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JUNIOR – Schüler und Schülerinnen als Manager/-innen
04.03.2010

Früh übt sich, wer ein Unternehmer sein will

Bei JUNIOR versuchen sich Schülerinnen und Schüler als Unternehmer

Eine eigene Firma eröffnen, Aktien ausgeben, Produkte entwickeln, Dienstleistungen vermitteln – bereits Schülerinnen und Schüler ist es möglich, sich in der Berufswelt zu versuchen. Mit Hilfe des JUNIOR-Projektes des Instituts der deutschen Wirtschaft verkaufen zwölf Jugendliche des Mainzer Theresianums zum Beispiel Fortbildungen zur Medienkompetenz.

„Blattlaus“, „Party Paten“, „Printissimus“, „Wunderbar – Wandelbar“ oder „Skandale, Macht und Glühwürmchen“ – die Titel sind so phantasievoll wie die Ideen vielfältig. Und dabei ist der Hintergrund doch so theoretisch: Wirtschaft.

Das ist vielleicht das größte Plus an JUNIOR, einem Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft: die Verwandlung so ernster, erwachsener Themenkomplexe wie Selbstständigkeit, Unternehmergeist, Kalkulation und Buchführung in eine gut austarierte Balance zwischen Spiel und Ernst durch das Engagement von Schülerinnen und Schülern.

Bei JUNIOR ab der 8. Klasse und dem Programm JUNIOR-Kompakt ab der 7. Klasse sollen Schülerinnen und Schülern durch eine reale Schülerfirma ein grundsätzliches, betriebswirtschaftliches Denken und Handeln erlernen. Teilnehmen können Gruppen von acht bis 15 Schülerinnen und Schülern aller Schulformen. Diese gründen auf ein Schuljahr befristet ein Schülerunternehmen auf Basis einer Aktiengesellschaft. Sie ersinnen Geschäftsideen, tüfteln Marketing-Strategien aus und steuern Aktienverkäufe.

Das eigentliche Ziel des Projekts ist es, Schlüsselqualifikationen wie Selbstständigkeit, Verantwortung und Teamfähigkeit zu erwerben sowie eine erste Hilfestellung zur Berufswahlorientierung zu bieten. „Wir möchten natürlich auch den Existenzgründungsgedanken vertiefen“, erklärt Susanne Grimminger, Projektkoordinatorin für Hessen und Rheinland-Pfalz.

Einkaufsservice für Senioren, Eierbecher mit integriertem Salzstreuer und vieles andere mehr
Die Teilnahme an dem Projekt ist wie auch die Betreuung durch die JUNIOR-Geschäftsstelle des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln kostenlos. Das Institut finanziert das bundesweite Programm seit 1994 auch mit Hilfe von Sponsoren. Seit dem Start haben in Deutschland knapp 54.000 Schülerinnen und Schüler an allgemein- und berufsbildenden Schulen teilgenommen und dabei 3.892 Unternehmen gegründet. Im laufenden Schuljahr arbeiten 6.456 Jugendliche in 446 Firmen.

Die verwirklichten Geschäftsideen umfassen dabei sowohl Produkte als auch Dienstleistungen und decken ein breites und buntes Spektrum ab. So haben die Schülerinnen und Schüler beispielsweise schon lebensgroße Silhouetten-Figuren von spielenden Kindern zur Verkehrsberuhigung gebaut, Wasserstandprüfgeräte für Blumentöpfe hergestellt, einen Reinigungsservice für Zahnprothesen angeboten oder einen Einkaufsservice sowie Handy- und Computerkurse für Senioren organisiert.

Aus ausrangierten Autositzen entstanden Designer-Stühle, die Jugendlichen konzipierten Eierbecher mit integriertem Salzstreuer oder Handtaschen mit Innenbeleuchtung. „Im Grunde haben die Schülerinnen und Schüler freie Auswahl bei ihrem Engagement“, erklärt Susanne Grimminger. „Wir genehmigen nur einige Bereiche grundsätzlich nicht wie zum Beispiel gefährliche Tätigkeiten, den reinen Wiederverkauf von Waren, Kinderbetreuung oder die Verarbeitung von Lebensmitteln.“

In der jeweils zweiten Schuljahreshälfte finden JUNIOR-Infoveranstaltungen statt. Dabei erhalten interessierte Lehrkräfte ausführliche Materialien zum Projekt und seiner Durchführung. Finden sich dann ausreichend Schülerinnen und Schüler für das Vorhaben, senden sie ihre Geschäftsidee an die Junior-Geschäftsstelle, welche die Idee prüft. Bei Genehmigung erhalten die Jungunternehmer in Workshops mit dem Titel „Wie man Unternehmen leitet“ eine Fortbildung zu Grundkenntnissen der monatlichen und laufenden Buchführung.

Bekannte und Verwandte als Aktionäre
Zu Beginn der Geschäftstätigkeit bekommen die jugendlichen Entrepreneurs eine Förderung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Höhe von 900 Euro, verteilt auf 90 Anteilsscheine im Wert von 10 Euro. Diese müssen sie verkaufen. Natürlich sind oft Verwandte und Freunde die „Investoren“. Aber auch schon Prominente wie Ministerpräsident Kurt Beck haben auf den wirtschaftlichen Sachverstand der frischgebackenen Unternehmer gesetzt und Anteile gezeichnet. Anschließend kümmern sich die Schülerinnen und Schüler um die erfolgreiche Umsetzung der Geschäftsidee am Markt.

Während des gesamten Projektjahres unterstützt die JUNIOR-Geschäftsstelle die Jugendlichen. Dort werden Fragen zur Buchführung und zur Unternehmensleitung ebenso wie Fragen zur Organisation und zum Ablauf beantwortet. Die angefertigten Buchführungsunterlagen werden monatlich an die JUNIOR-Geschäftsstelle in Köln geschickt und mit ausführlichen Hinweisen und Tipps wieder zurückgesendet.

„Natürlich gibt es auch Unternehmen, die scheitern“, berichtet Susanne Grimminger. „Manchmal verlieren die Schülerinnen und Schüler das Interesse, ein anderes Mal stellt sich eine Geschäftsidee doch als undurchführbar oder nicht finanzierbar heraus. Aber zum Großteil organisieren die Jugendlichen interessante Projekte, mit denen sie sich dann auch an unseren Landes- und Bundeswettbewerben beteiligen können.“

COPS schulen zur Medienkompetenz
In Rheinland-Pfalz versuchen sich derzeit 377 Schülerinnen und Schüler in 25 Junior- und Junior KOMPAKT-Unternehmen. Insgesamt haben seit dem Programmstart in Rheinland-Pfalz im Schuljahr 1999/2000 über 4.700 Jugendliche geplant, verkauft und bilanziert.

Die landeseigene Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) und die Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT Rheinland-Pfalz gehören zu den Kooperationspartnern. Letztere bietet Fortbildungsmaßnahmen für JUNIOR-Schulpaten an und unterstützt die JUNIOR-Geschäftsstelle bei der Durchführung des Projektes in Rheinland-Pfalz.

COPS heißt die Firma, die sich am Ganztagsgymnasium Theresianum in Mainz in diesem Schuljahr gegründet hat. Jugendliche der 10., 11. und 12. Jahrgangsstufe bringen jüngeren Schülerinnen und Schülern den sicheren und fairen Umgang mit neuen Medien bei. „Leider gibt es in diesem Bereich noch zu wenig breit gefächerte Angebote. Wir hoffen, diese wichtige Marktlücke schließen zu können“, verkünden die Firmengründer auf ihrer Website.

In ihrer Freizeit haben sich die zwölf Hobby-Unternehmer zusätzlich zu “Jugendmedienschutz-Multiplikatoren“ ausbilden lassen und präsentierten ihre Tätigkeit als Medienscouts mit einem eigenen großen Stand auf der „iMedia“-Messe im Theresianum.

Selbstbewusstsein gewinnen
Als „Children Online Prevention Specialists“ (COPS) informieren sie jetzt Kinder der 4. und 5. Klassenstufe altersgerecht über den sicheren und kompetenten Umgang mit dem Internet. Als Ansprechpartner auf gleicher Ebene haben die COPS einen direkten Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern und nutzen ihre klaren und altersgerechten Erklärungen, um einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet und seinen Medien wie zum Beispiel ICQ und Schüler VZ zu vermitteln. „Dabei gehen wir auch auf Fragen aus der Klasse ein und beantworten diese schülergerecht“, erklärt Vorstandsvorsitzende Alyssa Loomans.

Die Themenfelder der Unterrichtseinheiten sind unter anderem: Verhaltensregeln im Netz, Datenschutz, Cybermobbing, Urheberrecht und Virenschutz. Die COPS arbeiten mit einer Präsentation, in die zwei Kurzvideos eingebettet sind und die durch einige Spiele aufgelockert werden.

Eine 90-minütige COPS-Fortbildung kostet andere Klassen und Schulen 100 Euro. Kann sich eine Schule diese Summe nicht leisten, blenden die COPS am Ende Werbung von Sponsoren ein, die sie für ihr Projekt gewinnen konnten.

Nach Beendigung des JUNIOR-Geschäftsjahres und nach der ordnungsgemäßen Auflösung des Unternehmens erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer das „Zertifikat junger Unternehmer“. Und falls die Firma Gewinn gemacht hat, wird dieser natürlich auch an die Anteilseigner ausgezahlt. „In der Regel spenden die Firmen und Aktionäre das Geld“, berichtet Philipp Freese, Projektkoordinator in Bayern und von JUNIOR kompakt.

Den größten Gewinn sieht Susanne Grimminger jenseits des schnöden Mammons: „Zu Beginn des Projekts am Schuljahresbeginn sind die Schülerinnen und Schüler oft schüchtern und zurückhaltend, wenn sie auf Veranstaltungen oder in Workshops ihr Unternehmen präsentieren. Zum Jahresende sind sie dann selbstbewusst und legen Präsentationen hin, dass auch wir noch ins Staunen geraten.“ Auch sei es eine „sehr schöne Entwicklung“, dass sich nach Beendigung der Schule oder des Studiums so mancher Projektteilnehmer tatsächlich auch „in ganz echt“ beruflich auf die eigenen Beine stelle.

Gerne dürfen es in Zukunft noch mehr werden, die sich bereits zu Schulzeiten an der Selbstständigkeit versuchen, wirbt Susanne Grimminger um die Beteiligung von Schulen an JUNIOR.

Autor: DZ Online-Redaktion - Ralf Augsburg

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