erfahren, und die Tierheim-AG. Ein Besuch in der Hundeschule ist Sabine Schwammberger besonders nachdrücklich in Erinnerung geblieben: "Ein sehr zurückgezogener, fast autistischer Junge, der bei nichts mitmachen wollte, hat den größten Hund bekommen, um ihn umherzuführen. Das war für diesen Jungen ein wunderbares Erlebnis - er hat gestrahlt und auf einmal geredet wie ein Wasserfall. Allein für dieses Lachen hat sich meine Arbeit schon gelohnt."
Neben ihren Arbeitsgemeinschaften ist die Diplompädagogin auch in der Bücherei, im Schülercafé und im Projekt "Sozialtraining" engagiert, das der Gewaltprävention und der Steigerung der sozialen Kompetenz dient. Zusätzlich bietet sie Sprechstunden an.
"Es gibt kein Kind, das nichts kann. Jeder kann was - das muss man nur diagnostisch erkennen", befindet Gerhard Bold. Daher sei es auch so wichtig, verschiedene Professionen in die Schulen zu bringen. "Als ich hier anfing, gab es nur Sonderschullehrer", erinnert sich der Rektor. Nach und nach seien andere Berufsgruppen ins Haus geholt worden, was damals nicht üblich gewesen sei. Man wolle in der Fritz-Walter-Schule die Schülerinnen und Schüler als ganzen Menschen sehen.
Gute Rückmeldungen aus den Betrieben
Für Lehrer Andreas Franz sind "Freundlichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit die drei Säulen, auf denen unser Schulleben ruht". Genau diese Tugenden seien auch in Betrieben gefragt, aus denen die Schule dementsprechend auch gute Rückmeldungen erhalte. Die Arbeitsklasse hat sich bewährt und ist so beliebt, dass sie im kommenden Schuljahr 2009/2010 auch auf das freiwillige 10. Schuljahr ausgedehnt werden wird.
Für die Schülerinnen und Schüler, die nicht in den Arbeitsklassen lernen - und das ist bei momentan 212 Kindern und Jugendlichen, davon 108 im Ganztag - die Mehrheit, ist der Bezug zur Arbeitswelt durch das Fach Arbeitslehre gegeben. Dieses Fach wird als Pflichtfach mit Werken und Haushaltsunterricht ab der 6. Klasse gegeben. Für Werken stehen die 2004 eröffneten Werkräume für Holz- und Metallbearbeitung zur Verfügung, die laut Förderschullehrer Klaus Müller "ihresgleichen suchen". Hier werden auch Produkte wie Vogelhäuser hergestellt, welche die Schülerinnen und Schüler jeweils im Dezember auf einem Weihnachtsmarkt verkaufen.
Ab der 7. Klasse erteilen die Lehrkräfte drei Stunden abwechselnd Unterricht in Technik und Haushalt. Dazu kommt eine Wochenstunde Unterricht in Wirtschaft und Berufsvorbereitung. In der Ganztagsschule kann darüber hinaus Arbeitslehre als Wahlpflichtfach gewählt werden. Hier stehen Mofakurs, Pferde-AG, Schulhaus-AG, Computer-AG, Druck-AG und das Schülercafé auf dem Stundenplan.
Selbermachen verhindert Vandalismus
Bei der Schulhaus-AG erledigen sechs Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Hausmeister Jürgen Schäffner Arbeiten, die im Haus und im Garten anfallen. "Rasenmähen ist der Favorit bei den Kindern", erzählt Schäffner. "Immer, wenn es etwas mit Maschinen zu tun hat, sind sie Feuer und Flamme." Auch das Reinigen des Hühnergeheges mit den zehn Hühnern gehört dazu. Das Hühnerhaus ist vor vier Jahren von den Schülerinnen und Schülern gebaut worden - "und seitdem wurde keinem Huhn auch nur eine Feder gekrümmt".
Dass insgesamt Schulgebäude und Gelände von Vandalismus und Schmierereien kaum betroffen sind, führt Andreas Franz auch darauf zurück, dass vieles von den Schülerinnen und Schülern selbst geschaffen worden ist, wie neben dem Hühnerhaus beispielsweise die Rutsche auf dem Pausenhof, die von der AG Pausentraum geplant und umgesetzt worden sind.
Schmuckstück ist der 1,40 Meter tiefe Gartenteich - ein kleines Paradies mit Fischen, Brücke, Wein- und Kiwi-Ranken. Ab 2003 haben Andreas Franz und Jürgen Schäffner gemeinsam mit den Schülerinnen und Schüler ein völlig verwildertes Stück gerodet, begradigt, neu bebaut und bepflanzt. "Hier stecken viel Schweiß und Herzblut drin. Für die Kinder entsteht ein ganz anderer Bezug zu diesem Teil der Schule", meint Andreas Franz. An weiteren Ideen mangelt es nicht: "Wir wollen einen Pavillon und ein Wasserrad bauen und einen Barfußpfad anlegen."
Ausbildungsplätze vor dem Schulabschluss
Nicht nur auf dem eigenen Gelände lernen die Schülerinnen und Schüler etwas über das Arbeitsleben kennen. Die in der Schule erworbenen Kompetenzen werden durch Betriebspraktika ab der 8. Klasse auch in außerschulischen Lernorten erprobt und erweitert. Bereits im 7. Jahrgang erkunden die Klassen Betriebe im Raum Kaiserslautern. Dann folgen zweiwöchige Praktika, die ab der 9. Jahrgangsstufe auf drei Wochen ausgedehnt werden. "Manche unserer Schülerinnen und Schüler haben durch diese Praktika bereits einen Ausbildungsplatz erhalten, noch bevor sie die Schule beendet haben", berichtet Konrektor Lesmeister über einen sehr willkommenen "Nebeneffekt".
Eine besondere Form der Kooperation ist das Engagement von Schülerinnen und Schülern im Seniorenheim St. Hedwig. Montags und mittwochs betreuen sie dort die alten Menschen und helfen beim Mittagessen - zur Begeisterung von Sozialarbeiter Peter Zwing, der die Zusammenarbeit als "Glücksfall" bezeichnet: "Die Kooperation ist super, die Jugendlichen gehören schon richtig dazu. Es ist für uns eine Hilfe und Bereicherung." Solche Angebote, betont Schulleiter Bold, kann man nur als Ganztagsschule machen".
Von Montag bis Donnerstag werden den Schülerinnen und Schülern 26 AG-Angebote unterbreitet. Mittagessen, Freizeit und Hausaufgaben bilden eine umfassende Betreuung, die durch die Pädagogische Fachkraft, Sozialpädagoge Stefan Engel sowie drei Lehrer oder weitere Pädagogische Fachkräfte geleistet werden.
Von den Fähigkeiten der Kinder überrascht
"Die Ganztagsschule ist auf jeden Fall eine Bereicherung", findet Andreas Franz. "Viele Kinder hätten sonst gar nicht die Möglichkeit, vieles von dem durchzuführen, was wir hier anbieten. Wir wecken neue Interessen, und die verschiedenen Aktivitäten steigern das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl der Schülerinnen und Schüler." Die Lehrerinnen und Lehrer seien manchmal selbst überrascht, was die Kinder und Jugendlichen vermögen.
"Bildungspolitik beginnt hier an der Basis. Heute spricht man mit Hochachtung von dieser Schule ", ist Schulleiter Gerhard Bold stolz auf die Arbeit der vergangenen Jahre. "Die Motivationslage der 45 Kolleginnen und Kollegen ist optimal, was sich auch am geringen Krankenstand zeigt. Hier macht es jedem Spaß zu arbeiten - und das ist nicht selbstverständlich."
An der Fritz-Walter-Schule herrscht nie Stillstand. Das zeigt sich derzeit auch äußerlich an gleich zwei Bauabschnitten: Die Turnhalle wird aufgestockt, und eine dringend benötigte Mensa entsteht. Darüber hinaus ist eine Kooperation mit einem Schulbauernhof angedacht.
Autor: DZ Online-Redaktion - Ralf Augsburg
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