Rubrik: Schüler/innen
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Sie sind als erfolgreiche Teilnehmer am Mainzer Jugendmaskenzug bereits "Veteranen" der Fastnacht. In diesem Jahr blieb der Sultan allerdings zu Haus: Schulleiter Helmut Wagner führte die Polonaise als Scheich verkleidet in seiner Schule an – fand aber auch noch die Zeit, über die Entwicklung und die Vorzüge seiner Ganztagsschule zu sprechen.
"Ich kann jetzt leider nicht lange mit Ihnen sprechen. Ich sitze hier im Scheichkostüm am Schreibtisch, und die Kinder verlangen, dass ich gleich auf die Bühne komme." Keine Fragen mehr: Helmut Wagner, Schulleiter der Grund- und Realschule Plus in Budenheim und Mainz-Mombach, ist an Weiberfastnacht natürlich auch Teil des ganz normalen Wahnsinns, den man Fasching nennt.
300 Grundschülerinnen und -schüler sowie 300 Schülerinnen und Schüler der Sek I bilden mit Wagner an der Spitze eine Polonaise durch die Schule und feiern maskiert - "bis die Kinder fix und alle sind", wie der Rektor meint. Das Schöne an dem Tag sei "die absolut positive Grundstimmung, besonders in diesem Jahr", wie sich Wagner freut. Das habe mit dem zweieinhalbstündigen Programm des "Elferrats" aus Sek I-Schülern begonnen – 400 Kinder und Jugendliche waren in der Turnhalle anwesend - und sich am Schluss mit dem Kehraus im Schulgebäude durch die Abschlussklassen fortgesetzt. "Unser Hausmeister hatte Bedenken, dass das funktioniert, aber die Jugendlichen haben alles picobello aufgeräumt", berichtet der Schulleiter.
Der Fasching steht in der Lennebergschule immer unter einem Motto, so zum Beispiel "Piraten". Dann verkleiden sich sämtliche Lehrkräfte als Piraten; den Kindern sind die Verkleidungen freigestellt. Auch die Eltern tragen ihren Teil zu einem gelungenen Fest bei, wenn sie beispielsweise das Buffet bestreiten. Besonders gern erinnert sich Wagner an das unter dem Motto "Vampire" organisierte Buffet, bei dem die Eltern viel Phantasie hatten walten lassen und unter anderem roten Fruchtsaft in "Blutamphoren" und roten Wackelpudding kredenzten.
Erfolgreiche Teilnahme am Jugendmaskenzug
Auch außerhalb der Schule hat die Lennebergschule den lokalen Fasching bereits bereichert: Schülerinnen und Schüler haben nicht nur oft am Jugendmaskenzug in Mainz teilgenommen, sondern dort auch schon häufig den 1. Platz bei der durch die elfköpfige Prämierungskommission vorgenommenen Wahl der besten Motivzüge ergattert. "Ein Höhepunkt war sicherlich unsere Teilnahme 2009 unter dem Motto 'Sagen und Märchen entlang des Rheins'", erinnert sich Helmut Wagner. "Unsere Kinder haben eine 110 Meter lange Stofffahne getragen, die den Rhein darstellen sollte, und waren als Sagen- und Märchenfiguren verkleidet, so zum Beispiel bei der Sage um den Mäuseturm Bingen als Mäuse."
Die Teilnahmen hätten Riesenspaß gemacht, die Kehrseite bildeten allerdings die immense wochenlange Vorbereitung und der finanzielle Aufwand, den man nicht jedes Jahr stemmen könne. "Vor drei Jahren mussten wir unseren Zug im Vorfeld einüben, um abschätzen zu können, ob der lange Stoffbahnzug überhaupt funktionieren würde. Die Polizei hat uns dazu in Mombach die Straßen gesperrt", erzählt der Rektor.
Die Schule hat aufgrund dieses Aufwands in den vergangenen und in diesem Jahr eine Pause beim Jugendmaskenzug eingelegt. Dazu kommt jetzt noch die Erwartungshaltung in Budenheim, in diesem Jahr am erstmals organisierten, parallel zum Jugendmaskenzug stattfindenden Umzug "Spass uff de Gass" sozusagen "vor der eigenen Haustür" teilzunehmen. "Den Spagat müssen wir noch irgendwie hinkriegen", erklärt Wagner.
Dieser Spagat ergibt sich natürlich auch durch die spezifische Konstruktion der Grund- und Realschule plus an zwei Standorten. Vor vier Jahren fusionierten die Grund- und Hauptschule Mainz-Mombach und die Grund- und Hauptschule Budenheim und sind nun seit drei Jahren als Grund- und Realschule plus Budenheim / Mainz-Mombach organisiert. "Der sperrige Name wird bald verschwinden", berichtet der Schulleiter. "Namensvorschläge liegen bereits zur Abstimmung auf dem Tisch."
Ganztagsschule: Einsicht in die soziale Notwendigkeit
Seit zwölf Jahren ist Helmut Wagner Schulleiter; er leitete einst die Grund- und Hauptschule Mainz-Mombach, kannte aber auch die Gegebenheiten in Budenheim sehr gut, so dass er eine natürliche Wahl für den Schulleiterposten der vereinten Standorte war. Als anglophiler Lehrer war er zudem mit der britischen Schullandschaft bestens vertraut. Von seinen Aufenthalten auf der Insel ließ er sich in einem entscheidenden Punkt inspirieren: Dass die Grund- und Hauptschule Mainz-Mombach 2004 als Ganztagsschule in Angebotsform startete, lag nicht zuletzt an diesem Blick über den nationalen Gartenzaun. "Bis auf Deutschland ist es fast überall selbstverständlich, dass der Schultag bis 16 oder 17 Uhr dauert", befand Wagner.
Aber der entscheidende Grund zur Gründung der Ganztagsschule war die Einsicht, "dass es immer mehr Schlüsselkinder gab, die am Nachmittag keine Unterstützung und Betreuung mehr durch ihre Eltern enthielten", erinnert sich der Pädagoge. "Da die betreuende Grundschule damals schon eine gute Resonanz fand und zugleich das Ganztagsschulprogramm des Landes startete, haben wir uns zu dem Schritt entschlossen, Ganztagsschule in Angebotsform zu werden." Bis die klare Entscheidung im Kollegium stand – 43 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen – musste Wagner damals noch viel Überzeugungsurlaub im Vorfeld leisten. "Einige Kolleginnen und Kollegen waren wenig begeistert von der Aussicht, bis nachmittags in der Schule anwesend sein zu müssen."
Doch es siegte die Einsicht, dass man die zusätzliche Zeit gut gebrauchen konnte: "Wir wollten Kinder unterstützen, die sonst nicht mal ihre Hausaufgaben hätten bewältigen können", berichtet der Schulleiter. Der Zuspruch der Eltern bei der Anmeldung war dann "überwältigend". Laut Wagner rechnete die Schule mit etwa 30 Anträgen – ungefähr die doppelte Zahl ging ein.
Familienatmosphäre beim Mittagessen
Heute nehmen 180 von den rund 600 Schülerinnen und Schülern die Ganztagsangebote wahr, die montags bis donnerstags stattfinden. Nach dem Vormittagsunterricht gehen die Kinder und Jugendlichen zum Mittagessen, das in der Küche des Caritas Bürgerservice zubereitet wird, die sich im Schulgebäude befindet. Die warme Mahlzeit ist für die Ganztagsschülerinnen und -schüler verpflichtend. "Ich habe dem Essen früher nicht so viel Bedeutung zugemessen", gibt der Schulleiter zu, "und meine Meinung da klar geändert. Das gemeinsame Mittagessen, bei dem die Kinder das Essen selbst an den Tischen verteilen, bringt viel soziales Lernen. Die gemeinsame Mahlzeit hat etwas von einer Familienatmosphäre, und als Lehrkraft erfährt man in dieser Zeit viel über die Kinder, erlebt sie einmal anders, und zusammen haben wir auch viel Spaß."
Nach einer halben Stunden Bewegungszeit auf dem Schulhof finden von 14 Uhr bis 15.30 Uhr Förder- und Forderstunden oder Arbeitsgemeinschaften statt. In der Förderzeit werden die Gruppen noch einmal geteilt, um in Kleingruppen zu arbeiten. Hier sind täglich vier Lehrerinnen und Lehrer zusätzlich zu den Betreuungskräften eingesetzt. Auch Kinder und Jugendliche, die nicht in die Ganztagsschule gehen, können hier freiwillig teilnehmen. Und dem Rektor zufolge wird von diesem Angebot "erfreulicherweise viel Gebrauch gemacht".
Für die Dauer eines halben Schuljahres wählen die Kinder und Jugendlichen zwei bis drei Arbeitsgemeinschaften, die unter anderem von externen Fachkräften durchgeführt werden. "Hier arbeiten viele Studenten vom Bildungswerk des Handwerks bei uns, die einen Bezug zur Schule haben", erläutert der Schulleiter. Bei Bedarf erhalten Schülerinnen und Schüler zusätzlichen Förderunterricht in Deutsch, Englisch oder Mathematik. Hierzu werden kleine Gruppen von drei bis fünf Kindern und Jugendlichen gebildet.
Um 15.30 Uhr endet der Tag mit einer Abschiedsversammlung, zu der sich alle Schülerinnen und Schüler mit ihren Gruppenleitern versammeln, um den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen: Was war gut? Was hätte besser sein können? "Diese Idee der Assembly habe ich auch aus Großbritannien mitgebracht", erläutert Helmut Wagner.
"Mühlräder" sorgen für Geborgenheit und Flexibilität
Wenn die Kinder nach Hause kommen, sollen die Hausaufgaben nach Möglichkeit erledigt sein. Von einer hausaufgabenfreien Ganztagsschule ist die Grund- und Realschule plus Budenheim / Mainz-Mombach zwar noch ein gutes Stück entfernt, aber durch die verstärkte Einführung von Doppelstunden in diesem Schuljahr können Lehrerinnen und Lehrer besser Übungsintervalle einbauen, so dass umfangreiche Hausaufgaben überflüssig werden. "Dieses Konzept haben wir vom Gymnasium Mainz-Gonsenheim abgeschaut", erzählt der Schulleiter.
Besonders stolz ist Helmut Wagner auf das "Mühlradprojekt": Der Caritasverband Mainz e.V. und die Gemeinde Budenheim tragen die Betreuerinnen am Nachmittag. Seitdem die Grund- und Realschule plus Ganztagsschule ist, hat das "Mühlrad" die Leitung der so genannten Familienklassen übernommen, also den Gruppen, in denen die Ganztagsschülerinnen und -schüler zusammen essen, lernen und spielen. Damit wird gewährleistet, dass die Kinder über feste Ansprechpartner verfügen und ihnen so auch ein "Stück Geborgenheit" vermittelt wird. Eltern können gegen Bezahlung hier auch ihre Halbtagskinder tageweise anmelden. Laut Schulleiter Wagner wird dies sehr stark genutzt.
Autor: DZ Online-Redaktion Ralf Augsburg
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