Rubrik: Schüler/innen
zur Übersicht
Format: Reportage
Sie wollen mehr Reportagen lesen - hier finden Sie sämtliche Beiträge dieses Formats.
zur Übersicht
Thema:
Gesundheitsförderung
Gesundheitsförderung ist ein Thema, das unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden kann. Hier stehen Ihnen alle weiteren Beiträge zum Thema zur Verfügung.
zur Übersicht
Wie kann man Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien die gesellschaftliche Teilhabe erleichtern? Ganztagsschulen sind ein Mittel, wie die Ausführungen von Wissenschaftlern und das praktische Schulbeispiel der Förderschule Landskronschule Oppenheim auf der Fachtagung "Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen in sozial benachteiligter Lebenslage durch Teilhabe Bildungspaket & Co.?" des Regionalen Knotens Rheinland-Pfalz am 10. November 2011 in Mainz zeigte.
Der Wissenschaftler fand deutliche Worte: "Seit zehn Jahren diskutieren wir über Kinderarmut – getan hat sich nicht viel." Prof. Dr. Werner Wüstendörfer von der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg war als einer von zwei Hauptreferenten vom Netzwerk Regionaler Knoten Rheinland-Pfalz am 10. November 2011 in den Erbacher Hof nach Mainz eingeladen worden, um sich mit dem Tagungsthema "Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen in sozial benachteiligter Lebenslage durch Teilhabe Bildungspaket und Co.?" auseinanderzusetzen.
Der Regionale Knoten Rheinland-Pfalz ist Teil eines bundesweiten Kooperationsverbundes zur Stärkung von Gesundheitschancen für Menschen in benachteiligten Lebenslagen. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Vernetzung und Koordination für einen fachlichen Austausch und transparenten Wissenstransfer, die öffentliche Darstellung und die Lotsenfunktion. Mit der Mainzer Tagung wollte der Regionale Knoten die Chancen und Möglichkeiten diskutieren, gesellschaftliche Partizipation von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen in Schule, Stadtteil und Freizeit zu erhöhen.
Prof. Wüstendörfer hatte sich dazu den Aspekt der "Gesellschaftlichen Teilhabe aus Sicht von Eltern im Hartz IV-Bezug" näher angesehen und konnte den Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmern Ergebnisse aus Befragungen von Eltern in Nürnberg aus dem Jahr 2007 und Osnabrück aus dem Jahr 2010 vorstellen. Über 1.000 Eltern – in Nürnberg solche von Grundschülern, in Osnabrück solche von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I - hatten sich an den Befragungen der Hochschule zu den Themen finanzielle Situation, Teilhabe und Gesundheit beteiligt.
Ganztagsschulausbau als wichtige Maßnahme
"Eine erhebliche Diskrepanz besteht in der sozialen Teilhabe: 51 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Kinder von sportlichen, kulturellen und anderen Freizeitangeboten ausgeschlossen sind – bei Eltern, die kein Hartz IV beziehen, sind das nur 23 Prozent. Ein ebenfalls großer Unterschied zeigt sich in der Möglichkeit, die Kinder schulisch zu unterstützen", resümierte der Sozialwissenschaftler. Gerade bildungsferne Familien wünschten sich für ihre Kinder "Bildung, Bildung, Bildung" – und gerade sie könnten sich die Förderung nicht leisten.
Das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung sei unter diesem Aspekt ein Schritt in die richtige Richtung; Wüstendörfer kritisierte es jedoch als "zu bürokratisch". Die Befragungsergebnisse zeigten, dass die Eltern nicht zuerst an ihren Kindern sparen würden, insofern sei das "Misstrauen des Staates gegenüber den Eltern bezüglich der Verwendung direkter finanzieller Mittel" ungerechtfertigt. Der Wissenschaftler forderte die Erhöhung direkter finanzieller Unterstützungsmaßnahmen und die Wiedereinführung der Einzelfallhilfen, die momentan in die Regelsätze eingerechnet sind. Daneben müssten die zahlreichen Unterstützungs- und Beratungsangebote, die es bereits gebe, den Eltern viel präsenter gemacht werden: "Unsere Befragungen zeigen, dass sich die Eltern Unterstützung durch Institutionen insbesondere bei Geldsorgen, beruflichen Problemen und Wohnungsproblemen wünschen – zugleich werden aber solche bestehenden Angebote wegen Unkenntnis kaum in Anspruch genommen."
Ein weiterer wichtiger Punkt ist Werner Wüstendörfer zufolge der flächendeckende Ausbau von Kinderbetreuungsmaßnahmen, angefangen von Kindertagesstätten und Ganztagsschulen. Hier traf er sich mit Christine Morgenstern. Die Abteilungsleiterin Gesundheit im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (MSAGD) führte in ihrem Grußwort aus, dass ein Schwerpunkt der Koalitionsarbeit die Verhinderung von Familien- und Kinderarmut sei. Der Ausbau von Ganztagsschulen mit ihren Bildungsangeboten helfe gerade Kindern aus bildungsfernen Familien, denn "Bildung und Teilhabe sind wichtige Ressourcen für die Gesundheit".
Prävention früh einsetzen lassen
Auch Dr. Dietrich Engels vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik in Köln mahnte in seinem Vortrag an, die "Präventionskette möglichst früh einsetzen zu lassen". Dazu gehörten die verstärkte schulische wie außerschulische Förderung der Kinder und Jugendlichen sowie die Stärkung der Sozialarbeit in- und außerhalb der Schulen.
Wie eine Ganztagsschule die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in sozial benachteiligter Lebenslage ermöglichen kann, verrieten die Schülerinnen und Schüler der Landskronschule in Oppenheim, einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen und dem Förderschwerpunkt Ganzheitliche Entwicklung, in einem Workshop. Als Modellschule für Partizipation und Demokratie im Netzwerk Mitte der Serviceagentur "Ganztägig lernen" Rheinland-Pfalz setzt die Ganztagsschule in Angebotsform besonders auf die aktive Beteiligung der Schülerinnen und Schüler am Schulleben.
Einmal in der Woche findet der Klassenrat statt, einmal monatlich die Schulversammlung mit allen Schülerinnen und Schülern. "Da haben zum Beispiel zwei Schüler den Antrag gestellt, Boxen zu installieren, um auf dem Pausenhof Musik hören zu können", berichtete ein Schüler im Workshop. "Wir haben das in der Schulversammlung diskutiert, dem zugestimmt, und nun werden die Boxen angeschafft, für die die Schülerzeitung Geld spendet." Auch bei der Schulhofgestaltung bestimmten die Kinder und Jugendlichen mit und diskutierten mit den Architekten. Den Schulkiosk betreibt eine Schülerfirma, ebenso besuchen die Kinder und Jugendlichen einen Ersten-Hilfe-Kurs, um als Schulsanitäter auf dem Schulhof gegebenenfalls helfen zu können.
Ständige Selbstreflexion
Prägend für das Schulklima und Wohlbefinden sind auch Aktionen wie die gemeinsame Gestaltung des Außengeländes, gemeinsame Freizeitaktivitäten und wertschätzende Institutionen á la "Hingucker des Monats": Hier wird im Foyer der Schule eine Schülerarbeit ausgestellt, welche die Lehrerinnen und Lehrer als besonders gelungen ausgewählt haben. Bei "S.A.M.S – Schüler arbeiten mit Schülern" sind im Schuljahr 2010/2011 sieben Schülerinnen und Schüler als ausgebildete Lern-Coaches in den Klassen 1- 5 eingesetzt. Ihr Einsatz erfolgt einmal wöchentlich in der Lernzeit. Dabei wird mit jedem Teilnehmer der Einsatz in der Lernzeit individuell ausgewählt und besprochen: Die Auseinandersetzung mit Lernstrategien, die Erarbeitung von Lerntipps und Hilfestellungen sind zuvor von den Lehrkräften mit den Lern-Coaches in Rollenspielen erarbeitet worden. Die S.A.M.S.-Schüler üben sich dabei im Übernehmen von Verantwortung und erwerben wichtige Schlüsselqualifikationen.
"Die Mitbestimmung stützt das Selbstbewusstsein", erklärte eine Lehrerin. "Für die Kinder ist es dabei auch wichtig, dass sie feste Bezugspersonen haben. Wir haben deshalb die freien Arbeitsgemeinschaften mit wechselnden Ansprechpartnern wieder reduziert, seitdem ist es viel ruhiger in der Schule als früher." Eine Steuerungsgruppe entwickele das Qualitätsprogramm ständig weiter, daneben existierten diverse Arbeitsgruppen im Kollegium. "Es ist wichtig, sich immer zu hinterfragen und die Arbeit zu reflektieren", erklärte die Pädagogin. Das gelte auch für die Schülerinnen und Schüler, welche die Regeln und ihr Einhalten ständig selbstständig mit Hilfe von Symbolen reflektierten.
Autor: DZ Online-Redaktion Ralf Augsburg
Weiterführende Links:
Mehr Beiträge aus dem Ganztagsschulportal:
Über 500 Ganztagsschulen in Angebotsform verteilen sich über das Land. Welche in Ihrer Nähe ist, erfahren Sie hier.
Hier finden Sie Basis-Dokumente und Materialien zur Ganztagsschule in Angebotsform und vieles mehr!
| « | February 2012 | » | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Su | Mo | Tu | We | Th | Fr | Sa |
| 1 | 2 | 3 | 4 | |||
| 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 |
| 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 |
| 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 |
| 26 | 27 | 28 | 29 | |||